Handykontrolle in der Beziehung

Publiziert

Handykontrolle in der Beziehung«Ich habe gesehen, dass er mich mit meiner Schwester betrügt»

Heimlich im Handy des*der Partner*in lesen – nicht schlimm oder No-go? Wir haben bei der 20-Minuten-Community und einem Paartherapeuten nachgefragt.

von
Deborah Gonzalez
1 / 11
Wir haben bei der Community nachgefragt, ob sie schon mal heimlich in das Handy des Partners oder der Partnerin geschaut haben. 

Wir haben bei der Community nachgefragt, ob sie schon mal heimlich in das Handy des Partners oder der Partnerin geschaut haben. 

Getty Images/EyeEm

Darum gehts

  • Leser*innen der 20-Minuten-Community erzählen, wie sie heimlich in das Handy des Partners oder Partnerin geschaut haben.

  • Viele treibt die Neugier an, dass da vielleicht was nicht stimmt.

  • Das Passwort des anderen kennen? «Kein Muss!», sagt Paartherapeut Felix Hof. Er hält den Handy-Check für eine Respektlosigkeit.

Das Handy ist etwas ganz Persönliches. Dort ist fast unser ganzes Leben gespeichert: Bilder, Chats, Kalender-Einträge, Notizen. Oft sind dort auch Sachen, die kein anderer zu Gesicht bekommen soll. Nicht mal der eigene Partner oder die eigene Partnerin. Nicht zwingend, weil man etwas zu verbergen hat – manchmal aber eben doch. 

Misstraut man seinem Gegenüber, scheint der Griff zum Handy verlockend. So könnte man schliesslich herausfinden, ob etwas verheimlicht werden soll. Das sei jedoch eine «Verletzung der Intimsphäre, eine Grenzüberschreitung und eine Respektlosigkeit gegenüber der anderen Person», warnt Paartherapeut Felix Hof. 

«Ich werde nie wieder an das Handy meines Partners gehen»

Trotzdem schnappen sich auch Leser*innen der 20-Minuten-Community das Handy des Partners oder der Partnerin, um für Gewissheit zu sorgen. Die 26-jährige Analea hatte ein schlechtes Bauchgefühl: «Ich wusste, dass da etwas sein muss. Der Reiz, zum Handy zu greifen, wurde immer grösser. Ich habe öfter seine Nachrichten und Apps durchforstet – und lag jedes Mal richtig mit meiner Vermutung. Chats mit Frauen, Chats, in denen stand, wie geil er diese Frau findet, und dass er auch gerne mit ihr schlafen würde. Das war mir eine Lehre: Ich werde bestimmt nie mehr an das Handy meines Partners gehen. Es löst viel zu viel Schmerz aus.» 

Hast du heimlich in das Handy deines Partners oder Partnerin geschaut?

Ähnlich ging es Barbara: «An einem Abend, als mein Freund schon eingeschlafen war, sind mehrere Nachrichten von seiner angeblichen Ex reingekommen. Es war nicht das erste Mal, aber diesmal packte mich wirklich die Neugier. Aus den Chat-Verläufen erfuhr ich, dass er nicht nur mit der angeblichen Ex noch zusammen war, sondern gleichzeitig noch eine weitere Beziehung hatte. Mit einem Kübel Schnee weckte ich ihn auf und schmiss ihn aus meiner Wohnung. Seither habe ich ihn nie mehr gesehen oder gehört.»

Anders sieht es Pascale: «Das Handy meines Partners ist für mich tabu. Es ist ein absolutes No-go, da rumzuschnüffeln – auch bei Misstrauen. Ein kleines Aber gibt es dennoch: Wenn das Handy rumliegt und in der Vorschau eine Nachricht aufpoppt, kann ich ja nichts dafür, wenn ich in dem Moment drauf gucke.»

«Das Misstrauen wurde nur verstärkt»

Auch andere Leser*innen tauschen sich in den Kommentaren über ihre Erfahrungen aus. So schreibt einer: «Wo ist das Problem? Wenn der Partner nichts zu verheimlichen hat, kann es ihm ja auch egal sein, wenn man in sein Natel schaut. Mich stört das jedenfalls nicht.»

