27.09.2018 18:15

Whatsapp-Gründer

«Ich habe die Privatsphäre der Nutzer verkauft»

Nach der Übernahme von Whatsapp durch Facebook zog sich Mitgründer Brian Acton 2017 zurück. Nun spricht er erstmals öffentlich über seinen Ausstieg.

von
swe
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Erstmals äusserte sich Brian Acton, Mitgründer von Whatsapp, nach seinem Ausstieg bei Facebook öffentlich. Im Interview mit «Forbes» erzählte er, warum er sich dafür entschied, das Unternehmen zu verlassen, und welche Konsequenzen dies hatte.

Erstmals äusserte sich Brian Acton, Mitgründer von Whatsapp, nach seinem Ausstieg bei Facebook öffentlich. Im Interview mit «Forbes» erzählte er, warum er sich dafür entschied, das Unternehmen zu verlassen, und welche Konsequenzen dies hatte.

Keystone
Brian Acton und der zweite Gründer Jan Koum (Bild) verkauften Whatsapp vor rund viereinhalb Jahren für 19 Milliarden Dollar an Facebook.

Brian Acton und der zweite Gründer Jan Koum (Bild) verkauften Whatsapp vor rund viereinhalb Jahren für 19 Milliarden Dollar an Facebook.

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Der Facebook-CEO und seine Führungsmannschaft hatten aber offenbar andere Pläne mit dem beliebten Messenger als die beiden Gründer. So drängten nach Angaben von Acton einige Manager darauf, mit Whatsapp-Werbung Geld zu verdienen, und stellten die Verschlüsselung des Messengers in Frage.

Der Facebook-CEO und seine Führungsmannschaft hatten aber offenbar andere Pläne mit dem beliebten Messenger als die beiden Gründer. So drängten nach Angaben von Acton einige Manager darauf, mit Whatsapp-Werbung Geld zu verdienen, und stellten die Verschlüsselung des Messengers in Frage.

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Vor etwa viereinhalb Jahren verkauften die Whatsapp-Gründer Jan Koum und Brian Acton ihre Firma für 19 Milliarden Dollar an Facebook. Beide blieben jedoch noch einige Jahre beim beliebten Messenger tätig. Zehn Monate nach seinem Ausstieg äusserte sich der 46-jährige Acton nun in einem Interview mit Forbes.com erstmals zu seiner Zeit beim Social-Media-Konzern.

Acton zog sich zurück, weil Mark Zuckerberg und andere darauf drängten, mit Whatsapp-Werbung Geld zu verdienen, und weil Facebook die Verschlüsselung des Messengers in Frage stellte, an deren Aufbau er beteiligt gewesen war. Es war ein teurer Entscheid, denn er verliess das Unternehmen ein Jahr bevor er die letzte Aktien-Tranche im Wert von 850 Millionen Dollar erhalten sollte.

Unterschiedliche Werte

Als im März 2018 der Skandal um Cambridge Analytica aufkochte, setzte Acton einen Tweet ab, der seine ehemaligen Arbeitgeber wohl nicht erfreute: «Es ist Zeit. #deletefacebook.» Es war sein bislang letzter Twitter-Eintrag.

«Ich habe die Privatsphäre der Nutzer verkauft», erklärt Acton. Damit müsse er nun jeden Tag leben. Die Einsicht kommt etwas spät, denn dass die Werte der beiden Whatsapp-Gründer und des Facebook-Konzerns nicht übereinstimmen, war schon bei der Übernahme klar. Koum und Acton hassten Werbung, und die Social-Media-Plattform betreibt eines der grössten Werbenetzwerke im Internet.

Keine Übereinstimmung

Was Facebook in Zukunft genau mit Whatsapp plant, ist nicht klar. Die Verschlüsselung des Messengers hinderte den Konzern nach Angaben von Acton jedoch daran, so viel Geld wie gewünscht zu erwirtschaften. «Es sind Geschäftsleute und es sind gute Geschäftsleute. Sie stehen nur für Geschäftspraktiken, Prinzipien und ethische Grundsätze, mit denen ich nicht wirklich einverstanden bin», so Acton.

Nach seinem Ausstieg blieb Acton aber nicht untätig. Neben einer Investition von 50 Millionen Dollar in den auf Privatsphäre bedachten Messenger Signal unterstützt er auch einige Hilfsprojekte mit dem Geld, das er beim Verkauf von Whatsapp verdiente.

Öffentliche Attacke

Actons öffentlicher Angriff auf den Social-Media-Konzern blieb nicht ohne Replik. So hat sich am Mittwoch der Facebook-Manager David Marcus zu dem «Forbes»-Interview in einem Blogeintrag geäussert und sich dort über seinen früheren Kollegen ausgelassen. Demnach hat Mark Zuckerberg die Verschlüsselung von Whatsapp immer unterstützt. Und er finde es nicht angebracht, dass Acton jene Personen und die Firma angreife, die ihn zum Milliardär gemacht hätten. Zudem sei Facebook die einzige grosse Firma und Zuckerberg der einzige Chef, für den er arbeiten würde.

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