Rücktritt von Gigi Oeri: «Ich habe jede Sekunde beim FCB genossen»
Aktualisiert

Rücktritt von Gigi Oeri«Ich habe jede Sekunde beim FCB genossen»

Gesundheitliche Gründe haben Gigi Oeri zum Rücktritt als FCB-Präsidentin bewegt. Was ihr bleibt, ist eine Saisonkarte und schöne Momente für die Erinnerung.

von
Eva Tedesco

Als Präsidentin der «Stiftung Nachwuchs-Campus Basel» und im Präsidium der sozialen Stiftung «Scort» bleibt die Milliardärin dem FCB erhalten. Zudem wird sie mit einer Saisonkarte ausgestattet und deshalb auch an den Spielen des FCB anzutreffen sein, wie sie anfügte. «Nur nicht am Ehrentisch der ehemaligen Präsidenten», bat sie ihren Nachfolger Bernhard Heusler. Lieber behalte sie ihren Platz bei «ihren» Leuten aus der Geschäftsstelle.

«Aufhören wenn es an schönsten ist»

Die Entscheidung zu ihrem bevorstehenden Rücktritt nach zwölf Jahren beim FCB sei ihr nicht leicht gefallen. «Gesundheitliche Gründe haben mich aber bewogen, den Schritt zu machen. Sie haben es mir unmöglich gemacht, so aufzutreten, wie ich meine Aufgaben gerne wahrgenommen hätte.» Und fügt an: «Ausserdem, sagt man, soll man aufhören, wenn es am schönsten ist. Der Klub ist hervorragend aufgestellt und irgendwann muss man ja einen Schlussstrich ziehen.» Gleichzeitig beteuerte Oeri aber, dass «jeder Rappen, den sie in den FCB investiert hat, im FCB bleibt. Daran wird sich nicht ändern». Als Fallschirm in Krisenzeiten und zur Deckung der Defizite, wie sie es bisher gehandhabt hat, steht die Frau von Andreas Oeri, einem Erben der Basler Pharmagruppe Hoffmann-La Roche, nicht mehr zur Verfügung. «Die Nachwuchsabteilung wird in den nächsten Jahren auch noch viel Geld brauchen», so Oeri, die mit der Eröffnung des neuen Campus den Verein aber so auch finanziell entlastet.

Diese Sicherheit, in der sich der FCB in den letzten 12 Jahren wiegen konnte, auszutarieren, darin liegt die grosse Herausforderung für den designierten Präsidenten Bernhard Heusler. Der Basler Wirtschaftsanwalt: «Wir wollen sicherstellen, dass der FC Basel so erhalten bleibt, aber davon wegkommen, dass man total vom sportlichen Erfolg abhängig ist.» Dass dieses Vorhaben einer Gratwanderung gleicht, ist dem bisherigen Vize-Präsidenten sehr wohl bewusst. «Die Sicherheit bleibt der Schlüssel zur Nachhaltigkeit.» Das unterscheide den FCB von den anderen Klubs in der Super League.

Erfolgreiche Zeiten unter Oeri

Oeri war 1999 in den Vorstand der Bebbi eingetreten. Nach dem Abgang des damaligen Sportchefs Roger Hegi leitete die Deutsche zusammen mit Christian Gross Seite an Seite die sportlichen Geschicke des FCB. Drei Meistertitel (2002, 04, 05), zwei Cupsiege (2002 und 03), magische Nächte in der Champions League (2002) und spannende Spiele im Uefa Cup, wo der FCB zum Beispiel 2006 erst im Viertelfinal ausgeschieden war, gehen auf diese Ära zurück. 2006 trat Oeri schliesslich die Nachfolge von Werner Edelmann an und blieb auch als Präsidentin mit den Rotblauen erfolgreich. Es kamen drei weitere Meister- (2008, 10, 11) und Cuptitel (2007, 08 und 10) sowie regelmässige Europacup-Auftritte dazu.

Aber auch neben dem Fussball war und ist die Milliardärsgattin immer aktiv. Sie nennt in Basel ein Puppenhaus-Museum ihr Eigen und ist im Besitz des Wirtepatents. Ihre Flugangst hat Oeri bekämpft, indem sie den Pilotenschein gemacht hat und so ihren Privatjet oder einen Helikopter selber fliegen kann. Ihren Jet bezeichnet Oeri auch als ihren einzigen Luxus, den sie sich leistet – allein wegen der Zeit, die sie so gewinnt. 2005 stieg sie vorübergehend ins Filmgeschäft ein und beteiligte sich an der Produktion der Verfilmung ihres Lieblingsbuches «Das Parfum» von Patrick Süskind.

Keine Freundin der Fussball-Berater

Rückblickend habe sie «jede Sekunde beim FCB genossen», aber als Highlight nennt die abtretende Chefin das Remis gegen Liverpool im September 2002, das die Türe zur Zwischenrunde in der Champions League öffnete. Als das Mühsamste im Fussballgeschäft tat sie kurz und knapp die Berater ab. «Sie sind die Crux im Geschäft», so Oeri, «es sind zu viele, die zu viel verdienen wollen.» Sie hat es nie bereut beim FCB eingestiegen zu sein. Eines ihrer Lebensmotti , hat sie einst im Interview verraten, lautet: «Ich bereue lieber etwas, das ich gemacht habe, als etwas, das ich nicht gemacht habe.» Sicher nie bereut hat Oeri ihre Tauchaktion im Whirlpool nach dem Gewinn des ersten Cups 2002 und die Bilder – Oeri im rotblauen Ganzkörper-Neopren mit Taucherbrille -, die die Medien noch heute gerne verwenden. «Diese Aktion entsprang einer Wette, die ich eingelöst habe - und ich bin es gewohnt, Wetteinsätze einzulösen.»

In Heusler habe sie einen Nachfolger, der den Kurs des FCB in den letzten Jahren mitbestimmt habe und damit die Kontinuität wahre. Und über diese Lösung ist Oeri glücklich. Ende 2011 tritt sie zurück – im sicheren Wissen, einen stabilen, gesunden Verein zu hinterlassen.

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