Aktualisiert 20.08.2013 22:58

FCB-Trainer Yakin«Ich glaube, dass ich alles gut im Griff habe»

Murat Yakin steht vor den bedeutendsten Partien in seiner Trainer-Karriere. Es geht um den Einzug in die Königsklasse, doch die letzten Tage waren unruhig für den FCB-Coach.

von
Eva Tedesco
Sofia

Der FCB startet am Mittwoch in Sofia mit dem Hinspiel in die Playoffs zur Champion League. Trainer Murat Yakin über die Vorgaben und den Gegner Ludogorez Rasgrad. (Video: 20 Minuten)

In den Playoffs zur Champions League geht es für den FCB um rund 20 Millionen Franken. Aber der FCB hat turbulente Tage hinter sich. 20 Minuten sprach mit dem FCB-Trainer nach der Landung am Dienstag in Sofia.

Murat Yakin, wie viel Energie saugen Ihnen die Nebengeräusche wie die Raser-Fahrt von Raúl Bobadilla oder das Hin und Her um Aleksandar Dragovic ab?

Murat Yakin: Bei einem Verein in der Grössenordnung des FCB gehören solche Nebengeräusche dazu. Das weiss man als Trainer, wenn man so einen Job übernimmt. Als FCB-Trainer trägt man die Verantwortung in jeder Hinsicht. Man muss mutige Entscheide fällen können, sonst müsste ich woanders hingehen. Aber ich glaube, dass ich das alles gut im Griff habe.

Die Raser-Fahrt und die Casino-Besuche von Bobadilla wurden Ihnen als Niederlage angekreidet, weil der Argentinier auf Ihren Wunsch nach Basel kam. Empfinden Sie es als Ihre Niederlage?

Wenn das die einzige Niederlage neben dem Fussballplatz ist, dann kann ich das verkraften. Bobadilla zum FCB zu holen, war eine Entscheidung von uns allen. Aber ich halte gerne meinen Kopf hin, wenn es sein muss. Damit habe ich keine Mühe. Man hat im letzten Herbst gesehen, dass er der beste Stürmer in der Schweiz war und er wurde von jeder Seite als Königstransfer betitelt. Ich glaube, dass es absolut richtig war, dass man so einen Spieler nicht einfach ins Ausland ziehen lässt, sondern versucht zum FCB zu holen.

Der schwierige Charakter Bobadillas war aber hinlänglich bekannt. Verzichtet man dann nicht besser auf einen starken Spieler zugunsten weniger zwischenmenschlicher Probleme?

Das ist etwas, das man sicher berücksichtigen muss. Wenn man eine Mannschaft zusammenstellt, schaut man auch immer auf den Charakter, aber bei einem Stürmer entscheidet auch einmal das Spezielle. Man darf nicht vergessen, dass Raúl lange gesperrt und danach verletzt war und nicht mit der Mannschaft wachsen konnte. Da hat es ihm an Geduld gefehlt und an Ruhe, um das zu akzeptieren. Das hat ihn extrem belastet und er konnte sich nicht mehr davon erholen. Aber lassen wir das. Das ist nun vorbei.

Seit Anfang August sind Sie aber am Nachbessern des Kaders. Hat man im Sommer falsch geplant?

Nachbessern?

Nach langem Hin und Her kam Ivan Ivanov für Dragovic, Giovanni Sio für Bobadilla, Kwang Ryok Pak wurde erst zu Vaduz ausgeliehen und nun doch wieder zurückgeholt. Das sind so keine geplanten Transfers gewesen.

Solange das Transferfenster noch offen ist, müssen wir auf alles gefasst sein. Und wir sind gefasst.

Was war die schwierigste Veränderung mit der Sie klarkommen mussten?

Den Abgang von Dragovic zu kompensieren. An der Defensive müssen wir auch noch weiter arbeiten und Korrekturen abbringen. Da sind wir noch nicht so weit, wie ich es gerne hätte. Aber in der Offensive sind wir extrem variantenreich, von den Spielertypen her, vom System her. Mit den bisherigen Spielen, die wir gezeigt haben, bin ich zufrieden - bis auf die Partie gegen den FC Zürich.

Von einer guten Startphase kann man bei sieben Punkten Rückstand auf YB nach fünf Runden nicht gerade sprechen.

Ich will nicht sagen, dass wir eine schlechte Startphase gehabt haben. Wir sind – mit allen Hürden, die wir bewältigen mussten – im Fahrplan. Wir sind im Cup noch dabei und auch in den Playoffs zur Champions League. In der Meisterschaft sind wir punktemässig halt zurück, aber spielerisch überlegen.

Wie weit ist die Mannschaft von dem Punkt entfernt, denn Sie sich spielerisch vorstellen?

Defensiv sind wir noch nicht sattelfest. Da braucht es – mit den neuen Leuten - noch Zeit und das geht nicht von heute auf morgen.

Aber am Mittwoch steht das erste von zwei sehr bedeutenden Spielen an?

Es braucht zwei Klassespiele von uns und es wird sicher nicht einfach gegen den bulgarischen Meister, schliesslich hat er Partizan Belgrad eliminiert, aber wir haben unsere Chance und wollen diese nützen. Die Spieler haben mit der Nationalmannschaft, aber auch letztes Jahr in der Europa League, internationale Erfahrung sammeln können. Für Mittwoch gilt, dass wir in der Abwehr eine gewisse Stabilität hinkriegen und ein Tor erzielen müssen.

Was würde Ihnen persönlich der Einzug in die Champions League bedeuten?

Als Spieler durfte ich das ein paar Mal erleben. Als Trainer wäre es nun für mich das erste Mal. Wir haben in der letzten Saison in der Europa League das Maximum herausgeholt und werden nun alles daran setzen, nun die Qualifikation für die Champions League zu schaffen – auch ich als Trainer. Ich würde mich sehr darüber freuen.

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