19.04.2019 17:44

Joggeli-Greenkeeper«Ich habe den schönsten Rasen der Schweiz»

Marc Studach (45) ist der Hüter des heiligen Grashalms im Basler St.-Jakob-Park. Er liebt seine Arbeit – doch Helene Fischer und Regen können sie zunichtemachen.

von
Matthias Gröbli
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Marc Studach (45) ist Leiter Greenkeeping beim FC Basel und als solcher mit seinem Team verantwortlich für den Rasen im St.-Jakob-Park.

Marc Studach (45) ist Leiter Greenkeeping beim FC Basel und als solcher mit seinem Team verantwortlich für den Rasen im St.-Jakob-Park.

Stevan Bukvic
Die Länge der Grashalme auf dem Spielfeld soll genau 24 Millimeter betragen.

Die Länge der Grashalme auf dem Spielfeld soll genau 24 Millimeter betragen.

Stevan Bukvic
Unter der Muttenzerkurve befinden sich die benötigten Gerätschaften.

Unter der Muttenzerkurve befinden sich die benötigten Gerätschaften.

Stevan Bukvic

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. Zwei Tage nach dem Match des FC Basel 1893 gegen den FC Lugano und vier Tage vor dem Heimspiel gegen die Grasshoppers wird der Rasen des St.-Jakob-Parks gepflegt. In den beiden Strafräumen steht je ein so genanntes Wachstumszelt. LED-Lampen, eine Heizung und Kohlendioxid sorgen darin dafür, dass sich der Rasen optimal regenerieren kann.

Marc Studach (45), als Leiter Greenkeeping seit 2011 für die Unterlage im Joggeli verantwortlich, kontrolliert die Digitalanzeige am Zelt. Alles im Grünen. «Der Strafraum ist der am meisten beanspruchte Bereich des Spielfelds», erklärt der Laufentaler. Je nach Schäden, die Stollen verursacht haben, kommen die Zelte auch anderswo zum Einsatz.

Marc Studach ist seit 2011 als Leiter Greenkeeping für den Joggeli-Rasen verantwortlich. (Bild: Stevan Bukvic)

Doch diesmal braucht der Rasen keine Intensivpflege. Der Match gegen Lugano hat lediglich die üblichen Spuren hinterlassen. Die kleinen Löcher überall auf dem Feld sind gestopft und mit einer Handvoll Saatgut versorgt worden. Bei grösseren Schäden wird der betreffende Teil sauber ausgestanzt und ein Stück Rasensode eingesetzt. Es sind drei Zentimeter dicke Rasenpflaster, die in einer speziellen Anlage ausserhalb des Stadions gezüchtet werden und wie in einem Ersatzteillager ständig zur Verfügung stehen.

«Ich habe den schönsten Rasen der Schweiz»

Wir haben Marc Studach, den Rasen-Verantwortlichen im Basler St. Jakob-Park, getroffen. Hier erzählt er von seinem Arbeits-Alltag.
(Video: S. Bukvic/P. Stirnemann)

Marc Studach über seinen Job und schöne FCB-Tore. (Video: Stevan Bukvic/Philipp Stirnemann)

Um für das Spielfeld im Stadionkessel Sonne und Wind zu simulieren, kommen regelmässig Batterien von UV-Lampen und grosse Ventilatoren zum Einsatz. Ausserdem wird der Rasen vier- bis fünfmal im Jahr besandet, alle zwei Woche erfährt er eine Tiefenlockerung und wird pro Quartal einmal übersät. Und natürlich wird er von Studach und seinen vier ständigen Mitarbeitern regelmässig gemäht. Wenige Stunden vor einem Spiel werden die Halme noch einmal auf genau 24 Millimeter Länge getrimmt. Ein kurzer Schnitt ermöglicht schnelleres Spiel, bessere Ballkontrolle.

«Der Rasen ist ein Spitzensportler»

«Der Rasen ist ein Spitzensportler», sagt Marc Studach. «Er wird ständig stark beansprucht und ist deshalb auch anfälliger für Krankheiten.» Der Chef-Greenkeeper und sein Team, das auch für die Trainingsplätze und unterstützend für den Nachwuchs-Campus sowie einen Grossteil der Unterhaltsarbeiten im Stadion verantwortlich ist, müssen deshalb auch immer ein Auge auf möglichen Pilzbefall des Rasens haben – ein verbreitetes Problem in Fussballstadien. Studach und seine Berufskollegen von anderen Clubs tauschen sich deshalb regelmässig aus. «Natürlich kommt in einem solchen Fall auch Fungizid zum Einsatz», sagt der Greenkeeper. «Aber ich übertreibe es nicht. Der Rasen soll sein natürliches Abwehrsystem behalten.»

