Aktualisiert 15.12.2011 14:27

Neue Holding, alte Idee

«Ich habe Blocher drei Bedingungen gestellt»

Die «Basler Zeitung» hat mit Tito Tettamanti einen neuen Besitzer. Der Name Blocher ist damit aber nicht aus dem Medienhaus vertrieben - und die Philosophie des SVP-Chefstrategen erst recht nicht.

von
A. Mustedanagic
Die neuen Köpfe hinter der «Basler Zeitung»: Tito Tettamanti und Filippo Leutenegger.

Die neuen Köpfe hinter der «Basler Zeitung»: Tito Tettamanti und Filippo Leutenegger.

Tito Tettamanti hat weit ausgeholt an der Medienkonferenz in Zürich. Sehr weit. Er hat von bankrotten Staaten gesprochen. Von den zahlreichen arbeitslosen Jugendlichen in Europa. Vom Regierungspräsidenten von Griechenland, der nicht wiedergewählt wurde. Er hat lange gesprochen, um auf seinen Punkt zu kommen: «Wir glauben, dass die Gesellschaft versagt hat. Sie polemisiert statt in die Tiefe zu debattieren.» Geht es nach dem Tessiner Financier, wird die nötige Debatte von der «Politik der Höflichkeit verhindert». Mit seiner neuen MedienVielfalt Holding AG möchte er nun «Querdenker» unterstützen. Der Startschuss dazu ist die Übernahme der «Basler Zeitung».

Die MedienVielfalt Holding AG hat 100 Prozent der «Basler Zeitung» übernommen. Der 81-jährige Tettamanti hält 18,8 Prozent der Aktien, aber 53,6 Prozent der Stimmrechte. Zweitgrösster Aktionär ist Georges Bindschedler aus Muri BE. 17 weitere Aktionäre halten andere namhafte Anteile (siehe Infobox). «Ist Blocher Aktionär?», fragte Tettamanti an der Medienkonferenz, um sich sogleich die Antwort selbst zu geben: «Nein.» Er habe mit Blocher über die «Basler Zeitung» gesprochen, aber sie seien sich einig gewesen, «dass es besser ist, wenn er nicht daran beteiligt ist», so Tettamanti. Blocher habe sich aber gewünscht, dass er - Tettamanti - die «Baz» übernehme. «Ich habe ihm drei Bedingungen gestellt», sagte der 81-Jährige und holte dann aus:

Erstens wollte Tettamanti einen eigenen Sanierer, «der seriös ist und die Situation bei der ‹Basler Zeitung› in die Hand nimmt. Mit Filippo Leutenegger habe ich diesen gefunden.» Zweitens wollte er keine Geheimhaltung mehr über den dritten Punkt: «Blocher übernimmt die Garantie für allfällige Verluste des Druckbereichs», so Tettamanti. Offenbar war dem Tessiner das Risiko mit den beiden Druckereien der «BaZ» zu gross. Nun muss er sich um Verluste nicht sorgen: Blocher ist die Übernahme der Zeitung durch Tettamanti eine «unlimitierte Garantie» Wert. «Blocher ist als Garant dabei, er hat aber kein Recht sich einzumischen», betonte Tettamanti vor den Medien.

Keine fanatische, aber eine profilierte Zeitung

Die Idee hinter der Übernahme der «Basler Zeitung» teilen die beiden Unternehmer: Sie wollen einen Gegenpol zur «gängigen Political Correctness». Es war die Ursprungsidee bei der ersten Übernahme der «BaZ» und sie ist es immer noch, wie Tettamanti sagt: «Nun hat sich die Konkurrenzsituation in Basel geändert: Sie erlaubt es uns nicht, eine fanatische Zeitung zu machen, aber die Schaffung der Tageswoche erlaubt uns eine profilierte Zeitung zu machen. Die Leute können ja wählen: ‹Baz› oder ‹Tageswoche›.» Was die Anforderung an die «publizistisch unabhängige» Basler Zeitung ist, formulierte der 81-Jährige wie folgt: «Wir verlangen von der ‹Baz›, dass sie profiliert und mutig ist.» Sie solle sich gegen die «Gegner» wehren, «die die Political Correctness verteidigen».

Was der Financier unter «profilierter und mutiger» Berichterstattung versteht, erläuterte er nicht. Klar ist, dass er sie bei den etablierten Blättern in der Schweiz vermisst. Er sieht die bestehenden Medien wohl ähnlich, wie das gesamte Feld der bürgerlichen Politiker – vor allem aber der SVP: zu links. «Die Baz ist ein Mittel, unsere Linie zu vertreten», sagte Tettamanti und konkretisierte: «Sie würden es eine bürgerliche nennen, andere werden wohl auch von einer rechtsbürgerlichen Linie sprechen.» An der bisherigen publizistischen Linie der «Basler Zeitung» und ihres Chefredaktors Markus Somm wolle man nichts ändern. «Ich habe gehört», sagte Tettamanti, «dass die Zeitung seit meiner ersten Übernahme besser geworden ist.»

Leutenegger ist neuer «BaZ»-Präsident

Die neu gegründete MedienVielfalt Holding AG (MVH) übernimmt 100 Prozent der BaZ Holding AG. Moritz Suter - der bisherige Aktionär und Präsident - ist ausgetreten. Neuer Präsident wird FDP-Nationalrat Filippo Leutenegger. Er soll die Gruppe sanieren. Neben gehören folgende vier Personen zum neuen Verwaltungsrat: Peter Wyss, Basel; Hans Rudolf Gysin, Pratteln; Adriana Ospel-Bodmer, Wollerau; Karl Schweizer, Riehen; Urs Gribi, Binningen.

«Die Ähnlichkeit mit Frau Oeris Stiftung ist Zufall»

Die MVH hat ihren Sitz in Zug und gehört zu 18,8 Prozent Tito Tettamanti. 12,5 Prozent des Aktienkapitals von 40 Millionen Franken stellt Georges Bindschedler aus Muri BE. Der Rest gehört 17 weiteren Aktionären. Darunter Filippo Leutenegger selbst, Adriana Ospel-Bodmer, der Frau von Marcel Ospel und auch Alt Nationalrat Hans Rudolf Gysin.

Die MVH will sich in Zukunft an Medienunternehmen beteiligen, den medienethischen Diskurs fördern sowie weitere Beteiligungen an publizistischen Instutionen anstreben. Nebst der «BaZ» beteiligt sich die MVH bereits am Portal «lesobservateurs.ch». Welche weiteren Beteiligungen folgen sollen, ist gemäss Tettamanti noch unklar. Dass die «MedienVielfalt Holding AG» fast identisch heisst, wie die Stiftung von Beatrice Oeri (Stiftung für Medienvielfalt), die die «Tageswoche» in Basel lanciert hat, sei Zufall. «Wir haben schlicht zu wenig gut recherchiert», so der Tessiner vor den Medien. Als man es bemerkt habe, habe die Zeit zur Umbenennung nicht mehr gereicht.

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