Eine andere Leserin kommentiert: «Ich habe in seinem Handy Dinge gesucht und das, was ich gesehen habe, hat nichts Gutes gebracht. Das Misstrauen wurde nur verstärkt und das Schlimme ist: Die gefundenen Informationen können ja gar nicht verwendet werden! Es ist ein Teufelskreis, weil ich nichts sagen kann, mir aber das, was ich gelesen habe, nicht mehr aus dem Kopf geht!»

«Heimlich ins Handy schauen, ist ein radikaler Vertrauensbruch»

Felix Hof ist Psychotherapeut.

Felix Hof ist Psychotherapeut.

Privat

Herr Hof, wieso schaut man heimlich auf das Handy des anderen? Passiert das nur in schlecht laufenden Beziehungen? 
Auf das Handy zu schauen, passiert in Beziehungen aller Art sehr häufig. Der Zugang zu und der Gebrauch von Medien sind das Streitthema schlechthin bei Paaren. Der Griff zum Handy ist häufig Folge von Neugier, Misstrauen, aber auch von Eifersuchtsgefühlen.

Was sagt das über die Person aus, die heimlich schaut?

Personen, die die Intimsphäre bzw. Persönlichkeitssphäre des Gegenübers nicht respektieren können, haben grundsätzlich ein Problem mit Respekt vor der Einzigartigkeit und der Intimsphäre des anderen, und das ist ein grosses Problem.

Hat der Griff zu dem Handy, ausser mit Eifersucht und Misstrauen, vielleicht auch etwas mit zu wenig Selbstvertrauen zu tun? 

Nein. Ich würde es eher mit der Art und Weise, wie die Person im Leben steht, betrachten. Es geht darum, ob man generell akzeptieren kann, dass andere Menschen nicht alles offenbaren und gewisse Dinge für sich behalten wollen.

Kann man von einem Vertrauensmissbrauch sprechen? 

Ja. Keiner hat das Recht darauf, in die persönlichsten Dinge der Partnerin oder des Partners einzudringen. Üblicherweise ist es so, dass die grössten Geheimnisse irgendwo im Handy versteckt werden. Da muss es nicht zwingend darum gehen, dass man die Partnerin oder den Partner hintergeht oder fremdgeht. Es geht hier auch um persönliche Anliegen und intime Geschichten, die man vielleicht mit Freund*innen teilt, aber nicht mit dem Partner oder der Partnerin. Wenn diese Anliegen einfach so geoutet werden, ist das ein radikaler Vertrauensbruch.

Wie sollte man damit umgehen, wenn man fündig wird? 

Sollte man etwas entdecken, das einen nicht loslässt, sollte man es ansprechen – vor allem, wenn es um Fremdgehen geht. Es kommt sicher zu einem Konflikt, weil man Grenzen überschritten hat. Das muss einem bewusst sein. 

Sollte man das Passwort des anderen kennen oder ist das Handy etwas ganz Persönliches? 

Nein, man muss das Passwort des Gegenübers nicht kennen. Das Handy ist etwas Persönliches. Wir müssen unsere Intim- und Geheimnisräume haben und beibehalten können, auch wenn wir in einer Beziehung sind. Wir müssen der anderen Person nicht alles anvertrauen müssen. Wir haben ein Recht auf das, was uns gehört. Der Partner oder die Partnerin darf nicht einfach das Handy nehmen und reinschauen. Wenn das doch stattfindet, ist es eine arge Verletzung der Intimsphäre, eine Grenzüberschreitung und eine Respektlosigkeit gegenüber der anderen Person.

Hast du Fragen zu Beziehung, Liebe oder sexueller Gesundheit?

Hier findest du Hilfe:

Lilli.ch, Onlineberatung

Tschau, Onlineberatung

Feel-ok, Informationen für Jugendliche

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Deine Meinung

79 Kommentare