01.11.2020 18:09

Trump, Biden und die Schweiz«Ich habe die Schweiz noch reicher gemacht»

Weder bei US-Präsident Donald Trump noch seinem Herausforderer Joe Biden stand die Schweiz bisher weit oben auf der Prioritätenliste. Dennoch haben beide die Schweiz besucht.

von
Jean-Claude Gerber

Donald Trump erklärte 2018, er habe die Schweiz noch reicher gemacht.

Darum gehts

  • US-Präsident Donald Trump und der ehemalige US-Vizepräsident Joe Biden haben je zweimal das WEF besucht.

  • Es gab dabei jeweils kurze Treffen mit den jeweiligen Bundespräsidenten.

  • Trump und Biden fanden stets lobende Worte für die Schweiz.

  • Besonders die Guten Dienste der Schweiz im Iran werden von den USA sehr geschätzt.

Dem Weltwirtschaftsforum sei Dank: Sowohl der damalige US-Vizepräsident und aktuelle Präsidentschaftskandidat Joe Biden wie nach ihm auch US-Präsident Donald Trump haben der Schweiz je zweimal einen offiziellen Besuch abgestattet. Jedes Mal war ihr Ziel das WEF in Davos. Dabei kam es meist auch zu einem Treffen mit Schweizer Regierungsvertretern.

Den Anfang machte Bundespräsident Johann Schneider-Ammann, der im Januar 2016 Joe Biden persönlich am Flughafen Zürich empfing. Bei einem informellen Gespräch vereinbarten die beiden Politiker, den Austausch bei der Berufsbildung zwischen den beiden Ländern zu vertiefen. Lanciert worden war die verstärkte Zusammenarbeit der beiden Länder bei der Berufsbildung mit der Teilnahme der damaligen Second Lady Jill Biden am ersten internationalen Berufsbildungskongress der Schweiz 2014 in Winterthur.

30 Minuten für die Schweiz

Zudem dankte Biden der Schweiz für ihre Vermittlerrolle zwischen den USA und dem Iran. Das wars dann aber auch schon. Mehr als eine halbe Stunde hatte Biden für die Schweiz nicht übrig. Er war wegen der anderen Gäste nach Davos gekommen.

Gar keine Zeit für die offizielle Schweiz nahm sich Joe Biden bei seinem WEF-Besuch 2017. Das war allerdings nicht weiter tragisch. Biden war zum Zeitpunkt seiner Rede in Davos gerade noch für 48 Stunden Vizepräsident, wie er gleich zu Beginn der Ansprache festhielt. Immerhin habe er sich nach seinem letzten Davos-Besuch als Vize persönlich bei den Sicherheitskräften für ihren Einsatz bedankt, wie der Bündner Regierungsrat Christian Rathgeb damals verriet.

Der erste Besuch nach 18 Jahren

Unmittelbar nach dem Ende des WEF 2017 wurde Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Er packte gleich die erste Gelegenheit, ans WEF zu kommen. Als im Januar 2018 die Air Force One in Kloten landete, war die Aufregung nicht nur bei den Planespottern gross. Es war schliesslich das erste Mal seit 18 Jahren, dass ein amtierender US-Präsident unser Land mit einem Besuch beehrte.

Bundespräsident Alain Berset strich diese Tatsache im Rahmen eines 45-minütigen Treffens mit Trump denn auch besonders heraus. Beim gemeinsamen Medientermin war Donald Trump voll des Lobes für die Schweiz. «Die Schweiz ist ein grossartiges Land. Ich habe so viele Freunde hier. Ich habe grossen Respekt vor der Schweiz und es ist eine Ehre, hier zu sein», sagte der Präsident zu Berset.

«Zwei Männer auf Augenhöhe»

Zudem strich er die Vorzüge seiner Wirtschaftspolitik heraus: «Ihr habt wichtige Investoren, die viele Aktien in den USA halten. Somit habe ich geholfen, die Schweiz noch reicher zu machen. Darüber bin ich sehr glücklich. Die Börse hat um fast 50 Prozent zugelegt.» Berset erklärte nach dem Treffen: «Es war ein Gespräch zwischen zwei Männern auf Augenhöhe.» Die Schweiz werde von den USA ernst genommen.

