Aktualisiert 27.08.2012 18:27

Ludovic Magnin«Ich glaube an das Schicksal»

«Ich habe fertig.» Mit den Worten seines ehemaligen Kulttrainer Giovanni Trapattoni verabschiedet sich Ludovic Magnin nach 15 Jahren aus dem Profi-Fussball – weil er seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr gerecht wurde.

von
Eva Tedesco

Der 62-fache Schweizer Internationale Ludovic Magnin erklärt nach 15 Jahren im Profi-Fussball seinen Rücktritt. (Video: 20 Minuten Online)

Noch einmal stellte sich Ludovic Magning, der 62-fache Internationale den Medien. Noch einmal gab er den Journalisten mit seiner charismatischen und positiven Art Auskunft: Schlagfertig und immer mit einer Prise Humor. Aber die Wehmut war dem abtretenden zweifachen Deutschen Meister (Bremen und Stuttgart) dennoch anzusehen.

Ludovic Magnin, wieso der Rücktritt so kurz nach dem Saisonstart?

Ich habe seit Wochen darüber nachgedacht und viele Gespräche geführt, im Klub, mit Freunden und meiner Familie und auch mit ehemaligen Trainern, die mir heute noch viel bedeuten. Es gab viele Gründe. Ich musste der Realität ins Auge schauen und zugeben, dass ich die Ansprüche an mich selbst nicht mehr erfüllen konnte. Ich habe in Luzern eine Partie bestritten und es ging nicht schlecht. Danach aber habe ich wieder zwei Spiele wegen einer Verletzung aussetzten müssen. Da wurde mir bewusst, dass ich die Leistung nicht mehr abrufen kann, die ich mir vorstelle. Ich bin kein Mitläufer. Wenn du der Mannschaft nicht helfen kannst, dann musst du über die Bücher gehen.

Und das haben Sie im Sommer noch nicht gewusst?

Da habe ich keinen Gedanken daran verschwendet. Als der FCZ Echallens im Cup zugelost bekam, habe ich das als Zeichen genommen. Wenn man nach 15 Jahren im Profifussball die Möglichkeit hat den Kreis so zu schliessen – mit einem Abschiedsspiel im Heimatdorf, wo man zehn Jahre als Junior verbracht hat – dann kann man das Wink des Schicksals bezeichnen. Und ich glaube an das Schicksal. Ich bin mir sicher, dass wird der emotionalste Moment in meiner Karriere. Ich bin dreimal die Woche als Junior mit dem Velo den Berg zum Trainingsplatz hochgefahren und jetzt mache ich die letzten Meter mit dem FCZ im Mannschaftsbus – das ist toll.

Und es waren nicht doch etwa die zuletzt sehr kritischen Stimmen seitens der Medien, die Sie zur Aufgabe gezwungen haben?

Es wurde fast jede zweite Woche geschrieben wie schlecht ich bin. Sowas spielt für mich nach so vielen Jahren keine Rolle mehr. Ich musste nichts beweisen. Niemandem, nur noch mir. Und wie gesagt: Ich habe die Ansprüche, die ich an mich stelle, nicht mehr erfüllt. Der Körper hat nicht mehr mitgespielt.

Die Zeit beim FCZ war nicht ihre glücklichste. Dennoch: Wie schwer fällt Ihnen der Rücktritt?

Es tut weh, klar. Aber ich freue mich auch auf einen neuen Lebensabschnitt. Die wunderbare Zeit, die mir der Fussball gegeben hat, die tollen Erlebnisse und Menschen, die ich kennenlernen durfte, werde ich nie vergessen und wohl erst jetzt so richtig nachvollziehen können. Ich war immer überzeugt von meinem Transfer zum FCZ. Ich wollte zurück in die Schweiz und ich wollte dem FCZ helfen. Ich habe mein Ziel nicht erreicht, aber ich habe in dieser Zeit auch viel gelernt. Der Unterschied zum Ausland ist der, das du dort im Kader zwanzig Nationalspieler hast und der Druck auf viele Schultern verteilt ist. Beim FCZ lag der Druck auf meinen Schultern. Aber wie gesagt: Es war unglücklich wie es gelaufen ist, aber ich nehme das Positive mit.

Wenn Sie auf Ihre lange und grossartige Karriere zurück blicken, welche Highlights werden Ihnen immer in Erinnerung bleiben?

Die Titel! Nicht die Spiele, aber die Feiern. Das sind die Momente in denen du weisst, warum du Fussball spielst und hart an dir arbeitest. Die Fahrt mit Marco Streller im offenen Cabrio vom Stadion in die Innenstadt, nachdem wir mit Stuttgart 2007 die Schale geholt haben, werde ich nie in meinem Leben vergessen. Und natürlich meine Zeit in der Nationalmannschaft. Davon habe ich als Bub geträumt und plötzlich stand ich mit Spielern wie Chappi (Stéphane Chapuisat, Anmerk. d. Red.) auf dem Platz. Das war für mich immer etwas sehr Spezielles und ist es heute noch. Wann immer möglich, werde ich mir die Spiele der Nati anschauen. Ich habe Köbi Kuhn sehr viel zu verdanken und werde ihn immer in meinem Herz behalten.

Sie bleiben dem Fussball erhalten und in Zukunft FCZ-Junioren trainieren. Hat Ihnen diese Lösung die Entscheidung erleichtert?

Sicher. Ich hatte sehr gute Gespräche mit den Verantwortlichen und wir haben eine gute und faire Lösung gefunden. Jetzt müssen wir noch letzte Details besprechen, aber ich bin für diese Chance dankbar. Ich kann meine Trainer-Diplome machen und meine Erfahrungen an die Jungen weiter geben. Ich arbeite sehr gerne mit Kindern und hoffe, das ich sie vielleicht besser machen kann, als wir es gewesen sind (lacht).

Spielen Sie mit dem Gedanken vielleicht auch einmal eine Profi-Mannschaft zu übernehmen?

Das kann ich jetzt nicht sagen. Vielleicht schon. Aber ich weiss noch nicht, wie es in diesem Job ist. Ich will erst einmal schauen wie das so läuft und lernen. Mal schauen. Aber wer weiss, vielleicht muss ich dann schon bald wieder Auskunft geben und mich mit euch Journalisten herumschlagen (zwinkert und wendet sich der nächsten TV-Kamera zu.)

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