Basel: «Ich habe Glück, dass ich noch beide Augen habe»
Aktualisiert

Basel«Ich habe Glück, dass ich noch beide Augen habe»

Mehrere Demonstranten wurden am Samstag von Gummigeschossen im Gesicht getroffen. Einer erhebt schwere Vorwürfe an die Polizei, doch diese rechtfertigt sich.

von
jd
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Die Polizei hielt am 24. November im Rahmen der Demonstration gegen Rechtsextreme Reizstoff und Gummigeschosse bereit. Kritisiert wird, dass die Beamten auf die Gesichter der Demonstrierenden gezielt hätten.

Die Polizei hielt am 24. November im Rahmen der Demonstration gegen Rechtsextreme Reizstoff und Gummigeschosse bereit. Kritisiert wird, dass die Beamten auf die Gesichter der Demonstrierenden gezielt hätten.

20 Minuten/las
Nur um Milimeter verfehlte ein Geschoss das Auge von Federico R.

Nur um Milimeter verfehlte ein Geschoss das Auge von Federico R.

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Auf Facebook postete er das Geschoss, das ihn verletzte.

Auf Facebook postete er das Geschoss, das ihn verletzte.

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Als die Demonstration am 24. November beim Basler Messeplatz zu eskalieren drohte, stellte sich Federico R.* schützend vor seine Kollegin. Sekunden später wurde er von einem Gummischrot-Geschoss am Auge getroffen. «Wir waren in der vordersten Reihe, als die ersten Schüsse fielen», erzählt der 34-Jährige. Von der Seite habe ihn ein Polizist im Gesicht getroffen.

«Ich habe Glück, dass ich noch beide Augen habe», sagt er zwei Tage danach. Es sei unverantwortlich, dass die Polizei Verletzte in Kauf genommen habe. Das Projektil, das ihn verletzte, trage er nun bei sich. Als Beweisstück habe er es mit dem Datum versehen und werde bald bei der Polizei vorsprechen. «Dort lasse ich mich beraten, ob es sinnvoll ist, eine Anzeige einzureichen», sagt er.

Polizei setzt Gummigeschosse ein

Die Lage zwischen der Basler Polizei und den Gegendemonstranten eskalierte um vier Uhr. Die Beamten setzten Gummigeschosse ein.

Die Polizei setzt Gummischrot gegen die Gegendemonstranten ein (Video: las)

«Ich bin kein Chaot», stellt der Barkeeper richtig. Mit Politik habe er nicht viel am Hut, doch die Ansichten der Pnos, die an jenem Samstag eine bewilligte Kundgebung abhielt, könne er nicht teilen.

«Auge war riesig, richtig aufgequollen»

Im Rahmen der Demonstration wurde eine weitere Person am Auge verletzt und lag für mehrere Minuten bewusstlos am Boden. «Ich eilte dem Mann zu Hilfe», so Grossrätin Toya Krummenacher (SP). Laut Aussagen seines Umfeldes sei auch er Opfer von Gummischrot geworden, das aus kurzer Distanz und Kopfhöhe abgefeuert wurde. «Sein Auge war riesig, richtig aufgequollen, es sah sehr schlimm aus», so Krummenacher.

Auf Twitter wird der Gummischrot-Einsatz kontrovers diskutiert. Bürgerliche Politiker haben Verständnis für den Mitteleinsatz der Polizei. Diese solle sich wehren können, wenn sie angegriffen werde. «Antifa-Aktivisten verteilen ja selten Handküsse und Rosen», so SVP-Grossrat Joël Thüring.

Die Kritik scheint berechtigt: In der Vergangenheit verlor ein Fussball-Fan sein Augenlicht, weil er als Unbeteiligter während Krawallen in die Schusslinie eines Polizisten geriet.

In Deutschland wird die Munition mittlerweile nur noch in den Bundesländern Hessen und Sachsen eingesetzt. Im Rest der Republik wird darauf verzichtet, da die Verwendung von Gummischrot mit einem zu grossen Risiko einhergeht. Ebenso in Österreich und einem Grossteil Skandinaviens.

Journalist Renato Beck twitterte dazu:

Kommandant erklärt Gummigeschoss-Einsatz

Zu Gummischrot werde erst gegriffen, wenn die Polizei weder mit Dialog noch mit Deeskalation weiterkomme, erklärt Martin Roth, Polizeikommandant Basel-Stadt. «Gummigeschosse haben sich in den Einsätzen der Kantonspolizei Basel-Stadt als am ehesten geeignetes Einsatzmittel erwiesen», so Roth. Alternativen wie zum Beispiel Schlagstöcke seien weniger geeignet.

Es handle sich zudem um ein trügerisches Bild, was das Zielen auf Kopfhöhe anbelange. «Die Polizisten schiessen aufgrund der starken Flugkurve der Gummigeschosse etwas höher, um letztlich Körper und Beine zu treffen», so der Polizeikommandant. Für Aussenstehende sehe es darum so aus, als werde auf Köpfe gezielt. Die Beamten könnten die Flugkurve der Gummigeschosse jedoch sehr wohl einschätzen.

* Name der Redaktion bekannt

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