Aktualisiert 02.10.2012 13:03

Stillen bis fünf

«Ich gab meiner Brust einen anderen Namen»

Eine Mutter aus Zürich hat ihre Söhne vier bis fünf Jahre lang gestillt. Wie sie dabei den Unmut anderer Mütter auf sich zog und was ihr Partner dazu sagte, erzählt sie 20 Minuten Online.

von
cat
Stillen ist gesund für Babys. Immer mehr Mütter entscheiden sich aber dafür, sogar Kleinkindern die Brust zu geben. Bild: Colourbox

Stillen ist gesund für Babys. Immer mehr Mütter entscheiden sich aber dafür, sogar Kleinkindern die Brust zu geben. Bild: Colourbox

Sie haben extrem lange gestillt. Wie kam es dazu?

Sarah R.: Da die beiden von klein auf nie einen Schnuller oder einen Schoppen wollten, bot sich die Brust an. Ab dem ersten Geburtstag assen sie aber vom Tisch – sie bekamen die Brust nur noch morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Insbettgehen. Ich war ein wenig planlos was das Abstillen anbelangte, und manchmal fühlte ich mich unter Druck gesetzt, endlich abzustillen, weil es halt in unseren Breitengraden nicht der Norm entspricht. Irgendwann hatte ich aber definitiv genug und sagte das auch. Die Kinder akzeptierten das und auch für sie war es dann gut.

Wie hat Ihr Umfeld auf Ihr Langzeitstillen reagiert?

Meine Freunde waren vielleicht mal erstaunt, aber die meisten kannten schon eine Mutter, die auch länger als zwei Jahre stillte und so war es nicht so fremd für sie. Negativ hat sich mir gegenüber nie jemand geäussert, aber gewisse Gesichtsausdrücke sprechen Bände. Es gibt Frauen, die meinen, es sei Selbstbefriedigung, ein Kind solange zu stillen. Da frage ich mich, ob diese Damen je gestillt haben.

Fühlten Sie sich in der Öffentlichkeit diskriminiert?

Ich habe meine Kinder ab einem Jahr nicht mehr in der Öffentlichkeit gestillt, von daher kamen nicht so viele Reaktionen und ich gab meiner Brust einen anderen Namen, damit die Menschen nicht gleich wussten, wenn der Kleine nach der Brust schrie. Wenn ich es heute jemandem erzähle, reagieren die meisten eigentlich positiv.

Wie hat Ihr Partner diese Zeit empfunden?

Er hat mich immer wieder zum Stillen ermuntert. Für ihn war die Brust in dieser Zeit eher eine Nahrungsquelle und Nähequelle für Kleinkinder als etwas Sexuelles. Es hat ihm auch gefallen, wie zufrieden beide Kinder waren. Besonders am Anfang, wenn ein Baby frisch auf der Welt war und es nicht gleich mit dem Stillen klappen wollte, machte er mir immer wieder Mut, es weiter zu probieren.

Haben sie vor der Geburt der Kinder geplant, so lange zu stillen?

Nein, ich wollte zunächst nicht stillen, ich fand Schöppelen eigentlich auch ganz schön und habe mich nicht allzu sehr mit dem Stillen beschäftigt. Erst im Spital, als das Kind da war und es nicht so klappen wollte, begann ich mich mit dem Thema zu beschäftigen, aber nie im Leben hätte ich gedacht, dass ich so lange stillen würde. Dazu muss ich sagen, dass im Spital das Stillen sehr propagiert wird - manchmal etwas zu penetrant. Zu Beginn empfand ich das Stillen als sehr schwierig und anstrengend, aber mit der Zeit merkte ich, wie viel einfacher es war, als ständig Schoppen zu machen.

Hat das lange Stillen Ihre Beziehung zu den Kindern besonders geprägt?

Nein, ich habe zu allen dreien eine gute und herzliche Beziehung. Da ich ja nur zwei von drei langzeitgestillt habe, kann ich sagen, dass es keinen Unterschied gibt. Die Beziehung zu meinen Kindern ist eher von unseren Charakteren geprägt. Ich bin auch nicht der Meinung, dass man nur eine enge Beziehung zur Mutter hat, weil man gestillt wurde. Stellen sie sich mal vor, dann könnten ja andere gar nie eine enge Beziehung mit dem Kind aufbauen. Mein Mann hat auch eine sehr enge und gute Beziehung zu den Kindern, ohne sie je gestillt zu haben.

Langzeitstillerinnen wird mitunter unterstellt, dass sie egoistisch handeln und das Kind von der Mutter abhängig machen.

Nun, ein Kind ist sowieso abhängig von seinen Eltern, ob es gestillt wird oder den Schoppen kriegt, von daher kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Und was ist daran egoistisch? Im Gegenteil, man hat seinen Körper ja gar nie für sich, man kann in dieser Zeit weder Alkohol trinken noch rauchen und gibt sehr viel von sich selber her. Ein Kind, das nicht mehr gestillt werden möchte, kann man nicht dazu zwingen. Und Frauen, die nicht stillen, werden auch als egoistisch angeschaut. Kann man es überhaupt jemandem recht machen?

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