Aktualisiert 09.02.2019 09:13

Wölfe in der Ostschweiz«Ich habe Angst um die Kinder»

Auf der Suche nach Futter kommen die Wölfe von den Bergen in die Täler hinunter. Ein Landwirt aus der Region Werdenberg hat ein mulmiges Gefühl.

von
juu

Die Wölfe wurden anfangs November in St. Margarethenberg SG gesichtet. (Video: Leser-Reporter)

«Zehn bis 15 Wölfe habe ich diesen Winter schon gesehen. Der nächste war nur 50 Meter von unserem Hof entfernt», sagt ein Landwirt aus der Region Werdenberg zu 20 Minuten. Dieses Jahr sollen deutlich mehr Wölfe als in den vergangenen Jahren unterwegs sein. Er habe langsam ein mulmiges Gefühl, vor allem wegen der Kinder. «Die meisten kommen von der Schule nach Hause, wenn es schon dunkel ist. Da macht man sich einfach Sorgen», so der Landwirt.

Von seinen Tieren habe der Wolf noch keines gerissen, sagt der Bauer, dies sei aber nur eine Frage der Zeit. Er gibt zu bedenken, dass der Wolf immer zutraulicher werde. «Die Angst ist auf jeden Fall da», sagt der Landwirt.

Wolf riss mehrere Schafe

Bereits zum Wintereinbruch Mitte Dezember wurden in Oberriet und Muolen mehrere Schafe gerissen. Auch im Thurgau schlug der Wolf zu: Ende November wurden in Berg mehrere Schafe getötet. Nun konnte das Raubtier identifiziert werden.

Wie die Staatskanzlei St. Gallen mitteilt, handelt es sich bei besagtem Tier um den Wolf mit der Kennzeichnung M93. «Erstmals identifiziert wurde er im Oberengadin, nachdem er dort mehrere Schafe gerissen hatte.» Auch wenn die Proben in Muolen nicht interpretierbar waren, geht man aufgrund des ähnlichen Verhaltens davon aus, dass es ebenfalls M93 war, so die Mitteilung.

Viele Wölfe ziehen ins Tal

Wo sich M93 zurzeit aufhält, ist unklar. Für Fachleute wäre es nicht verwunderlich, wenn er sich weiterhin im Unterland aufhielte: «Der Wolf kommt von den Bergen herunter, da seine Hauptbeute auch ins Tal kommt. Der Wolf zieht den Hirschen nach», erklärt Dominik Thiel, Leiter Amt für Natur, Jagd und Fischerei gegenüber TVO. Da sich die Hirsche derzeit in grossen Rudeln in Dorfnähe aufhalten, rechnet Thiel damit, dass sich diesen Winter auch besonders viele Wölfe dort aufhalten werden. «Dies liegt vor allem an den Schneemassen in den höheren Lagen», sagt Thiel.

Laut Wolf Schweiz ist es wichtig, dass sich die Bevölkerung richtig verhalte: «Man sollte die Wölfe auf keinen Fall füttern, weder absichtlich noch durch draussen herumliegende Küchenabfälle», sagt David Gerke, Präsident der Gruppe Wolf Schweiz, zu dem Fernsehsender.

Korrigendum: In einer früheren Version dieses Artikels hiess es, dass die Staatskanzlei St. Gallen vor einer Konfrontation mit dem Wolf warne. Das stellte sich nun jedoch als falsch heraus. «Der Kanton hat nie von einer Konfrontation mit Wölfen gewarnt», stellt Dominik Thiel richtig. Zwar sei es Tatsache, dass die Wölfe wegen des vielen Schnees in die tiefen Lagen absteigen. «Von einer Konfrontation kann jedoch keine Rede sein. Seit der Wolf seit 1995 wieder in die Schweiz zurückkehrt, kam es noch nie zu einer gefährlichen Konfrontation mit Wölfen.»

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