Datendieb spricht: «Ich habe das so nicht gewollt»

Aktualisiert

Datendieb spricht«Ich habe das so nicht gewollt»

SNB-Chef Philipp Hildebrand tritt ab. Der Auslöser der Affäre hat sich kurz zuvor noch per E-Mail an die Medien gewandt. Den Rücktritt wollte er mit seinen Enthüllungen nicht erwirken.

von
aeg
Stellt seine Sicht der Dinge dar: Ex-Sarasin-IT-Mitarbeiter R.T. wendet sich mit einem E-Mail an die Medien

Stellt seine Sicht der Dinge dar: Ex-Sarasin-IT-Mitarbeiter R.T. wendet sich mit einem E-Mail an die Medien

Der IT-Berater der Bank Sarasin, der mit seinem Datendiebstahl die Affäre rund um den Präsidenten der Nationalbank, Philipp Hildebrand, losgetreten hatte, hat sich mit einem E-Mail an die Medien gewandt. Darin versucht er, seine Sichtweise zu erklären und Missverständnisse auszuräumen.

«Ich habe mich ausdrücklich für eine Untersuchung eingesetzt und nicht für eine Bestrafung», schreibt R.T. (Name der Redaktion bekannt). Er habe zu keiner Zeit gewollt, dass die von ihm kopierten Bankunterlagen Hildebrands den Weg in die Medien finden – und schon gar nicht habe er die «unkontrollierten Ereignisse der letzten Woche gewollt». Er habe sogar versucht, «es effektiv zu verhindern, als sie losgingen», wie «Blick» schreibt. Auszüge aus dem Brief wurden heute Montag in verschiedenen Medien veröffentlicht - wenige Stunden, bevor Hildebrand seinen Rücktritt bekannt gegeben hat.

R.T. beteuert, er sei nicht der einzige gewesen, der Einblick in die Daten des SNB-Chefs genommen habe. Die NZZ spricht von rund einem Dutzend Personen, die sich innerhalb der Bank Sarasin die Daten angeschaut haben. Die Bank selber bestätigt dies jedoch nicht. R.T.: «Ich hatte in der Bank nicht nur direkten Zugriff auf die Daten, sondern sie wurden mir von den andern Leuten mitgeteilt.»

«Verdammt, wir sind alles Menschen»

Zu Philipp Hildebrand selber schreibt R.T.: «Gegebenenfalls spekulierte er (mit Devisen) und das verträgt sich schlecht mit seinem Amt als SNB-Chef und dem Stil, wie er ihn lebt.» Und weiter: «Er zeigte auch menschliche Züge an der PK diese Woche und verdammt, wir sind alles Menschen.»

T. forderte in dem Schreiben nicht den Abgang Hildebrands, denn «vielleicht wäre ein etwas geläuterter (darf ich dem so sagen) Präsident eventuell das Beste, was wir haben können, fachlich ist er ja kompetent.» Man sollte Hildebrand eine zweite Chance geben, die Vorverurteilung tue ihm leid.

Auch über das jetzige Verhältnis mit seinem Schulfreund und erster Anlaufstelle nach dem Diebstahl der Daten, dem Thurgauer SVP-Kantonsrat Hermann Lei, schreibt er: «Ich bedaure das sehr (Lei ging mit den Daten an die Presse), er zerstörte mit dieser unüberlegten Vorgehensweise meine Existenz und gefährdete eventuell auch seine.» Er habe mit Lei gebrochen. «Lei ging wohl leider – wie soll ich sagen – die Kontrolle verloren im Fall Hildebrand.»

SVP-Vertreter Lei und Schmid

Der Thurgauer SVP-Kantonsrat Hermann Lei ist ein alter Schulfreund von R.T. Der Bankmitarbeiter habe ihn darum gebeten, einen Kontakt zu einer politisch einflussreichen Person zu vermitteln, sagt Lei. «Und diesem Wunsch kam ich nach.» Er sagt: «Wir wollten eine saubere, diskrete Abklärung der Transaktion.»

Der Zürcher SVP-Kantonsrat Claudio Schmid hat den entlassenen IT-Mitarbeiter der Bank Sarasin R. T. beratend unterstützt. Ausserdem hat er laut der «NZZ am Sonntag» ein Treffen zwischen R. T. und zwei «Blick»-Journalisten arrangiert. Schmid habe seinem alten Freund R. T. davon abgeraten, Informationen aus der Bank herauszutragen.

Deine Meinung