CO2-Ausstoss: «Ich gebe zu, dass ich einmal pro Jahr fliege»
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CO2-Ausstoss«Ich gebe zu, dass ich einmal pro Jahr fliege»

Der Staat müsse handeln, damit die Schweizer weniger fliegen, sagt eine Politikerin. Die Schweiz unternehme schon genug für die Umwelt, widerspricht ein anderer.

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jk/sul
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Die Schweizer sind Vielflieger, sie legen im Schnitt jährlich 9000 Kilometer in der Luft zurück.

Die Schweizer sind Vielflieger, sie legen im Schnitt jährlich 9000 Kilometer in der Luft zurück.

Keystone/Valentin Flauraud
Ein Flug mit dieser Strecke, etwa Zürich - Doha, verursacht einen CO2-Fussabdruck von 1700 Kilogramm pro Person. Wer auf die Malediven fliegt, ist für einen CO2-Emissionen von 2900 Kilogramm verantwortlich.

Ein Flug mit dieser Strecke, etwa Zürich - Doha, verursacht einen CO2-Fussabdruck von 1700 Kilogramm pro Person. Wer auf die Malediven fliegt, ist für einen CO2-Emissionen von 2900 Kilogramm verantwortlich.

Keystone/Steffen Schmidt
Ein durchschnittlicher Fleischesser verursacht einen Fussabdruck von 1837 Kilogramm CO2.

Ein durchschnittlicher Fleischesser verursacht einen Fussabdruck von 1837 Kilogramm CO2.

Keystone/Melanie Duchene

Frau Seiler Graf, was ist Ihre grösste Umwelt-Sünde?

Ich gebe ganz offen zu: Einmal pro Jahr fliege ich nach London, weil meine beste Freundin und mein Göttibub dort leben. Ich setze mich ja nicht für ein generelles Flugverbot ein, sondern dafür, dass wir bewusst und weniger fliegen. So sind auch Flugticket-Abgabe und Kerosinsteuer, die es bisher nur für Inlandflüge gibt, etwas, das dringend eingeführt werden sollte. Weiter bin ich Vegetarierin – wegen des CO2-Ausstosses bei der Fleischproduktion – und versuche, wann immer möglich den ÖV dem Familienauto vorzuziehen.

Priska Seiler Graf ist SP-Nationalrätin (Bild: Anthony Anex/Keystone)

Liegt die Verantwortung bei den einzelnen Bürgern oder ist der Staat dafür verantwortlich, dass wir uns umweltschonend verhalten?

Status quo ist, dass die Verantwortung beim Einzelnen liegt. Jedoch zeigt sich, dass die Freiwilligkeit nicht genügend greift. Deshalb befürworte ich ein Eingreifen des Staates. Dabei sollten nicht nur Verbote und Abgaben erlassen, sondern auch Anreize für alternatives umweltschonendes Verhalten geschaffen werden. So sollte man etwa die Nachtzüge europaweit fördern und das Netz ausbauen. Auch die Velowege sollten besser ausgebaut werden. Schliesslich sollte anhand von Kampagnen über den übermässigen Fleischkonsum informiert werden.

Wo liegt Ihrer Meinung nach umwelttechnisch das grösste Problem?

Eindeutig bei der Mobilität. Kerosin ist der einzige Treibstoff, der international nicht besteuert wird. Das müssen wir rasch ändern. Repräsentative Umfragen haben zudem gezeigt, dass über die Hälfte der Schweizer bereit wären, rund 50 Franken Flugticket-Abgabe zu bezahlen, sofern dieses Geld in inländische Klimaprojekte investiert würde. Die Verlockung, das Flugzeug zu nehmen, ist heute schlicht zu gross.

Herr Imark, Flugreisen schaden dem Klima enorm – und dennoch fliegen die Schweizer immer mehr. Müssen nicht endlich die Ticketpreise steigen, damit die Vielfliegerei eingedämmt werden kann?

Natürlich ist Fliegen schädlich für die Umwelt. Doch der Flugverkehr ist ein globales Problem, das auch nur global gelöst werden kann. Eine Insellösung lehne ich klar ab: Wenn wir in der Schweiz die Flugtickets verteuern, führt das zu einem einseitigen Wettbewerbsnachteil für die hiesigen Airlines und die gesamte Schweizer Wirtschaft. Internationale Abkommen wie das CO2-Kompensationssystem Corsia zeigen, dass die Flugbranche die Problematik erkannt hat und es in die richtige Richtung geht.

Christian Imark ist SVP-Nationalrat (Bild: Gaetan Bally/Keystone)

Auch Fleischkonsum oder Autofahren schaden dem Klima. Warum wehren Sie sich gegen staatliche Eingriffe wie CO2-Steuern?

Ich bin nicht prinzipiell gegen jede CO2-Steuer. Aber die jeweilige Massnahme muss sozial verträglich sein, will heissen: Die Leute müssen es sich leisten können. Und es darf nicht sein, dass Industrien deswegen ins Ausland abwandern. Es ist ja nicht so, dass die Schweiz nichts fürs Klima tut: In den letzten Jahren konnten wir den CO2-Ausstoss immerhin um einen Viertel reduzieren. Doch man muss realistisch sein: Die CO2-Problematik lässt sich nicht von heute auf morgen lösen. Wesentliche Fortschritte werden wir nur mit technischen Entwicklungen erzielen können. Übertriebene staatliche Regulierungen bringen nichts.

Was tun also, um die Umwelt zu schonen?

Jeder kann im Kleinen dafür sorgen, das Klima möglichst wenig zu belasten. Beim Kauf eines neuen Autos auf einen möglichst geringen CO2-Ausstoss schauen. Ich persönlich fahre viel Zug, was sich für einen Parlamentarier in Bern ja anbietet. In meinem neuen Haus habe ich eine Wärmepumpe installiert und auf eine gute Isolation geachtet. Aber man darf sich nichts vormachen: Solche Massnahmen sind letztlich nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

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