Hochstapler-Syndrom: Life Coach erklärt, was gegen das Impostor Syndrom hilft

Impostor-Syndrom: Unser Life Coach erklärt, wie man das Hochstapler-Syndrom überwinden kann.

Impostor-Syndrom: Unser Life Coach erklärt, wie man das Hochstapler-Syndrom überwinden kann.

Ralph Rabago / Pexels
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Lea (23) fragt den Life Coach«Ich glaube nicht an mich und meine Fähigkeiten – was hilft?»

Lea fühlt sich als Hochstaplerin und hat ständig das Gefühl, dass man ihr irgendwann auf die Schliche kommt. Life Coach Sandra Lutz erklärt das Impostor-Syndrom und gibt Tipps für Betroffene. 

von
Geraldine Bidermann

«Liebe Sandra, ich habe seit ein paar Jahren eine neue Leidenschaft für die Fotografie entdeckt. Nun werde ich von meinen Freunden und Bekannten öfters angefragt, ob ich ein paar gute Fotos von ihnen oder ihrem Haustier machen könnte. Ich fühle mich einerseits geehrt, gleichzeitig habe ich grosse Zweifel, ob ich den Erwartungen überhaupt gerecht werden kann – denn es ist ja bloss mein Hobby. Eigentlich weiss ich, dass ich gut bin, und ich verlange auch kein Geld, denn es macht mir einfach Spass. Aber sobald ich das Ergebnis abliefern soll, glaube ich, dass alle erfahren werden, dass ich in Wirklichkeit überhaupt nicht fotografieren kann. Was kann ich gegen dieses Gefühl tun?» – Lea (23) 

Antwort von Life Coach Sandra Lutz:

Liebe Lea

«Ich bilde mir nur ein, dass ich das kann.» «Bei dieser Arbeit hatte ich nur Glück.» «Ich gehöre nicht in diesen Kreis von intelligenten Menschen.» «Ich bin eine Betrügerin, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis meine Freunde und Bekannten dies herausfinden.» Kommen dir diese Sätze bekannt vor?

Hochstapler-Syndrom oder Impostor-Syndrom

Unter dem Impostor-Syndrom versteht man ein psychologisches Phänomen, bei dem sich Leute fühlen, als wären sie Hochstapler – es aber nicht sind.

Es handelt sich dabei um ein falsches und manchmal lähmendes Gefühl, dass der eigene Erfolg das Ergebnis von Glück, Zufall oder Betrug ist und nicht von den eigenen Fähigkeiten abhängig ist. Sowohl Frauen als auch Männer leiden darunter. 

Das Hochstapler-Syndrom ist keine Diagnose, sondern ein Denkmuster

Menschen, die an diesem Syndrom leiden, fühlen sich oft wie Betrügerinnen oder Betrüger – obwohl sie überaus kluge, qualifizierte und fähige Menschen sind, die eigentlich jede Anerkennung und jedes Lob verdienen, welche ihnen auch gegeben werden. Aber anstatt ihre Erfolge zu feiern oder Komplimente dankend anzunehmen, machen sie sich Sorgen, dass sie die Leute dazu verleitet haben zu denken, dass sie gut genug für bestimmte Aufgaben wären. Infolgedessen haben sie immer Angst, «entdeckt» oder «entlarvt» zu werden. 

Zweifelst du auch oft an dir und deinen Fähigkeiten?

Das Überwinden des Impostor-Syndroms beginnt damit, dass du dir deines Potenzials bewusst wirst und Verantwortung für deine Leistung übernimmst. Mit diesen vier Tipps transformierst du dein Denken und wirst selbstbewusster: 

1. Achte auf deine Sprachwahl

Beobachte genau, wie du über dich und deine Arbeit sprichst oder denkst. Versuche das nächste Mal, wenn du ein Kompliment oder Lob erhältst, es dankend anzunehmen, und überlege dir möglichst sachlich, wie es dazu gekommen ist. Was für Schritte hast du unternommen, dass du erfolgreich warst? 

