Wegen Kriechmayr-Start – «Ich fühle mich wie im Kindergarten» – Schweizer Alpin-Chef ärgert sich
Publiziert

Wegen Kriechmayr-Start«Ich fühle mich wie im Kindergarten» – Schweizer Alpin-Chef ärgert sich

Der Österreicher Vincent Kriechmayr darf in Wengen dank einer Sonderbewilligung beide Abfahrten bestreiten. Nach einem abgewiesenen Protest herrscht im Schweizer Lager dicke Luft.

von
Lucas Werder
Adrian Hunziker
(aus Wengen)
1 / 3
Der Schweizer Alpin-Chef Walter Reusser kann den Entscheid der FIS überhaupt nicht verstehen.

Der Schweizer Alpin-Chef Walter Reusser kann den Entscheid der FIS überhaupt nicht verstehen.

freshfocus
Vincent Kriechmayr darf nur mit einem Mini-Training beide Abfahrten in Wengen bestreiten.

Vincent Kriechmayr darf nur mit einem Mini-Training beide Abfahrten in Wengen bestreiten.

AFP
Der Österreicher war nach seiner Corona-Erkrankung am Mittwochabend kurzfristig angereist.

Der Österreicher war nach seiner Corona-Erkrankung am Mittwochabend kurzfristig angereist.

REUTERS

Darum gehts

  • Vincent Kriechmayr darf in Wengen sowohl am Freitag als auch am Samstag in der Abfahrt an den Start.

  • Ein Protest von Swiss-Ski wurde von der FIS abgelehnt.

  • Walter Reusser, Alpin-Direktor von Swiss-Ski, ist wütend über den Entscheid.

  • Kriechmayr absolvierte am Freitagmorgen eine Trainingsfahrt von wenigen Metern.

«Das ist eine Frechheit», tobt Walter Reusser im Wengener Zielgelände. Der Alpin-Direktor von Swiss-Ski ist stinksauer auf den FIS-Entscheid, dass der Österreicher Vincent Kriechmayr dank einer Sonderbewilligung sowohl am Freitag als auch Samstag am Lauberhorn eine Abfahrt bestreiten darf.

Umgehend nach der Bekanntgabe des Entscheids am Donnerstagabend hatte der Schweizer Verband Protest eingelegt – ebenso die Franzosen. Doch dieser wurde rigoros abgeschmettert. «Wir können den Entscheid der Renn-Jury nicht anfechten», sagt Reusser zu 20 Minuten.

«Ich komme mir hier vor wie im Kindergarten», legt der Alpin-Chef nach. Ihm gehe es dabei gar nicht um Kriechmayr, sondern ums Regelwerk: «Ab heute ist überhaupt nichts mehr klar. Nun hat die FIS einen Präzedenzfall geschaffen.» Reusser fühlt sich selbst benachteiligt. «Es gibt Athleten, die jetzt nach einer Infektion zu Hause sind und nicht starten können, weil sie sich ans Reglement gehalten haben», erklärt er.

Alibi-Training für Kriechmayr

Rückblick: Vincent Kriechmayr war nach seiner Corona-Erkrankung erst am späten Mittwochabend nach Wengen gereist. Die beiden Abfahrtstrainings verpasste der österreichische Doppel-Weltmeister dadurch. Eigentlich wäre eine Teilnahme an den beiden Abfahrten von Freitag und Samstag so nicht erlaubt. Eigentlich.

Denn die FIS erteilte dem 30-Jährigen eine Sonderbewilligung. Ausnahmsweise dürfe Kriechmayr am Freitag vor Rennstart ein Spezialtraining absolvieren, das ihn zum Start am Rennen berechtigt. Dafür schwang sich Kriechmayr um 10.44 Uhr morgens kurz aus dem Starthaus – und schwang nach wenigen Metern bereits wieder ab (siehe Video oben).

«Würde mich für ihn freuen»

«Das ist im Sinne der Sicherheit nicht vertretbar», findet Reusser. «Er kam sich ja heute am Start selber lächerlich vor.» Dabei hätte sich Swiss-Ski gar noch für Kriechmayr eingesetzt. Wäre der Österreicher früher angereist, hätte man ihn am Mittwoch als einzigen Athleten von ganz oben starten lassen wollen. So hätte dieser regelkonform am Samstag die «ganze» Lauberhornabfahrt absolvieren dürfen.

Das kann Kriechmayr nun dank Sonderbewilligung und Mini-Training auch so. Alpine-Chef Reusser macht dem Super-G-Spezialisten selber aber keinen Vorwurf. «Sollte Kriechmayr heute gewinnen, freue ich mich für ihn. Schliesslich war er dann der Beste am Berg.»

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

Deine Meinung

57 Kommentare