Aktualisiert 27.03.2020 06:07

Fragebogen zur Corona-Krise

«Den Alltag wird dann jeder wieder schätzen»

Heute mit Reto Suri (31), Stürmer HC Lugano und Silbermedaillengewinner mit der Nati an der Eishockey-WM 2013.

von
mal
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Raoul Petretta, Fussball:«Mir bricht es das Herz zu sehen, welch schwere Zeiten Italienerinnen und Italiener derzeit durchmachen.»

Raoul Petretta, Fussball:«Mir bricht es das Herz zu sehen, welch schwere Zeiten Italienerinnen und Italiener derzeit durchmachen.»

epa/Katia Christodoulou
Stefanie Vögele, Tennis:«Ich habe im Januar am Flughafen in Hongkong zum ersten Mal etwas über das Virus gelesen. Ich hätte aber niemals gedacht, dass es so schnell zu uns kommt und zwei Monate später alles lahmlegt.»

Stefanie Vögele, Tennis:«Ich habe im Januar am Flughafen in Hongkong zum ersten Mal etwas über das Virus gelesen. Ich hätte aber niemals gedacht, dass es so schnell zu uns kommt und zwei Monate später alles lahmlegt.»

FreshFocus/urs Lindt
Thomas Bickel, Fussball:«Zurzeit lassen sich Dinge tun, für die man sich sonst keine oder wenig Zeit genommen hat, wie zum Beispiel Kochen oder Lesen.»

Thomas Bickel, Fussball:«Zurzeit lassen sich Dinge tun, für die man sich sonst keine oder wenig Zeit genommen hat, wie zum Beispiel Kochen oder Lesen.»

Keystone/Ennio Leanza

Wie sehr macht Ihnen das Coronavirus Angst?

Angst empfinde ich als einen schlechten Ratgeber, denn mit Angst zieht man etwas erst recht an. Aber ich habe viel Respekt. Wir im Tessin erleben das jetzt schon länger, wir leben an einem Hotspot des Virus. Deshalb respektiere ich die Schutzmassnahmen, um auf diese Weise die Leute zu schützen.

Welchen Einfluss hat die aktuelle Lage auf Ihren Alltag?

Dadurch, dass im Eishockey die Saison abgebrochen wurde und meine Frau einen Bürojob hat, bin ich zum Vollzeitpapi geworden. Und das ist irgendwie auch eine schöne Seite. Mit der Einschränkung, dass wir halt nicht gross rauskönnen und immer zu Hause sind.

Halten Sie sich an die bundesrätlichen Verordnungen?

Absolut, das ist das oberste Gebot. Wir als Sportler haben ohnehin eine Vorbildfunktion. Zumeist im Sport, jetzt durch diese Situation. Und diese wahrzunehmen, ist noch viel wichtiger.

Wie trainieren Sie derzeit?

Da unsere Saison seit zwei Wochen zu Ende ist, im Moment sehr reduziert. Es steht nun eine Phase der Erholung und der Ferien an, deshalb bin ich derzeit nur regenerativ am Trainieren. Mal auf dem Rad oder sonst mit Joggen. Aber natürlich allein, denn nur so ist es derzeit verantwortbar.

Für welche Tätigkeiten gehen Sie noch aus dem Haus?

Eigentlich nur noch zum Einkaufen. Wir haben nun auch angefangen, Wochenpläne zu machen, sodass wir nur noch einmal pro Woche rausmüssen und für diese Zeit genügend Lebensmittel haben. Und daneben gibt es vielleicht mal noch einen kurzen Spaziergang und meine regenerativen Einheiten.

Wie verbringen Sie in diesen Tagen Ihre Freizeit?

Die Tage sind geprägt durch meine Tochter, sie hat immer eine Idee. So viel Freizeit bleibt dann nicht mehr. Aber sicher ist nun auch der ideale Moment, zu Hause Sachen abzuarbeiten, für die man sonst nicht so Zeit hat oder Spiele zu spielen und zwischendurch im Fernsehen Serien oder einen Film zu schauen. Es ist nicht so, dass ich mir die Zeit totschlagen müsste.

Welche Corona-Challenge haben Sie bereits ausprobiert?

Eigentlich keine. Auf Social-Media bin ich persönlich nicht sehr aktiv. Aber der HC Lugano verbreitet regelmässig Videos, beispielsweise von unseren Fitnesseinheiten zu Hause, sodass wir unseren Fans auch in diesen Zeiten etwas liefern können. Und das finde ich eine gute Sache.

Was fehlt Ihnen derzeit am meisten?

Sicherlich das Eishockey und der Sport generell. Aber durch diese Ausnahmesituation bin ich in einem Prozess drin, in dem ich gar nicht gross darüber nachdenke. Der Sport steht derzeit an zweiter Stelle, denn es ist ja ohnehin alles geschlossen und bringt daher nichts, sich Gedanken zu machen. Jetzt geht die Gesundheit der Leute vor.

Haben Sie wegen der Corona-Krise Existenzängste?

Nein, das nicht. Durch den Beruf Eishockeyspieler bin ich privilegiert, sodass ich in der kurzen Zeit meiner Karriere etwas auf die Seite schaufeln kann, wenn ich mich clever anstelle. Aber es gibt zweifellos viele Leute, die nicht so privilegiert sind, und deshalb ist es wichtig, dass sie rasch wieder arbeiten können und man sich darum an die Massnahmen hält.

Wie schöpfen Sie in solchen Zeiten Zuversicht?

Dadurch, dass nun auch der Hinterste und Letzte sieht, was wirklich wichtig ist im Leben. Wenn wir das überstanden haben, werden wir da gestärkt rausgehen. Jeder wird wieder schätzen, was er im Alltag tun kann. Man wird kleine Dinge wie einen Handschlag oder eine Umarmung wieder schätzen.

Worauf freuen Sie sich am meisten, wenn die Verbote aufgehoben werden?

Auf die Zeit draussen, privat und als Sportler. Und darauf, wieder Freunde zu treffen und soziale Kontakte pflegen zu können.

Welche Botschaft haben Sie an Ihre Fans?

Bitte befolgt die Massnahmen des Bundesrates! Seid bereit, für die Bevölkerung nun mal zwei Schritte zurückzustehen, damit wir das Virus so rasch wie möglich besiegen und aus dieser Phase rauskommen.

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