Reportage: «Ich habe grossen Appetit auf Sex»
Aktualisiert

Reportage«Ich habe grossen Appetit auf Sex»

Sasha Grey, 22, ist Pornostar. Und Schauspielerin. Und Model. Und Musikerin. Und Regisseurin. Und noch ganz viel mehr.

von
Martin Fischer
«Ich bin einfach eine junge Frau, die geniesst, was sie tut»: Sasha Grey.

«Ich bin einfach eine junge Frau, die geniesst, was sie tut»: Sasha Grey.

Sasha, kaum warst du 18, bist du nach L.A. gezogen, um Pornostar zu werden. Wie bist du auf diese Idee gekommen?

In erster Linie wollte ich meine Sexualität erkunden und mehr ausschöpfen. Ich habe grossen Appetit auf Sex. Mein Ziel war es aber auch, ein bisschen Kreativität in die Pornoindustrie zu bringen.

Klingt sehr harmlos.

Ist es! Ich will die Leute inspirieren und dazu ermu­tigen, sich nicht für ihre Sexualität zu schämen.

Geht es nicht um Geld und Berühmtsein?

Nein.

Und wie wird man Pornodarstellerin?

Geht man da zu Castings, wo man sich nackt ausziehen muss?

Nein. Zuerst habe ich mir einen Agenten gesucht und gefunden. Und der bucht für mich bei renommierten Firmen Szenen für bestimmte Produktionen.

In den ersten sechs Monaten in der Branche hast du beinahe 80 Filme gedreht.

80 Filme klingt nach viel. Aber in den meisten Produktionen bin ich ja nur in einzelnen Szenen dabei. Diese werden so in drei bis vier Stunden gedreht.

Wurde dir das nie zu viel?

Ich geniesse es wirklich, vor der Kamera zu performen. Problematisch war das eigentlich nur für mein privates Sexleben.

Wieso?

Ich musste mir den Sex abseits vom Set richtig einteilen. Damit ich genug Energie für meinen nächsten Job hatte.

Und wie ist so ein Drehtag? Nervt das nicht, wenn beim Sex dauernd jemand ruft: «Stop! Schnitt! Nochmal!»?

Das ganze Starten, Stoppen und Von-vorn-Beginnen gehört halt dazu. Das ist aber sehr unterschiedlich, je nach Regisseur oder Kameramann.

Wie unterscheidet sich für dich Sex auf und neben dem Set?

Zu Hause ist Sex spontan. Bei einem Dreh ist alles geplant.

Inzwischen bist du immer häufiger ausserhalb der Porno­szene zu sehen.

Ja. Ich habe meine eigene Firma, führe Regie, schreibe, mache Musik und arbeite als Model und Schauspielerin.

Wie sieht ein Durchschnittstag bei dir aus?

Mir geht es um Abwechslung und Veränderung, ich brauche das. So dreht sich mein Alltagsleben niemals nur um ein Ding oder ein Business.

Letztes Jahr hast du mit Oscar-Preisträger Steven Soderbergh gedreht. Willst du nach Hollywood? Ist es bald vorbei mit Pornos?

Ich fühle mich einfach als eine junge Frau, die geniesst, was sie tut, und gleichzeitig eine Ahnung hat, wie man Geschäfte macht. Ich nehme das Tag für Tag. Ich könnte mich nie für ein Ding entscheiden und dieses dann für den Rest meines Lebens machen.

Pornos sind sehr alltäglich und Teil des Mainstreams geworden. Ein Problem?

Bevor es das Internet gab, haben sich die Teenies Sexheftli rumgereicht. Dann Videokassetten, dann DVDs. Worum es bei dieser Diskussion eigentlich wirklich geht, sind die Eltern.

Die Eltern?

Die können dafür sorgen, dass ihre Kinder sexuell richtig erzogen werden. Und sie müssen kontrollieren, was die Kids online alles angucken können.

Was wist du in fünf Jahren machen?

Ich hoffe, dass es dann meine Porno-Produktionsfirma immer noch geben wird. Dann möchte ich ein eigenes Haus etwas ausserhalb von L.A. und weiterhin schreiben, Regie führen und Musik machen. Und wenn möglich ein paar

Indie-Filmchen produzieren.

Sasha macht alles

Sasha Grey wuchs in Sac­ramento auf. Mit 18 zog sie nach L.A. Bis heute hat sie in über 180 Pornos mitgespielt. 2009 gab sie ihr Kino-Debüt in Soderberghs «The Girlfriend Experience». Sie modelte für American Apparel und Peta und spielte in Clips der Smashing Pumpkins und The Roots mit. 2010 hat sie schon die Indie-Filme «Life» und «Kayla Crow» gedreht. Eben erschien ihr Porno «Malice in ­Lalaland». Am 27. April kommt das Album «A Cassette Tape Culture» ihrer Band Atele­cine heraus. Ausserdem ­arbeitet sie an einem «Sex-Philosophie-Foto-Buch». Und Sasha liebt Twitter.

Deine Meinung