Aktualisiert 11.03.2020 19:35

Ehefrau von Jeton G.

«Ich habe grosse Angst um Kinder wegen Blutrache»

Das Bezirksgericht Zürich hat Jeton G. wegen vorsätzlicher Tötung zu 16,5 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Ehefrau macht sich grosse Sorgen um ihre Kinder.

von
tam
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Das Register der Vorstrafen von Jeton G. ist lang. Bereits als Jugendlicher wurde er straffällig.

Das Register der Vorstrafen von Jeton G. ist lang. Bereits als Jugendlicher wurde er straffällig.

Am 1. März 2015 soll er an der Wehntalerstrasse in Zürich-Affoltern den Hooligan und Kampfsportler Boris R. von hinten erschossen haben.

Am 1. März 2015 soll er an der Wehntalerstrasse in Zürich-Affoltern den Hooligan und Kampfsportler Boris R. von hinten erschossen haben.

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Die Kantonspolizei Zürich hat nach der Tat erfolgreich nach ihm gefahndet.

Die Kantonspolizei Zürich hat nach der Tat erfolgreich nach ihm gefahndet.

Kapo ZH

Mit einem Luftkuss in Richtung seiner Angehörigen verliess Jeton G.* am Mittwoch den Gerichtssaal des Bezirksgerichts Zürich. Dieses hatte den 36-jährigen Schweizer mit kosovarischen Wurzeln wegen vorsätzlicher Tötung und versuchter Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 16,5 Jahren verurteilt – die Höchststrafe innerhalb des möglichen Rahmens. Jeton G. hatte 2015 den Kampfsportler und Hooligan B.R.* in Zürich-Affoltern erschossen, als dieser bei einem Streit wegrannte.

Das Gericht sagte, dass mehrere Personen glaubhaft ausgesagt hätten, wie Jeton G. gezielt auf die flüchtenden Männer geschossen habe. Es gebe auch keine Anhaltspunkte, dass jemand aus der Gruppe des Opfers eine weitere Waffe mitgeführt und damit geschossen habe. Bei der Tat handle es sich aber nicht um einen Mord: «Eine besondere Skrupellosigkeit ist zu verneinen.» Es sei der Schlusspunkt eines langen Streits, der von beiden Seiten mit harten Bandagen geführt worden sei.

Keine Verwahrung

Das Gericht hat zudem von einer Verwahrung von Jeton G. abgesehen, weil die Voraussetzungen nicht erfüllt sind. Es lasse sich trotz derzeit ungünstiger Prognose nicht feststellen, dass er nach seiner Entlassung erneut schwere Straftaten begehe. «Die lange Freiheitsstrafe räumt ihm die Möglichkeit ein, im Strafvollzug an sich zu arbeiten.»

Die Verteidiger von Jeton G. sagen, dass das Urteil ein erster Schritt in die richtige Richtung sei. Die Strafe sei aber zu hoch. Bereits während der Verhandlung hatten sie angekündigt, den Fall bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg zu bringen.

Vater trug ein rotes Hemd

Eine tiefere Strafe hätte sich auch die Ehefrau von Jeton G. gewünscht: «Es war ein schlechter Tag für mich», sagte sie nach dem Urteil zu 20 Minuten. Was sie aber derzeit stärker beschäftigt, ist das rote Hemd, das der Vater des Opfers B.R. bei der Urteilsverkündung und auch schon an früheren Prozesstagen trug. «Das bedeutet Blutrache. Ich habe wirklich grosse Angst um meine Kinder», so die Ehefrau.

Laut der Anwältin von R.s Vater, Inge Mokry, handelt es sich beim roten Hemd um eine Provokation. Bereits während der Untersuchung vor bald fünf Jahren sei das mit dem roten Hemd und der Blutrache ein Thema gewesen. «Passiert ist bis jetzt nichts. Provozieren heisst nicht ausführen», so Mokry.

Der Vater sei von der Polizei sogar gebeten worden, keine roten Kleider zur Urteilseröffnung zu tragen. «Das liess er sich aber nicht verbieten.» Das Gericht habe beim Urteil das Bestmögliche herausgeholt, findet Mokry. «Ich werde nun versuchen, das meinem Klienten zu vermitteln.»

Auch zwei Mitbeschuldigte verurteilt

Neben Jeton G. wurden auch die beiden Mitbeschuldigten verurteilt. Der Ex-Kollege, der die Waffe von Jeton G. mitnahm, wurde vom Vorwurf der Gehilfenschaft zur Tötung freigesprochen. Der 25-jährige Türke erhält aber wegen anderer Delikte eine teilbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren. Der dritte Beschuldigte kassiert eine bedingte Freiheitsstrafe von zwölf Monaten.

Das Urteil gegen Jeton G. im Überblick

*Name der Redaktion bekannt

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