ColoredLove in Zürich: «Ich habe es pompöser erwartet – mehr gay»
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ColoredLove in Zürich«Ich habe es pompöser erwartet – mehr gay»

Die erste Gay-Hochzeitsmesse Zürichs ist eröffnet und dauert noch bis Samstagabend. Unter den ersten Besuchern sind mehr Frauen- als Männerpaare und diese zeigen sich überrascht.

von
ras/rom

Mehrstöckige Torten, Schmuck und Ideen für die Zeremonie – auf den ersten Blick sieht das Angebot im Papiersaal von Sihlcity aus wie an jeder Hochzeitsmesse. Doch beim näheren Hinsehen entdeckt man auch Smokings für die Frau sowie Honeymoon-Tipps für Männer und Männer oder Frauen und Frauen. ColoredLove heisst die erste Gay-Hochzeitsmesse von Zürich, die seit Freitag offen ist.

Bei einem Augenschein am Nachmittag wirken die wenigen Besucher – mehr Frauen- als Männerpaare – zwar noch etwas verloren zwischen den Ständen der 20 Aussteller. Doch wer da ist, dem gefällts: «Der erste Eindruck ist gut, übersichtlich und familiär», sagt Lisa Sustek (25) aus Männedorf ZH, die zusammen mit ihrer Partnerin Claudai Gazda (42) das Angebot checkt. «Ich hätte es aber farbiger und pompöser erwartet – mehr gay.» Die beiden wollen ihre Partnerschaft«sicher» noch dieses Jahr eintragen lassen und sind deshalb auf der Suche nach Ideen.

«Gay oder hetero – egal für uns»

Eine der Ideenlieferanten ist das Thuner Schloss Schadau, das sich für Hochzeitsfeiern direkt am See empfiehlt. «Wir waren schon öfter auf gewöhnlichen Hochzeitsmessen zu Gast, da dachten wir uns, warum nicht mal an einen Gay-Wedding-Event?», sagt Kathi Vogtmann (27), die stellvertretende Restaurantleiterin. Man präsentiere sich hier jedoch nicht anders als sonst. Sie sagt: «Egal ob gay oder hetero – bei uns werden die Tische genau gleich aufgedeckt.»

Trotzdem gibt es Unterschiede zwischen einer Gay- und einer Hetero-Hochzeit. «Letztere hat eine lange Tradition, bei Gays hingegen ist die eingetragene Partnerschaft erst seit 2007 möglich – entsprechend sind Schwule und Lesben vielleicht experimentierfreudiger, weniger auf Tradition aus», sagt Hayal Oezkan, der den Event mitorganisiert. Er rechnet in den zwei Tagen mit rund 600 Besucherinnen und Besucher. Dass die Messe nicht bis am Sonntag dauert, hänge mit dem Valentinstag zusammen. «Wir wollten unbedingt schon am Freitag öffnen – wiederum wäre ein dreitägiger Anlass vom Budget her nicht möglich gewesen.»

Fortsetzung geplant

Falls ColoredLove ein Erfolg wird, soll es laut Oezkan nicht die letzte Gay-Hochzeitsmesse in Zürich gewesen sein. Der Anlass im Papiersaal ist am Freitag bis 22 Uhr geöffnet sowie am Samstag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt inklusive einem so genannten Welcome Bag kostet 13 Franken pro Person.

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