Zuppiger verteidigt sich: «Ich habe alles getan, was ich tun konnte»
Aktualisiert

Zuppiger verteidigt sich«Ich habe alles getan, was ich tun konnte»

Er habe nie etwas Unrechtes gemacht, beteuert der unsanft gestoppte Bundesratskandidat Bruno Zuppiger in einem Interview. Fehler gesteht er zwar ein, belastet aber vor allem einen Angestellten.

von
reh
Sichtlich konsterniert: SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger gibt an der Medienkonfernz vom 8. Dezember in Bern den Rückzug seiner Kandidatur als Bundesrat bekannt.

Sichtlich konsterniert: SVP-Nationalrat Bruno Zuppiger gibt an der Medienkonfernz vom 8. Dezember in Bern den Rückzug seiner Kandidatur als Bundesrat bekannt.

Ja, er gebe Fehler zu, sagt der gescheiterte SVP-Bundesratskandidat Bruno Zuppiger in einem Interview mit der «Aargauer Zeitung». Dennoch betont er, dass er sich in der ihm vorgeworfenen Erbschaftsaffäre nie habe bereichern wollen.

«Einer meiner Mitarbeiter hat das Mandat betreut», erklärt Zuppiger. Weil er in seinem Betrieb wegen der Politik viel abwesend sei, müsse er seinen Mitarbeitern vertrauen. Allerdings trage er die Verantwortung für das Unternehmen: Für die Versäumnisse in seinem Unternehmen «stehe ich grad und entschuldige mich».

Klageandrohung zwei Tage lang verpasst

Er sei davon ausgegangen, dass die umstrittene Erbschaft längst abgeschlossen gewesen sei, sagte der Zürcher SVP-Nationalrat. 2009 habe ihn die Gegenpartei darauf aufmerksam gemacht, dass das nicht so sei. Weil der mit der Sache betraute Mitarbeiter zu diesem Zeitpunkt bereits pensioniert gewesen sei, habe er die Unterlagen aufgearbeitet und eine gegenseitige Vereinbarung mit der Gegenpartei getroffen.

Doch wie kam es dann zu der Klage? Der Gegenpartei sei sein Angebot zu wenig gewesen und sie habe unter Klageandrohung Nachverbesserungen innert zweier Tage verlangt. «Weil ich zu diesem Zeitpunkt an einer Kommissionssitzung in Neuenburg war und meinen Laptop nicht dabei hatte, ging das an mir vorbei», so Zuppiger.

Was soll die SVP tun?

«Erschüttert und enttäuscht»

Zuvor habe der betreffende Mitarbeiter alles mit der Gegenpartei verhandelt. Dieser sei es auch gewesen, der über die Hälfte des Erbes als Honorar verrechnet habe. «Ich weiss nicht, wieso er so vorgegangen ist», sagt Zuppiger. Er sei jedoch darüber «zutiefst erschüttert und enttäuscht gewesen».

Auf die Frage, ob er gewusst habe, dass ein Erbteil auf eines seiner Konten ausbezahlt worden sei, sagte Zuppiger, er wolle nicht auf Details eingehen, da er sich an die Schweigeverpflichtung gebunden fühle. Er habe gewusst, dass ein Erbteil auf ein separates Konto überwiesen worden sei.

Dass er die Überweisung von 100 000 Franken selbst unterzeichnet habe, sei richtig, hielt Zuppiger jedoch fest. Der Mitarbeiter habe ihm das Dokument zur Unterschrift vorgelegt. «Da habe ich Verantwortung zu übernehmen.» Bereichern wollen habe er sich aber nicht. Die Angelegenheit sei vor einem Jahr gütlich abgeschlossen worden.

«Nicht an Abmachung gehalten»

Warum die Geschichte trotz Stillschweigevereinbarung ans Licht kam, kann sich Zuppiger nicht erklären. «Irgendjemand hat sich nicht an die Abmachung gehalten», ist er überzeugt. Allerdings hätten von der Sache nur die oberste Parteispitze der SVP, nämlich vier Personen, gewusst: Parteipräsident Toni Brunner, Fraktionsvorsitzender Caspar Baader, Vizepräsident Christoph Blocher und Generalsekretär Martin Baltisser.

Zuppiger bekräftigte im Interview, dass die «Weltwoche», die den Fall am Mittwoch publik gemacht hatte, nicht aus Kreisen der SVP informiert worden sei. Doch: «Wer immer das gemacht hat, will mich als Bundesrat verhindern.» Die Information müsse von einem Involvierten gekommen sein, der über die Akten zum Fall verfüge.

Frage nach rechtlichen Schritten offen

Offen liess Zuppiger, ob er nun seinerseits rechtliche Schritte einleiten wird. «Ich muss das mit meinem Anwalt und mit meiner Partei besprechen», sagte er. Es gebe keine weiteren Fälle, die noch ans Tageslicht kommen könnten, versicherte er. «Es gibt noch den Vorwurf, ich sei Waffenhändler. Aber das ist absurd.» Man habe ihn immer wieder desavouieren wollen. «Es ist nie gelungen.»

Er stehe gut da, habe bei niemandem Schulden oder je etwas Unrechtes getan. «Sonst wäre ich heute auch nicht da, wo ich bin.» Auch rückblickend auf die Affäre, die ihn nun vorzeitig zu Fall brachte, findet er: «Ich habe alles, was ich zur Regelung dieses Falles machen konnte, auch gemacht.» (reh/sda)

Der Fall Zuppiger

Bei der Affäre um Bruno Zuppiger geht es laut dem Bericht der «Weltwoche» um Unregelmässigkeiten bei einer Erbschaft, die Zuppigers Firma vollstrecken sollte. Eine verstorbene Angestellte von Zuppigers Unternehmen wollte zwei gemeinnützigen Organisationen 265 000 Franken vermachen. Laut dem Bericht soll Zuppiger die Auszahlung verzögert, ein überrissenes Honorar verlangt und einen Teil des Nachlasses auf ein eigenes Konto ausbezahlt haben. Nachdem die beiden Organisationen interveniert und mit Klagen gedroht hatten, bezahlte Zuppiger den vollen Betrag mit Zinsen an die Organisationen zurück.

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