Selbstredend verfügt der FC Basel und damit auch Studach nicht über die finanziellen Mittel wie etwa Paris St-Germain, das sich den britischen Star-Greenkeeper Jonathan Calderwood mit 20'000 Euro Monatsgehalt leistet.

Der Krösus

Der Krösus

Doch auch der koche nur mit Wasser, sagt Studach. «Er hat halt noch mehr Lampen, noch mehr Ventilatoren, noch mehr dies und das. Aber ich habe hier alles, was ich brauche», so der FCB-Greenkeeper. «Calderwood würde den Job hier in Basel wahrscheinlich auch nicht besser machen als ich.» Dennoch die Frage: Wäre es für Marc Studach ein Traum, ein Angebot von PSG zu erhalten? «Ich glaube nicht, dass ich nach Paris gehen würde. Sowieso nicht nur wegen des Geldes. Ich bin verwurzelt hier und habe einen wunderbaren, abwechslungsreichen Job», antwortet er.

Alle Rasenmäher werden von Hand geschoben. (Bild: Stevan Bukvic)

«Hier in Basel kann ich in Ruhe arbeiten. In Paris würde es mir wohl nicht gefallen. Ich würde nicht einfach nur Hälmli biegen wollen.» Und meint damit: Calderwood lässt ein grosses Team für sich arbeiten und ist selber kaum an der Rasenfront im Einsatz.

«Nach dem Helene-Fischer-Konzert mussten wir den ganzen Rasen ersetzen»

Bei allem Herzblut für seine Arbeit im grössten Stadion der Schweiz gibt es für Studach und sein Team auch die ganz bitteren Momente. Etwa dann, wenn er mit ansehen muss, wie sein liebevoll gepflegter Rasen während einer 90-minütigen verregneten Schlammschlacht übel zugerichtet wird. So geschehen am 12. November 2017, als sich die Schweizer Nationalmannschaft gegen Nordirland mit dem 0:0 in Basel zwar für die WM in Russland qualifizierte, der Joggeli-Rasen danach aber ersetzt werden musste. Und zwar schnell, denn nur zehn Tage später stand das Uefa-Champions-League-Spiel gegen Manchester United an.

Nicht nur der Regen, auch Helene Fischer kann für Studach zum Albtraum werden. Nach dem Konzert im vergangenen Juli im St. Jakob-Park musste erneut ein neuer Rasen her. Weil es im Joggeli im Gegensatz etwa zum Zürcher Letzigrund-Stadion keine Tartanbahn rund um das Spielfeld gibt, hinterliessen die für die Sattelschlepper verlegten Ladeplatten sowie die Schwerlast-Platten für die Bühne irreversible Schäden.

«Wir mussten den ganzen Rasen ersetzen», so Studach. «Alles andere wäre untaugliches Flickwerk gewesen.» Die Gesamtkosten von ungefähr einer Viertelmillion Franken für die Neuverlegung des Rasens musste der FCB glücklicherweise nur teilweise übernehmen.

Präzision ist gefragt: Der Greenkeeper demonstriert den Einsatz der Zeichnungsmaschine. (Bild: Stevan Bukvic)

«Ich pflege den Joggeli-Rasen, wie wenn es mein eigener wäre»

Doch auch die neue Unterlage aus deutsch-holländischer Zucht erfährt die gleiche hingebungsvolle Betreuung durch Marc Studach und dessen Team wie jene, die wegen Helene Fischer ins Gras beissen musste.

«Ich pflege den Joggeli-Rasen, wie wenn es mein eigener wäre», sagt der gelernte Metallbauschlosser und ausgebildete Greenkeeper. Und er hofft, dass er so bald nicht wieder einen «Totalschaden» des Joggeli-Grüns miterleben muss.

Der Basler St.-Jakob-Park ist das grösste Stadion der Schweiz. (Bild: Stevan Bukvic)

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