Aktualisiert 30.06.2009 15:00

Rote Khmer«Ich fühlte mich wie ein Tier»

Einer der wenigen Überlebenden des berüchtigten Rote-Khmer-Todeslagers S-21 hat als Zeuge die dort praktizierten brutalen Foltermethoden geschildert.

Zunächst wurde er demnach zwölf Tage lang verprügelt, dann mit Elektroschocks misshandelt, und schliesslich wurden ihm die Zehennägel ausgerissen, wie Chum Mey am Dienstag vor dem UN-gestützten Völkermordtribunal in Phnom Penh sagte. «Ich wurde Tag und Nacht verprügelt. Ich konnte kaum gehen», sagte der 79-Jährige schluchzend.

Falsches Geständnis abgelegt

Er weine jede Nacht, auch um seine Frau und ihr gemeinsames Baby, die von den Roten Khmer getötet worden seien, sagte Chum Mey. Er habe nur überlebt, weil er irgendwann ein falsches Geständnis abgelegt habe und seinen Folterknechten dann als Automechaniker nützlich gewesen sei. «Wenn ich gefoltert wurde, habe ich mich nicht mehr wie ein Mensch gefühlt. Ich fühlte mich wie ein Tier», sagte Chum Mey. Nur sieben Menschen überlebten das Lager S-21 in Phnom Penh nach bisherigem Kenntnisstand. Chum Mey ist einer von dreien, die heute, dreissig Jahre nach dem Ende des Terrors der Roten Khmer, noch am Leben sind.

Chum Mey sagte im Prozess gegen den Leiter von S-21 aus, den 66-jährigen Kaing Guek Eav, berüchtigt unter dem Namen Duch. Er ist das erste ranghohe Khmer-Mitglied, das vor dem UN-Tribunal steht und das einzige, das eine Verantwortung für seine Taten eingeräumt hat. Der Zeugenaussage am Dienstag folgte er äusserlich teilnahmslos. Auch den Ausführungen eines weiteren Überlebenden, Vann Nath, hörte er am Montag scheinbar ohne Interesse zu.

Während der Schreckensherrschaft der Roten Khmer von 1975 bis 1979 sind bis zu 16 000 Männer, Frauen und Kinder in das Folter- und Todeslager gebracht worden. Sie wurden unter Duchs Befehl gefoltert, um von ihnen vor der Hinrichtung Geständnisse zu erpressen. Unter der Schreckensherrschaft wurden 1,7 Millionen Menschen getötet oder starben an Überarbeitung, Hunger oder Krankheit.

Sopheng Cheang, Phnom Penh (AP)

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