Aktualisiert 07.01.2014 09:56

Doktor Sex

«Ich fühle mich zum Sexobjekt degradiert!»

Ella stört es gewaltig, dass ihr Freund bei jeder Umarmung eine Erektion kriegt. Lieber hätte sie stattdessen echte Zuwendung und Geborgenheit.

von
wer
Auf das Geschlecht und den Körper reduziert zu werden, kann sehr unangenehm sein. (Symbolbild: Colourbox.com, Ruslan Guzov)

Auf das Geschlecht und den Körper reduziert zu werden, kann sehr unangenehm sein. (Symbolbild: Colourbox.com, Ruslan Guzov)

Frage von Ella (30) an Doktor Sex: Mein Freund kriegt bei jeder Umarmung von mir eine Erektion. Wir sind nun seit mehr als zwei Jahren zusammen und langsam stört mich das gewaltig. Ich fühle mich zum Sexualobjekt degradiert und auf meine körperlichen Reize reduziert. Die Geborgenheit, die ich in seinen Umarmungen suche, finde ich nicht. Was können wir tun?

Antwort von Doktor Sex

Liebe Ella

Bei der Analyse einer Zuschrift gilt meine Aufmerksamkeit jeweils zuerst der Frage: wer hat das Problem? Manchmal ist die Antwort offensichtlich, zuweilen erschliesst sich die Sachlage aber erst auf den zweiten Blick und nach einer vertieften Auseinandersetzung mit verschiedenen möglichen Sichtweisen auf die geschilderte Situation. Oft präsentiert mir die fragestellende Person eine scheinbar eindeutige Ausgangslage mit einer klaren Zuweisung der Rolle von «Täter» und «Opfer». Immer wieder entpuppt sich diese aber als vom Wunsch beseelte Konstruktion, jemand anderem die «Schuld» für das eigene Leiden in die Schuhe zu schieben – oft, um selber nichts ändern zu müssen. Irgendwie verständlich, denn es ist tatsächlich meist einfacher, über andere abzulästern und an ihre Verantwortung zu appellieren, als selber hinzustehen und vor der eigenen Türe zu wischen.

Deine Frage geht in eine ähnliche Richtung. Du bietest mir an, deinen Freund und insbesondere dessen Erektion zum Problem zu machen. Darum geht es meiner Meinung nach aber nicht.

Dass dein Partner einen Steifen kriegt, wenn du ihn umarmst, zeigt in erster Linie, dass er auch nach zwei Jahren noch auf dich steht, dass er dir emotional zugewandt und körperlich gesund ist. Manche Frauen wären froh, wenn das mit der Erektion bei ihrem Partner so einfach funktionieren würde wie bei ihm. Wenn du dich wegen des bisschens Bluteinschuss in den Penis und der Härte in der Hose gleich zum Sexobjekt degradiert und auf deine körperlichen Reize reduziert fühlst, liegt das an deiner Interpretation der Sache. Und, so vermute ich, auch etwas an deinem Selbstvertrauen. Es geht daher nicht um euch als Paar. Und auch nicht um deinen Freund, sondern um dich. Finde heraus, was dich – notabene nach zwei Jahren – plötzlich derart sensibel reagieren lässt und wieso du die Erektionen deines Freundes so negativ bewertest.

Was du wissen musst: Ein erigierter Penis bedeutet nicht automatisch, dass ein Mann spitz ist oder an Sex denkt. Die Erektion ist ein unwillkürlicher Vorgang. So wenig, wie sie unterdrückt werden kann, ist es möglich, sie bewusst herbeizuführen. Häufig entsteht sie aus dem Nichts und an den unmöglichsten Orten oder in den unpassendsten Situationen. Nicht selten mit peinlichen Konsequenzen. Was für die meisten Männer aber noch viel schlimmer ist: Ab und zu bleibt sie vorübergehend oder auch längerfristig aus – oft genau dann, wenn sie am meisten erwünscht wäre. Selbstverständlich führt auch sexuelle Erregung dazu, dass sich der Penis mit Blut füllt und aufrichtet. Im Alltag finden die meisten Erektionen aber statt, ohne dass ein eindeutiger sexueller Reiz vorhanden ist. Gerade bei jungen Männern genügt meist eine alltägliche Aufregung, ein Kuss ohne Hintergedanken oder eine mechanische Stimulation, beispielsweise die Reibung der Unterhose, damit der Penis steif wird.

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