«Ich fühle mich nicht als Heldin»
Aktualisiert

«Ich fühle mich nicht als Heldin»

Auf die neue Bundesrätin wurde massiv Druck ausgeübt, wie sie heute vor der Presse sagte. Allerdings überliess ihr die SVP den Entscheid, ob sie die Wahl annehme.

Eveline Widmer-Schlumpf sprach zum ersten Mal als Bundesrätin vor der Presse und stellte sich den Fragen. Es sei kein Druck von Seiten der Partei ausgeübt worden. Man habe ihr aber klar zu verstehen gegeben, dass eine Wahlannahme nicht mitgetragen werde. Sie habe mit Ueli Maurer im Vorfeld der Wahlen gesprochen, sie habe aber nie ernsthaft daran geglaubt, als Bundesrätin gewählt zu werden.

Die Situation ohne starke Fraktion im Rücken «wird nicht einfach», sagte Widmer-Schlumpf. Sie wolle aber versuchen, den Kontakt mit der SVP-Fraktion aufrecht zu erhalten. «Ich glaube, dass ich in der Fraktion Ansprechpartner haben werden», gibt sie sich verhalten zuversichtlich. Gleichzeitig frage sie sich, ob eine Fraktionsspaltung juristisch überhaupt möglich sei.

Sie werde auch andere Fraktionen um Unterstützung ersuchen. «Ich fühle mich aber nicht als Heldin der Linken», antwortete sie auf eine entsprechende Frage. Sie sei überraschend vor die Wahl gestellt worden und habe einen Entscheid treffen müssen. «Ich war sehr froh über die Bedenkzeit, die man mir gab», so Widmer-Schlumpf, die am Dienstagabend per SMS zum ersten Mal konkret mit der Möglichkeit konfrontiert wurde, als Bundesratskandidatin portiert zu werden.

Dass sie die Wahl angenommen hat, macht sie bei den Hardlinern der SVP zur Verräterin. Widmer-Schlumpf bestätigte, dass dies in der Fraktion offen kommuniziert wurde. Zudem bestätigte sie, dass es massive Drohungen gegen ihre Person gab, die in «zwei, drei E-Mails» ausgesprochen wurden, die sie gestern Abend erhalten habe. Von wem die Drohungen ausgingen, sagte sie nicht. Sie sei bereits in der Vergangenheit mit Drohungen konfrontiert worden und «ich bin mir bewusst, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird».

Die Wahl habe sie schliesslich angenommen, weil die SVP «konstruktiv» im Bundesrat mitreden soll. Sie wolle zeigen, «dass das möglich ist». Ermutigt haben sie die rund 1200 positiven Zuschriften, die sie seit ihrer Wahl bekommen habe.

Dass sie ein unbeschriebenes Blatt ist, glaubt sie nicht unbedingt. Die Linke und die Rechte kenne sie aus verschiedenen Kommissionen. Die Parlamentarier wüssten deshalb, «was auf sie zukommt».

Keine Gedanken hat sich Eveline Widmer-Schlumpf über die Departementsverteilung gemacht. Sie sei offen, auch für das Justizministerium von Christoph Blocher, mit dem sie bisher ein «unverkrampftes Verhältnis» pflegte. Wie das nun weitergehe, wisse sie heute noch nicht.

Mit Eveline Widmer-Schlumpf kommt eine SVP-Bundesrätin, der die Konkordanz wichtig ist, wie sie betonte. Sie werde sich auch im Bundesrat dafür einsetzen.

Marius Egger, 20minuten.ch

Video: SVP-Stratege Christoph Mörgeli zur Abwahl von Christoph Blocher.

Video: Maurice Thiriet/20minuten.ch

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