Welche Worte benutzt du, wenn du über dich, deine Arbeit, deine Beziehungen und deine Erfolge sprichst?

Welche Worte benutzt du, wenn du über dich, deine Arbeit, deine Beziehungen und deine Erfolge sprichst?

Giphy

2. Trenne Gefühle von Fakten

Erkenne, dass deine Gedanken nicht unbedingt wahr sind. Wenn dein Verstand dir sagt: «Ich habe doch gar keine Ahnung, wovon ich hier spreche», dann erinnere dich daran, dass du mehr weisst, als du denkst, und dass du durchaus fähig bist.

Glaube an dich – und nicht an deine Gedanken, die dir anderes einreden wollen. 

Glaube an dich – und nicht an deine Gedanken, die dir anderes einreden wollen. 

Pexels / Mikael Blomkvist

3. Schreib deine Leistungen und Erfolge auf

In Momenten, in denen du dich unsicher fühlst und an dir zweifelst, kann es hilfreich sein, eine konkrete Erinnerung an deine Erfolge zur Hand zu haben. Zum Beispiel: Wenn deine Vorgesetzten dich in einem E-Mail loben, in welchem deine hervorragende Arbeit an einem Projekt anerkannt wird, speichere diese Zeilen. So kannst du jederzeit einen Beweis aufrufen, der dich daran erinnert, dass du und deine Arbeit wertvoll sind.

Lege dir lobende E-Mails ab und notiere Lob, das du erhalten hast. 

Lege dir lobende E-Mails ab und notiere Lob, das du erhalten hast. 

Pexels / Ekaterina Polotsova

4. Vergleiche dich nicht

Konzentriere dich darauf, deine eigenen Leistungen zu messen, anstatt sie mit denen anderer zu vergleichen. Wenn du dich vergleichst, dann vergleiche dich mit einer jüngeren und unerfahrenen Version von dir selbst. Denke daran, dass kluge, fleissige Menschen am häufigsten mit dem Impostor-Syndrom zu kämpfen haben. Die Tatsache, dass du es in dir selbst erkennst, sagt also einiges über dich aus. 

Es gibt dich genau ein einziges Mal: Sei stolz auf deine Einzigartigkeit und pflege sie. Und vergiss nicht: Auch dein Umfeld ist oft unsicher, auch wenn du es den Menschen nicht immer anmerkst. Fokussiere dich auf deine Ziele und Träume – du schaffst das!

Es gibt dich genau ein einziges Mal: Sei stolz auf deine Einzigartigkeit und pflege sie. Und vergiss nicht: Auch dein Umfeld ist oft unsicher, auch wenn du es den Menschen nicht immer anmerkst. Fokussiere dich auf deine Ziele und Träume – du schaffst das!

Pexels / Anastasia Shuraeva

Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und mehr Fokus und Anerkennung deiner Stärken!

Herzlichst
Sandra

Über Sandra Lutz

Als Tochter einer Japanerin und eines Schweizers ist Sandra Lutz früh mit verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen. ​Als professionelle Balletttänzerin hat sie die ganze Welt bereist, bevor sie sich in Zürich als zertifizierter Life und Leadership Coach mit eigener Praxis niederliess.

Stell Life Coach Sandra deine persönliche Frage

Hast du auch eine Frage an Sandra Lutz? Sei es zum Aufbau von Selbstbewusstsein, Weiterkommen im Beruf oder Vertiefen von Beziehungen? Fülle das unten stehende Formular aus. Wir freuen uns!

Hast du oder hat jemand, den du kennst, eine psychische Erkrankung?

Hier findest du Hilfe:

Pro Mente Sana, Tel. 0848 800 858

Kinderseele Schweiz, Beratung für psychisch belastete Eltern und ihre Angehörigen

Verein Postpartale Depression, Tel. 044 720 25 55

Angehörige.ch, Beratung und Anlaufstellen

VASK, regionale Vereine für Angehörige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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