22.06.2020 19:14

Online-Abzocke

«Ich habe 1880 Franken an Airbnb-Betrüger verloren»

Jamina Wey (18) ist bei der Wohnungssuche auf ein gefälschtes Immobilien-Inserat reingefallen. Obwohl die Masche nicht neu sei, passiere vielen das Gleiche, sagt Chantal Billaud von der Kriminalprävention.

von
Daniel Krähenbühl
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Das Inserat ist Jamina Wey gleich aufgefallen: Eine 1,5-Zimmer-Wohnung für 570 Franken mitten in Winterthur. «Damit wäre sie für mich als Studentin genau im Budget gelegen.»

Das Inserat ist Jamina Wey gleich aufgefallen: Eine 1,5-Zimmer-Wohnung für 570 Franken mitten in Winterthur. «Damit wäre sie für mich als Studentin genau im Budget gelegen.»

privat
Die Frau, die das Inserat ausgeschrieben hatte, habe ihr gesagt, dass sie die Wohnung für ihre Tochter gekauft hatte, die selbst einst in Winterthur studierte.

Die Frau, die das Inserat ausgeschrieben hatte, habe ihr gesagt, dass sie die Wohnung für ihre Tochter gekauft hatte, die selbst einst in Winterthur studierte.

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«Da die Tochter jetzt mit der Mutter in Spanien lebe, hätten sie die Wohnung bisher auf Airbnb ausgeschrieben und wollten sie demnächst auch vermieten», sagt Wey.

«Da die Tochter jetzt mit der Mutter in Spanien lebe, hätten sie die Wohnung bisher auf Airbnb ausgeschrieben und wollten sie demnächst auch vermieten», sagt Wey.

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Darum gehts

  • Die 18-jährige Studentin Jamina Wey wollte eine 1,5-Zimmer-Wohnung mieten.
  • Die Vermieterin wirkte seriös, die Wohnung optimal.
  • Doch erst nach der Zahlung eines Vorschusses von knapp 2000 Franken bemerkte Wey, dass sie einem Betrug aufgesessen war. Nun will sie andere vor der Masche warnen.
  • «Solche Betrugsformen werden häufig bei uns und bei den Polizeikorps gemeldet», sagt Chantal Billaud, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Kriminalprävention.
  • Airbnb sagt, die Kommunikation und Zahlungsabwicklung solle nur über die eigene Plattform erfolgen.

Das Inserat ist Jamina Wey gleich aufgefallen: Eine 1,5-Zimmer-Wohnung für 570 Franken mitten in Winterthur. «Damit wäre sie für mich als Studentin genau im Budget gelegen.» Die Frau, die das Inserat ausgeschrieben hatte, habe ihre gesagt, dass sie die Wohnung für ihre Tochter gekauft hatte, die selbst einst in Winterthur studierte.

«Da die Tochter jetzt mit der Mutter in Spanien lebe, hätten sie die Wohnung bisher auf Airbnb ausgeschrieben und wollten sie demnächst auch vermieten», sagt Wey. Damit sie die Wohnung «auf sicher hat», habe ihr die Frau geraten, die Wohnung über einen mitgelieferten Airbnb-Link für einen vollen Monat zu buchen. «Mitsamt der Kaution und den Gebühren habe ich 1888 Franken überwiesen – für mich viel Geld.»

«Sie wirkte sehr vertrauenswürdig auf mich»

Was sich jedoch erst später herausstellte: Der Link war gefälscht, die Wohnung gibt es so nicht. «Die Website sah jedoch so aus wie die von Airbnb und ich erhielt eine Zahlungsbestätigung. An einen möglichen Betrug dachte ich damals gar nicht», sagt Wey. Schliesslich hatte sie via Telefon und Whatsapp intensiven Kontakt mit der angeblichen Vermieterin. «Sie wirkte sehr vertrauenswürdig auf mich», so Wey.

Erst als bei der geplanten Wohnungsbesichtigung niemand auftauchte, sei ihr bewusst geworden, dass sie einem Betrug aufgesessen war. Sie habe Anzeige bei der Polizei erstattet, die 1880 Franken seien wohl aber verloren. «Klar kann man sagen, das war sehr naiv von mir», sagt Wey. «Dass hier Leute ausgenutzt werden, die unbedingt eine Wohnung brauchen, finde ich schon sehr schlimm.»

Vorschuss nur bei gültigem Vertrag zahlen

Mit gefälschten Wohnungsinseraten hätten es die Betrüger auf Menschen abgesehen, die dringend eine Wohnung suchen und die Betrugsmasche nicht kennen, sagt Chantal Billaud, Geschäftsleiterin der Schweizerischen Kriminalprävention. «Solche Betrugsformen sind seit langem bekannt und werden häufig bei uns und bei den Polizeikorps gemeldet. Zudem dürfte es ein grosses Dunkelfeld geben.»

Geschädigte sollten Anzeige bei der Polizei erstatten, in der Regel gebe es aber kaum eine Möglichkeit, sein Geld zurückzuerhalten. Billaud: «Im Grundsatz gilt daher: Nie einen Vorschuss zahlen, wenn man das Objekt nicht besichtigen konnte und kein gültiger Vertrag vorliegt.»

Kommunikation und Zahlung über Airbnb abwickeln

Dass man kein Geld einzahlen und sich vergewissern solle, dass der Anbieter seriös sei, sagt auch Ralph Hirt von der Kantonspolizei Zürich. Auf jeden Fall sollte man aber eine Anzeige bei der Polizei erstatten. Hirt: «Wir können nur aktiv werden, wenn wir entsprechende Kenntnisse haben.» Auf der Cybercrime-Website der Kantonspolizei veröffentlicht die Kapo regelmässig Hinweise zu Betrugsmaschen im Internet.

Airbnb betont auf Anfrage von 20 Minuten, dass die gefälschten Websites nichts mit Airbnb selbst zu tun hätten. «Airbnb schützt Gastgeber und Gäste, indem alle Zahlungen und die Kommunikation über unsere sichere Plattform abgewickelt werden», sagt Sprecherin Kirstin MacLeod. «Wenn wir auf diese Websites von Dritten aufmerksam gemacht werden, arbeiten wir mit externen Partnern zusammen, um sie zu melden und sie entfernen zu lassen.»

Wie schützen Sie sich?

  • Zahlen Sie niemals eine Kaution mithilfe eines Geldtransfer-Services, ohne vorher einen gültigen Mietvertrag in der Hand zu halten und das Objekt besichtigt zu haben.
  • Ignorieren Sie Wohnungsinserate, in welchen der Besitzer im Ausland weilt und Ihnen gegen ein Depot den Schlüssel zur Besichtigung zukommen lassen will.
  • Ignorieren Sie Wohnungsinserate, durch welche Sie erfahren, dass der (ausländische) Besitzer Ihnen die Wohnung ohne vorgängige Besichtigung gegen eine Kaution überlassen möchte.
  • Ignorieren Sie Wohnungsinserate, die zu schön sind, um wahr zu sein.

Quelle: Schweizerische Kriminalprävention

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