Tag der guten Tat: Ich habe einen Tag nur Gutes getan und das ist passiert
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Tag der guten TatIch habe einen Tag nur Gutes getan und das ist passiert

Redaktorin Geraldine hat versucht, einen Tag lang wirklich nur Gutes zu tun. Ob es ihr gelungen ist?

von
Geraldine Bidermann

Seit ich als Kind in der Pfadi war (ihr dürft mich nach meinem Pfadi-Namen «Pebbles» nennen), ist mir der Spruch «jeden Tag etwas Gutes tun» natürlich vertraut. Als ich von der Redaktion beauftragt werde, 24 Stunden lang gute Taten abzuliefern, zucke ich also nicht gleich zusammen. Ich sehe mich nicht als Voldemort und denke, dass ich das hinbekommen werde.

Es geht los: Der Tag der guten Tat(en).

Es geht los: Der Tag der guten Tat(en).

Giphy


Der Tag beginnt wie immer mit Wickeln. Ich würde an dieser Stelle gerne berichten, dass wir für unsere Tochter Stoffwindeln und wieder verwendbare Baumwolltücher verwenden. Beides falsch. Für uns haben sich Pampers und Feuchttücher bewährt – Ehrlichkeit gehört auch zu den Pfadi-Tugenden. Ich helfe unserer Tochter in die Schuhe und schaue mit ihr noch ein Hundewelpenbuch an, weil ich dafür den Wecker extra ein wenig früher gestellt habe. Als wir in der Krippe ankommen, überreichen wir den Betreuenden selbstgemachtes Banana Bread. Am liebsten würde ich ihnen jeden Morgen einen ganzen Brunch vorbeibringen: Dieses Team aus Frauen und Männern gibt jeden Tag Vollgas, um für die Kinder da zu sein, ganz ohne davon auf Instagram zu berichten – oder Artikel darüber zu verfassen.

Ich bin ready – was bringt der Tag?

Auf dem Weg ins Büro bin ich in Startposition, um einer alten Frau über die Strasse zu helfen oder einem Vater den Kinderwagen ins Tram zu hieven. Leider ergibt sich keines der beiden Szenarien. Gipfeli bringe ich auch keine ins Büro: Ich will Food-Waste vermeiden, denn seit Corona arbeitet immer mindestens die Hälfte des Teams im Homeoffice. Hilfe, schon fast zwei Stunden des Tages sind dahin. Muss ich einen Gang zulegen? Zu Mittag treffe ich mich mit einer Freundin, die am Stauffacher wohnt. Ihre WG hat zwei ukrainische Studentinnen aufgenommen. In ein paar Monaten werden Kateryna und Anastasia in eine eigene Wohnung ziehen, welche durch die Universität Zürich und einen privaten Spender ermöglicht wird, der die Wohnung bis Ende Jahr bezahlt. Meine Tasche mit Dingen, die sie für die Wohnung brauchen, ist also nicht erwähnenswert — für diesen Artikel tue ich es trotzdem. 

Was passiert, wenn man sich einen Tag lang darauf achtet, Gutes zu tun?

Was passiert, wenn man sich einen Tag lang darauf achtet, Gutes zu tun?

Pexels / Thuy Durio

Auf dem Weg zurück ins Büro treffe ich eine Kollegin, die eine herausfordernde Zeit durchmacht. Ich bringe ihr folgende Formel bei: Stufe dein Problem ein und bewerte es mit einer Zahl von 0 bis 10 (zehn ist Katastrophe). Nun stufst du deinen Widerstand ein. Wie fest wehrst du dich? Wie fest kannst du es annehmen? Gib auch hier eine Zahl von 0 bis 10. Wenn du also ein Problem von einer Stufe 7 hast, wird sich diese Zahl kaum ändern lassen. Dein Widerstand liegt aber in deiner Hand. Kannst du das Problem annehmen, konstruktiv Lösungen suchen und an der Akzeptanz arbeiten, obwohl es dich vielleicht ärgert? Das wäre eine 4. Nun multiplizierst du den Betrag. 7 x 4 = 28. Hättest du einen Widerstand von 10, wäre das Problem gleich auf eine glatte 70 gestiegen. Kannst du noch folgen?

Ich nehme es locker – oder versuche es

Diese Formel hat mir meine Nachbarin beigebracht, die Yogalehrerin und Primarschullehrerin ist und eine Tochter im gleichen Alter hat. Ich schreibe ihr eine Whatsapp, dass ich permanent Lebensweisheiten von ihr weitergebe. «Das freut mich so, danke für diesen Aufsteller», antwortet sie. Auf dem Nachhauseweg ruft mich eine andere Freundin an. Oh nein, ich habe mich doch eigentlich so gefreut, meinen Podcast zu hören und nun ein paar Schritte zu laufen, bevor wir wieder unsere Tochter holen. Kann sie nicht einfach schnell eine Whatsapp schreiben? Mein Widerstand ist eine acht, trotzdem nehme ich ab. Wir unterhalten uns und sie entscheidet sich spontan, auch noch zum Nachtessen vorbeizukommen. Mittlerweile sind wir eine Gruppe von sieben Leuten, was mir für einen Mittwochabend nach der Arbeit eigentlich zu viel ist. Aber heute ist der gute Tag, ich nehme es locker. Totaaaaaal locker. Mist — ich wollte doch noch Blumen kaufen, Haare waschen, den Tisch schöner decken und Dessert besorgen. Irgendwie ging aber alles wieder länger auf dem Nachhauseweg. Wieso haben wir nur Gäste?
Stopp. «Mach einen Schritt zurück, alles gut, wir haben einen Tisch daheim und Freunde, die vorbeikommen, mehr braucht es nicht.» Ich arbeite an meiner Einstellung – auch das ist eine Form von guter Tat. Als unsere Tochter allen Gästen gezeigt hat, wie sie nun erste Schritte übt, bringen mein Mann und ich sie gemeinsam ins Bett. Sie hat einen Lachanfall beim Wickeln und im Wohnzimmer hören wir auch unsere Freunde lachen. Habe ich genug Gutes getan heute? Ich weiss es nicht. Ein paar frische Tulpen auf dem Tisch wären auf alle Fälle schon auch noch schön gewesen. Moment, die haben doch gar nicht so eine gute Klimabilanz. Alles richtig gemacht. 

Gutes tun und andere inspirieren!

Der «Tag der guten Tat» ist eine Initiative von Coop.

Unter diesem Motto vollbringen wir rund um den 21. Mai gemeinsam in allen Landesteilen der Schweiz gute Taten. Plane auch du, entweder allein, mit deiner Familie, deinem Verein oder deiner Organisation eine gemeinnützige Aktivität und teile euer Engagement mit dem Hashtag #TagDerGutenTat auf Instagram, Tiktok, Facebook oder Twitter! Alle geteilten Inhalte sowie weitere Informationen zum «Tag der guten Tat» findest du hier.

20 Minuten ist Medienpartner.


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