Aktualisiert 30.11.2018 09:05

Justiz ermittelt «Ich gab ihm das Auto, aber das Geld sah ich nie»

Ein 23-jähriger Solothurner soll mehrere Autos von Privatpersonen bezogen, diese aber nie bezahlt haben. Die Staatsanwaltschaft hat ein Verfahren eröffnet.

von
pal/sul
1 / 3
Das Geld für ihren weissen VW Golf hat M.L. von G. nie erhalten. Stattdessen hat dieser das Auto weiterverkauft.

Das Geld für ihren weissen VW Golf hat M.L. von G. nie erhalten. Stattdessen hat dieser das Auto weiterverkauft.

M.L.
Auch den Wagen von J.B. hat G. nicht bezahlt.

Auch den Wagen von J.B. hat G. nicht bezahlt.

J.B.
Bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn ist G. bekannt: «Wir können bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang eine Strafuntersuchung wegen Betrug eröffnet hat», sagt Sprecherin Cony Zubler auf Anfrage.

Bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn ist G. bekannt: «Wir können bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang eine Strafuntersuchung wegen Betrug eröffnet hat», sagt Sprecherin Cony Zubler auf Anfrage.

SRF

M.L.* (30) ist noch immer wütend. Im letzten Januar inserierte sie im Internet ihren weissen VW Golf. Bald darauf meldete sich ein junger Solothurner als Interessent: G.G.* (23). Die beiden trafen sich, schlossen einen Kaufvertrag ab und L. übergab G. den Schlüssel. «Er erklärte mir, er könne das Geld erst bis Ende Monat überweisen, da er kürzlich Geld von seinem Grossvater geerbt habe und sein Vater dieses verwalte», erzählt L. Der Verkaufspreis betrug rund 23'000 Franken.

Wochen später war das Geld noch immer nicht auf dem Konto. «Als ich ihn kontaktierte, wurde ich immer wieder vertröstet», sagt L. So habe sich G. damit herausgeredet, dass sein Vater kompliziert sei und nicht verstehe, wieso er das Geld brauche. Auch habe G. sie auf die Mitleidstour zu beschwichtigen versucht: «Er zeigte mir Fotos von seinen Kindern und sagte, er stecke in Schwierigkeiten und habe viele Probleme.» Schliesslich hatte L. genug: Sie erstattete Anzeige bei der Polizei. Auf Facebook warnt sie vor dem Gauner.

Schulden von 380'000 Franken

Seine Masche wendet G. offenbar seit Längerem an: 2016 haute er J.B.* (25) übers Ohr. Die beiden waren gemäss B.s Angaben damals befreundet. «Ich gab ihm das Auto, aber das Geld sah ich nie», sagt B. 3000 Franken hätte G. der jungen Frau überweisen sollen. Auf dem Betreibungsamt verlangte sie eine Betreibungsauskunft. «Dort sagte man mir, G. habe über 100'000 Franken Schulden», sagt B. Seither ist der Schuldenberg massiv angewachsen: Wie ein Betreibungsauszug, der 20 Minuten vorliegt, zeigt, lag die Forderungssumme im Januar 2018 insgesamt bei rund 380'000 Franken.

Laut M.L. soll G. mindestens sieben Personen mit der Auto-Masche geprellt haben. Auf Facebook beschweren sich zudem Inhaber von Fitnesscentern, G. habe sein Abonnement bei ihnen nie bezahlt.

Bei der Staatsanwaltschaft des Kantons Solothurn ist G. bekannt: «Wir können bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft in diesem Zusammenhang eine Strafuntersuchung wegen Betrug eröffnet hat», sagt Sprecherin Cony Zubler auf Anfrage. Die entsprechenden Ermittlungen seien im Gang. Weitere Auskünfte seien aus Rücksicht auf die laufenden Abklärungen derzeit nicht möglich.

Keine guten Aussichten für Gläubiger

Laut Rechtsanwalt Marcel Kobel sollten Verkäufer von Occasionsautos zu Beweiszwecken einen schriftlichen Kaufvertrag abschliessen. «Zur Absicherung rate ich zudem, auf Vorauskasse oder zumindest auf ein Zug-um-Zug-Geschäft, also die Übergabe des Fahrzeugs gegen Geld, zu bestehen», sagt Kobel.

Doch was tun, wenn der Käufer vertragsbrüchig wird und den Wagen nicht zahlt? «Einerseits kann der Verkäufer die Betreibung gegen den Käufer einleiten und gegebenenfalls den Gerichtsweg beschreiten, um den Kaufpreis einzufordern», erklärt der Anwalt. Sofern der Kaufpreis aber nicht einbringlich sei, beispielsweise weil der Käufer mittellos ist, könne der Verkäufer ihn auch schriftlich mahnen und ihm eine Nachfrist zur Zahlung ansetzen. «Bezahlt der Käufer den Kaufpreis auch innert dieser Nachfrist nicht, kann der Verkäufer vom Kaufvertrag zurücktreten und das Auto herausverlangen», sagt Kobel.

Dass die Geschädigten im Fall G. auch nur einen Rappen sehen, ist praktisch unmöglich. «Bei einem mittellosen Schuldner bleibt der Gläubiger letztlich auf einem Verlustschein sitzen», sagt Kobel. Solange der Käufer das Fahrzeug noch nicht weiterverkauft habe, sei es für den Verkäufer deshalb häufig interessanter, vom Vertrag zurückzutreten und das Auto heraus zu verlangen.

Zumindest im Fall von M.L. ist das nicht möglich: Ihr Auto hat G. bereits weiterverkauft.

*Namen der Redaktion bekannt

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.