Timothy Fayulu: «Fühle mich, wie wenn man auf mich geschossen hätte»
Aktualisiert

Jetzt redet Sion-Goalie Fayulu«Ich fühle mich, wie wenn man auf mich geschossen hätte»

Sion Goalie Timothy Fayulu wurde wohl rassistisch beleidigt. Sion will nun eine Anzeige gegen unbekannt einreichen.

von
Sven Forster
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Torhüter Timothy Fayulu soll rassistisch beleidigt worden sein. 

Torhüter Timothy Fayulu soll rassistisch beleidigt worden sein.

Claudio Thoma/freshfocus
Er gab am Sonntag ein Interview. 

Er gab am Sonntag ein Interview.

Claudio Thoma/freshfocus
Es war das erste Mal, dass er so beleidigt wurde. 

Es war das erste Mal, dass er so beleidigt wurde.

Claudio Thoma/freshfocus

Darum gehts

  • Sion-Goalie Timothy Fayulu soll beleidigt worden sein.

  • Vizepräsident Gelson Fernandes will eine Anzeige gegen Unbekannt einreichen.

  • Die Liga hat eine Untersuchung eingeleitet.

Beim 1:1 zwischen St. Gallen und Sion kam es mutmasslich zu einem Rassismuseklat. Sion-Goalie Timothy Fayulu soll von den Fans der Gastgeber rassistisch beleidigt worden sein. Auf der Homepage der Sittener gab der junge Goalie ein kurzes Interview.

Auch einen Tag nach dem Spiel geht es ihm nicht gut. «Mir tut es sehr weh. Ich habe keine Worte, um es zu beschreiben.» Er erzählt aus seiner Sicht die Erlebnisse aus dem Kybunpark: «Zuerst haben sie mich mit Bier und Feuerzeugen beworfen, aber das ist okay. Danach hörte ich Scheiss Fayulu, Monkey Fayulu. Im Grunde nannten sie mich einen Affen.» Fayulu weiter: «Ich fühle mich, wie wenn man auf mich geschossen hätte.»

«Mir wurde die Situation bewusst, als ich seine Augen sah»

Nach dem Vorfall wollte er nicht sofort in die Kabine gehen, da er so seinen Peinigern recht gegeben hätte. Als dann Spieler des FC St. Gallen zu ihm kamen, wurde es zu viel. Der 23-Jährige prüft nun rechtliche Schritte. Unterstützung erhält er dabei von seinem Club. Sions Vizepräsident Gelson Fernandes: «Wir wollen, dass Timothy eine Anzeige gegen unbekannt einreichen kann. Wir stellen ihm den Anwalt des Clubs zur Verfügung. Es muss Gerechtigkeit herrschen.»

Der ehemalige Nati-Star: «Was wir erlebt haben, ist eine sehr ernste Sache, die wir nicht tolerieren und die wir nicht durchgehen lassen können.» Zuerst habe er nicht realisiert, dass es rassistische Äusserungen gab. Fernandes: «Mir wurde die Situation erst bewusst, als ich auf dem Feld zu Timothy Fayulu ging und seine Augen sah. Er hat mir nicht direkt gesagt, dass er Opfer rassistischer Beleidigungen geworden sei. Er sagte mir aber: Ich bin kein Affe

Liga leitet Untersuchung ein

Fernandes hat eine klare Sicht auf die Dinge: «Timothy Fayulu ist Schweizer und hat sich entschieden, für die Schweiz zu spielen. Er liebt die Schweiz. Es ist schwer, eine größere Verbundenheit zu zeigen. Es tut mir weh, weil es eine Minderheit ist, aber wenn wir mit verschränkten Armen dasitzen, glaube ich nicht, dass wir viele Dinge ändern können.»

Die Schweizer Fussballliga leitet aufgrund der Vorkommnisse eine Untersuchung ein. Diese wird auch vom FC St. Gallen unterstützt, wie der Club in einer Mitteilung schreibt. Darin heisst es: «Wir verurteilen jede Art von unsportlicher Aggression und verbaler Gewalt gegenüber den Spielern und Schiedsrichtern aufs Schärfste.»

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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