Liestal BL - «Ich fühlte mich unwohl, erniedrigt, ausgeliefert»
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Liestal BL«Ich fühlte mich unwohl, erniedrigt, ausgeliefert»

Der Polizei-Einsatz bei einer unbewilligten Demo vom Mittwoch wirkt noch nach. Nach der Polizei melden sich nun auch die Besetzerinnen per Video-Botschaft zu Wort.

von
Patrick McEvily

In einer Videobotschaft melden sich am Samstag Mitglieder des Kollektivs «Gegen Verdrängung Liestal» zu Wort. Sie erheben nach wie vor Vorwürfe gegen die basellandschaftliche Polizei.

20Min/

Darum gehts

  • Am Mittwoch war es in Liestal rund um eine besetzte Liegenschaft zu einer unbewilligten Demo gekommen, bei der die Polizei einschritt.

  • In einer Videobotschaft kritisieren maskierte Hausbesetzerinnen das Vorgehen der Polizei und erklären, was sie zur Hausbesetzung bewegte.

  • Ihnen drohen rechtliche Konsequenzen.

Nachdem es bei einer Demo rund um eine Hausbesetzung in Liestal am Mittwoch zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstrierenden und der Kantonspolizei Basel-Landschaft gekommen war, wiederholen die Besetzerinnen in einer Videobotschaft ihre Vorwürfe gegen die Polizei. So hätten Beamte einige der festgehaltenen Demonstrierenden sexuell belästigt. Zudem erklären die Besetzerinnen ihre Motivation hinter der Besetzung. Mit dieser wollen sie gegen die Gentrifizierung in der Gemeinde kämpfen.

Am Freitag hatte sich bereits die Polizei zu Wort gemeldet und erklärt, sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Den Besetzerinnen drohte ein Sprecher der Kantonspolizei mit weiteren Konsequenzen, sollten diese ihre Vorwürfe nicht zurückziehen.

19-jährige Hausbesetzerin klagt Polizeigewahrsam an

Bei der Demo am Mittwoch waren zwölf Personen vorübergehend festgehalten worden - darunter auch fünf Hausbesetzerinnen. Mitglieder des Kollektivs «Gegen Verdrängung Liestal» wiederholen in ihrer Videobotschaft nun Vorwürfe, die sie bereits unter der Woche schriftlich gemacht hatten. Zur Besetzung sei es aufgrund der voranschreitenden Gentrifizierung in Liestal gekommen. Diese komme nur wenigen zugute erklärt eine der Hausbesetzerinnen im Video. «Ihr Profitinteresse heisst unsere Vertreibung.» Und: «Dieser Entwicklung werden wir nicht kampflos zusehen.» Die Sprecherinnen zeigen sich kämpferisch: «Die Besetzung war Ausdrucks unseres Widerstands.»

Eine der jungen Frauen im Video sagt, sie sei 19 Jahre alt. In der Gefängniszelle habe sie sich komplett entkleiden müssen und habe anschliessend für eine «gefühlt sehr lange Zeit» nackt in der Zelle stehen müssen. «Ich fühlte mich unwohl, erniedrigt, ausgeliefert und meiner persönlichen Würde beraubt.» Auf eine Anzeige wollten die Besetzerinnen verzichten, weil man in der Vergangenheit die Erfahrung gemacht habe, dass die Polizei ihr Verhalten nicht ändere.

Polizei-Einsatz sorgte für Kritik

An der unbewilligten Demo am Mittwochabend hatten rund 40 Personen teilgenommen. Als die Demonstrierenden vom Bahnhof Liestal in die Innenstadt ziehen wollten, schritten Beamte der Kantonspolizei Basel-Landschaft ein. Auf Bildern und Videos in den sozialen Medien war zu sehen, wie die Beamten eingriffen.

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Mit einem Grossaufgebot wurde am Mittwoch in Liestal eine unbewilligte Demonstration aufgelöst. Mit der Kundgebung wurde gegen die Räumung eines besetzten Hauses protestiert.

Mit einem Grossaufgebot wurde am Mittwoch in Liestal eine unbewilligte Demonstration aufgelöst. Mit der Kundgebung wurde gegen die Räumung eines besetzten Hauses protestiert.

Kollektiv gegen Verdrängung
Die Polizei Basel-Landschaft sperrte den Bahnhof Liestal grossräumig ab.

Die Polizei Basel-Landschaft sperrte den Bahnhof Liestal grossräumig ab.

20min/News-Scout
Auch der Bahnhofsverkehr war zeitweise unterbrochen.

Auch der Bahnhofsverkehr war zeitweise unterbrochen.

20min/News-Scout

Anlass für die Demo war der geplante Abriss der alten Sprengstofffabrik Cheddite an der Heidenlochstrasse. Ein Tag vor der Demo, am Dienstag, war das Ultimatum abgelaufen, das die Kantonspolizei Basel-Land den Besetzerinnen und Besetzern einer Liegenschaft in Liestal gegeben hatte.

Der Einsatz sorgte für Entsetzen bei einigen politischen Akteurinnen und Akteuren – nicht zuletzt, weil Liestal im März Schauplatz der bislang grössten Anti-Corona-Demo mit rund 8000 Teilnehmenden geworden war. Alt-Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer beschrieb den Polizeieinsatz vom Mittwoch auf Twitter als «absurd».

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