Aktualisiert 12.02.2012 17:08

Erdbeben in der Schweiz

«Ich glaubte, dass ein Auto in mein Haus fuhr»

Um 23.45 Uhr hat in weiten Teilen des Landes die Erde gezittert. Das Beben mit dem Epizentrum bei Zug hatte eine Stärke von 4,2. Leser-Reporter berichten von geringen Schäden.

von
Ralf Meile

Die Schweiz ist am späten Samstagabend von einem Erdbeben der Stärke 4,2 auf der Richterskala erschüttert worden. Nach Angaben des Schweizerischen Erdbebendienstes der ETH Zürich ereignete sich das Beben um 23.45 Uhr zwischen Zug und Unterägeri. Dies hat die manuelle Nachmessung ergeben, wie der Erdbebendienst auf Anfrage von 20 Minuten Online sagt. Die erste Messung ergab noch ein Epizentrum unter dem Albis zwischen dem Zuger- und dem Zürichsee.

Erdbeben dieser Stärke können in der Schweiz überall auftreten, nicht nur in den besonders erdgebengefährdeten Gebieten wie Basel oder Wallis, sagt Florian Haslinger vom Erdbebendienst. Das passiere durchschnittlich ein- bis zweimal pro Jahr. Das letzte Beben in dieser Grössenordnung liegt allerdings schon etwas länger zurück. Es ereignete sich im Januar 2009 im Toggenburg. Wie Haslinger sagt, ist die Tiefe von 32 Kilometern aussergewöhnlich. Normalerweise liegt das Epizentrum näher an der Erdoberfläche. In der selben Gegend hat sich bereits im Oktober 1997 ein ähnlich tiefes Erdbeben ereignet. Es war mit Magnitude 3,2 allerdings etwas weniger stark.

Gegen Hundert Leser-Reporter

Das Beben dürfte fast in der ganzen Schweiz zu spüren gewesen sein. Besorgte Einwohnerinnen und Einwohner riefen die Polizei an. Wie Martin Sorg, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, zur Nachrichtenagentur SDA sagte, wurden zwischen 350 und 380 Telefonanrufe registriert. «Die Leute wollten wissen, was passiert war.» Schäden wurden aber keine gemeldet. Gegen hundert Leser-Reporter vor allem aus der Deutschschweiz meldeten sich innert kürzester Zeit bei 20 Minuten Online.

Am heftigsten war das Beben in der Nähe des Epizentrums im Raum Innerschweiz/Zürichsee zu spüren. «Wir zittern immer noch», meldet eine Leser-Reporterin aus Oberägeri. Die Wohnung habe sich bewegt und man habe ein Geräusch wie bei einer Explosion gehört.

Diesen Knall bemerkten viele Leser-Reporter fast noch mehr als das Beben selber. Andrea aus Wollerau schreibt 20 Minuten Online: «So etwas habe ich noch nie gehört. Es hat getönt, als ob etwas Riesiges auf unser Haus gefallen wäre.» Und Stefan aus Cham ergänzt: «Es hat tatsächlich extrem stark gerumst und kurz gerüttelt. Als wenn 10 Tonnen Beton vor dem Haus auf die Strasse donnern würden.»

Fast überall im Land

Das Erdbeben war aber auch in vielen anderen Teilen der Schweiz deutlich zu spüren. Mario aus Visp beschreibt, dass er um 23.45 Uhr auf dem Bett gesessen sei und Musik gehört habe. «Ich spürte, wie das Bett stark zu zittern begann und ich sah, wie sich der Kleiderschrank leicht bewegte.»

Barbara aus Turgi AG bekam es «ein bisschen mit der Angst zu tun.» Sie habe im Ausland Erfahrungen mit Erdbeben gemacht und sorge sich vor Nachbeben. Und in Zürich-Schwamendingen bewegte sich einerseits das Sofa von Leser-Reporterin Sonja, andererseits ihre Katze: «Sie lief rückwärts und starrte aus dem Fenster hinaus ;-)»

Vermutlich bloss kleine Schäden

Mit Schäden ist laut dem Erdbebendienst bei einem Beben in dieser Tiefe nicht zu rechnen. Vereinzelt melden Leser-Reporter kleinere Risse in Decken oder dass sich Schränke etwas verschoben haben.

(Mitarbeit: mdr)

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