Wie Biden zuvor bedankte sich auch Trump nach dem WEF bei den Schweizer Sicherheitskräften. In einem Brief an den Bündner Polizeichef Walter Schlegel schrieb Trump, die Bemühungen des Bündner Polizeichefs hätten entscheidend dazu beigetragen, «dass die Reise ein grosser Erfolg wurde».

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Bei seinem Besuch am WEF 2016 wurden Vizepräsident Joe Biden und seine Frau Jill Biden am Flughafen Zürich von Johann Schneider-Ammann persönlich empfangen.

Bei seinem Besuch am WEF 2016 wurden Vizepräsident Joe Biden und seine Frau Jill Biden am Flughafen Zürich von Johann Schneider-Ammann persönlich empfangen.

KEYSTONE
Bei seinem Besuch im Jahr darauf war Joe Biden nur noch wenige Stunden Vizepräsident. 

Bei seinem Besuch im Jahr darauf war Joe Biden nur noch wenige Stunden Vizepräsident.

imago/Xinhua
Die Ankunft Donald Trumps an Bord der Air Force One im Januar 2018 in Kloten war ein Grossereignis.

Die Ankunft Donald Trumps an Bord der Air Force One im Januar 2018 in Kloten war ein Grossereignis.

KEYSTONE

2019 fiel das Comeback Donald Trumps in der Schweiz ins Wasser. Obwohl alles vorbereitet war für einen weiteren WEF-Besuch, sagte der US-Präsident seine Teilnahme wegen des Streits mit den Demokraten um das neue Budgetgesetz ab. Damit entfiel auch ein geplantes Vier-Augen-Gespräch mit Bundespräsident Ueli Maurer.

«We trust you 100 percent»

In diesem Jahr klappte es dann wieder. Trump beehrte das WEF im Januar erneut mit einem Besuch. Diesmal nahm sich der US-Präsident 50 Minuten Zeit für ein Treffen mit gleich vier Bundesräten: Simonetta Sommaruga, Ueli Maurer, Guy Parmelin und Ignazio Cassis. Sie sprachen mit Trump über Klima und Biodiversität sowie die Guten Dienste der Schweiz im Iran und ein Freihandelsabkommen. Trump habe dabei ausdrücklich für die Guten Dienste der Schweiz gedankt. «We trust you 100 percent» – er vertraue der Schweiz «zu hundert Prozent», sagte Sommaruga. Sie kommentierte das Treffen als «sehr offen und von gegenseitigem Interesse geprägt».

Am 1. August meldete sich Trump dann noch einmal zur Schweiz. Er gratulierte der Schweiz im Namen des amerikanischen Volkes zum Bundesfeiertag, lobte die enge Freundschaft der beiden Länder und dankte für 40 Jahre Gute Dienste der Schweiz im Iran.

Weitere Treffen mit Regierungsvertretern

Im Rahmen eines zweitägigen USA-Besuchs traf Bundespräsident Didier Burkhalter Ende Februar 2014 den damaligen US-Vizepräsidenten Joe Biden in Washington. Im Gespräch mit Biden sprach Burkhalter unter anderem den Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA an. Biden habe ihm versichert, dass eine faire Behandlung der Schweizer Banken auch im Interesse der USA sei. Das Gespräch mit Biden sei «nett und nützlich» gewesen, sagte Burkhalter.

Im Mai 2019 besuchte Ueli Maurer als erster Bundespräsident einen US-Präsidenten im Oval Office im Weissen Haus. Präsident Donald Trump bekundete dabei laut einem Bericht Maurers viel Interesse an der Schweiz. Das dominierende Thema waren die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen. Trump hat sich laut Maurer grundsätzlich positiv zu einem Freihandelsabkommen geäussert, doch sei er in diesem Punkt «nicht konkret» geworden.

Trump vs. Biden

DER FAHRPLAN

22.10. Drittes TV-Duell zwischen Donald Trump und Joe Biden

03.11. Wahltag

14.12. Electoral College wählt Präsident und Vize

6.1.21. Auszählung der Stimmen der Wahlmänner und -frauen

20.1.21 Amtseinführung in Washington

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3 Kommentare
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Macht alles klar. VOTE VOTE VOTE

02.11.2020, 06:53

Juhui, nur noch 2 Tage und dieses tragische, 4-jährige Disaster wird beendet.

D.G

02.11.2020, 06:01

Tschüss Trumpi das wars für dich. Nimm deine Handschuhe und gehe schon mal packen.