Pajtim Kasami: «Ich fühle mich besser als vor einem Monat»
Aktualisiert

Pajtim Kasami«Ich fühle mich besser als vor einem Monat»

2009 gewann Pajtim Kasami den U17-WM-Titel. 2011 wurde er mit der U21 Vize-Europameister und nahm 2012 an Olympischen Spielen teil, spielte in Italien und England. Nun richtet sich der 20-Jährige in Luzern ein.

von
Eva Tedesco

Es mutet grotesk an, wenn eine fehlende Internetverbindung einen Transfer eines Fussballers verhindert. Bei Kasami war das aber der Fall. Der Regisseur sollte kurz vor dem Ende der Transferfrist im Januar von Fulham in die Serie A zu Pescara ausgeliehen werden. Da die Internet-Verbindung im Hotel in Mailand, wo der Mercato stattfand, nicht funktionierte, konnte sein Agent Mino Raiola das für den Wechsel nötige Dokument nicht an die Liga übermitteln – der Deal platzte.

Statt bei Pescara in der Serie A kickt Kasami nun seit sechs Wochen beim FC Luzern in der Super League. Bis Ende Saison richtet der schweizerisch-montenegrinische Doppelbürger seine Laufbahn nun neu in der Schweiz aus, nachdem er in der Premier League nicht mehr zum Einsatz kam und ein Karriereknick drohte. Den Wechsel zurück in die Schweiz bereut der 20-Jährige nicht. Nach vier Einsätzen mit dem FCL sagt er: «Wenn man jung ist, muss man spielen. Ich fühle mich schon viel besser, als noch vor einem Monat.»

Unruhige Wanderjahre

Mit Vereinswechseln hat er mehr Erfahrung als ihm wohl lieb ist. Mit 14 Jahren verliess Kasami sein Elternhaus in Andelfingen und schloss sich als Fussball-Lehrling GC an. Mit 16 wechselte er in die Juniorenabteilung von Liverpool und ging ein Jahr später zu Lazio Rom nach Italien. Nach einem kurzen Abstecher zur AC Bellinzona (2009/10, 10 SL-Einsätze, 2 Tore) lotste ihn Palermo in den Süden Italiens. Mit 18 Jahren debütierte der kräftige Mittelfeldspieler in der Serie A und kam auf rund 25 Pflichtspiele im ersten Jahr für die Sizilianer. Sein Marktwert stieg. Das Interesse am physisch starken Mittelfeldspieler auch. 2011 setzte er seine junge Karriere bei Fulham fort, wo er noch einen laufenden Vertrag bis 2015 hat. Seit Februar ist er Luzern ausgeliehen.

«Die Umstellung hat etwas Zeit gebraucht. Aber ich übernehme gerne die Verantwortung des Spielmachers, auch wenn ich das Gefühl habe, dass man manchmal vergisst, dass ich erst 20 Jahre alt bin», so Kasami und schmunzelt dabei. Die grösste Umstellung für ihn betrifft aber das Niveau in der Super League. «In England und in Italien ist das Niveau wesentlich höher. Sich eben nicht diesem Niveau anzupassen, bedeutet die grösste Herausforderung für mich.»

Regelmässiger Kontakt mit Fulham

Kasami belebt das Luzerner Mittelfeld und besticht mit einer grossen Präsenz. Dennoch: So richtig rund läuft es den Innerschweizern nicht. Luzern kommt in den letzten sechs Partien auf vier Remis und zwei Niederlagen (Torverhältnis 4:9). In den drei Heimspielen (Servette, Thun, FCZ) nach der Winterpause holte der FCL drei Unentschieden und erzielte zwei Tore. «Die Stimmung in der Mannschaft ist dennoch nicht schlecht, aber klar wäre sie besser, wenn wir endlich zu siegen beginnen würden.»

Die nächste Gelegenheit bietet sich am Ostermontag gegen den FC Basel. Kasami freut sich auf das Kräftemessen mit dem Meister und auf englische Verhältnisse. Das Wetter in der Schweiz sei derzeit ja englisch und «ich habe gehört, dass das Stadion voll sein wird». Mit seinem englischen Klub steht er immer in Kontakt. «Wir telefonieren regelmässig nach den Spielen für ein Feedback von mir».

Das Zeugnis gegen den FCB soll positiv ausfallen. Die Chancen stehen nicht schlecht, denn Rotblau scheint dem FCL zu liegen. Im Juli trotzen die Leuchten dem FCB im Joggeli ein 2:2-Remis ab. Und im letzten Oktober fügten sie dem Meister eine knappe 0:1-Niederlage zu. Besonders süss machte den Sieg, dass es das erste Spiel von Murat Yakin als FCB-Trainer war, nachdem er nur wenige Wochen zuvor in Luzern entlassen worden war.

FCL-Trainer Ryszard Komornicki über Kasami:

«Er arbeitet gut und hat sich schnell integriert und auch schnell integrieren lassen. Ich bin sehr zufrieden mit seiner Entwicklung, aber er kann noch mehr. Er sucht den Abschluss. Er ist torgefährlich, aber gerade im Strafraum muss er noch zielstrebiger werden und noch mehr das Tor suchen. Er läuft (zu) viel, will immer den Ball haben und bietet sich an. Aber der letzte Pass muss besser kommen, dann wäre es perfekt. Das weiss Pajtim auch.» ete

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