Aktualisiert 11.01.2016 19:16

Penns Treffen mit El Chapo«Ich furzte und er tat so, als hätte er nichts gehört»

Hollywoodstar Sean Penn schreibt im «Rolling Stone»-Magazin über sein Interview mit dem meistgesuchten Mann der Welt. Der ellenlange Artikel enthält einige bizarre Details.

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Sean Penns Interview mit dem mächtigen mexikanischen Drogenboss Joaquín «El Chapo» Guzmán schlägt hohe Wellen. Immerhin hatte der Filmstar den flüchtigen Kriminellen im Geheimen getroffen. Wie das Treffen zustande kam und verlief, beschreibt Penn in einem sehr langen Artikel im «Rolling Stone»-Magazin.

Wie kam das Treffen mit El Chapo zustande?

Die zentrale Figur bei der Vermittlung des Treffens zwischen Guzmán und Penn ist die mexikanische Schauspielerin Kate del Castillo. Penn nutzte nach eigenen Angaben «das Vertrauen, das El Chapo in Kate hat». Am 2. Oktober flogen Penn und Castillo in den Dschungel, wo es zu einem sieben Stunden langen Treffen kam. «Uns wurden nicht einmal die Augen verbunden», so Penn.

Warum hat El Chapo Kate del Castillo vertraut?

Die 43-jährige Kate del Castillo dürfte die Aufmerksamkeit des Drogenbosses durch ihre Rolle in der TV-Serie «Die Königin des Südens» erregt haben. Darin spielt Del Castillo eine skrupellose Drogenbaronin. 2012 veröffentlichte sie auf Twitter einen Brief, in dem sie sich an El Chapo wendet. «Wäre es nicht toll, wenn Sie anfangen würden, Gutes zu tun? Wollen Sie Ihr Geld nicht lieber in die Medizin-Forschung stecken? Oder in Essen für Strassenkinder? Sie wären der Held aller Helden.» Del Castillo schrieb, sie glaube «mehr an El Chapo als der Regierung, die die Wahrheit versteckt».

Ihr Appell kam bei Guzmán an. Tage später schickte er ihr einen Blumenstrauss. Als er im Februar 2014 gefasst wurde, kontaktierten Mitglieder des Sinaloa-Kartells die Schauspielerin. Offenbar hatte der Drogenboss schon damals vor, seine Lebensgeschichte verfilmen zu lassen. Dieser Plan wurde ihm nach der Flucht im vergangenen Juli zum Verhängnis. Die Ermittler wussten, dass die Gehilfen des Drogenkönigs Produzenten und Schauspieler kontaktierten. Die Ermittler hörten Gespräche ab und überwachten die Treffen, bis Guzmán nahe der Ortschaft Los Mochis im Nordwesten Mexikos aufgespürt wurde.

«Die Macht eines Guzmán-Gesichts»

Penn ist fasziniert vom Sicherheitsapparat, der El Chapo beschützt. Bei einer Kontrolle durch Guzmáns Männer wird das Auto, in dem Penn mit Alfredo Guzmán — einem der Söhne des Drogenbarons — reist, angehalten. «Alfredo liess die Fensterscheibe runter und die Soldaten gingen einen Schritt zurück. Es war ihnen peinlich, sie winkten uns durch. Wow, das ist die Macht eines Guzmán-Gesichts.»

Drogenboss wäre gerne Investor

Im Gespräch erzählt Guzmán, er würde gerne mit seinem Vermögen von rund einer Milliarde Dollar in legale Geschäfte einsteigen. «Er würde gerne in Energie investieren, aber da sein Geld illegal ist, sind auch die Möglichkeiten zu investieren gering», schreibt Penn im «Rolling Stone».

El Chapo und die Drogen

Obwohl das Sinaloa-Kartell rund 80 Prozent des US-Drogenmarktes kontrolliert, konsumiert El Chapo keine Drogen. «Er hat in zwei Jahrzehnten keine Drogen probiert», so Penn.

Ein guter Mexikaner?

«Egal, welcher Schurkereien auch immer dieser Mann beschuldigt wird», schreibt Penn, «er ist ein bescheidener, ländlicher Mexikaner, dessen Wahrnehmung der Welt ein Fenster in das ausserordentliche Rätsel der kulturellen Unterschiede» biete.

Penns Furz

Die wohl schrägste Aussage des Interviews macht Penn selbst, als er zugibt, während des Gespächs mit El Chapo gefurzt zu haben. «In dem Moment lasse ich eine kleine Blähung gehen (sorry)», schreibt Penn. «Doch Guzmán tat so, als hätte er nichts gehört.»

El Chapo gibt ein Interview (Youtube/Dsegundo.com)

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