Hilfe im Ernstfall: «Ich habe keine Ahnung, was ich da mache»
Aktualisiert

Hilfe im Ernstfall«Ich habe keine Ahnung, was ich da mache»

Nur knapp jeder zehnte Schweizer weiss, was bei Erster Hilfe zu tun ist. 20 Minuten wollte wissen, wie schlecht es tatsächlich um die Kenntnisse steht – und machte die Probe aufs Exempel.

von
D. Sutter

An einer speziellen Puppe zeigten Passanten, wie sie Erste Hilfe leisten würden. <i>(Video: Debby Galka und Marco Bauer)</i>

Wer bei BLS lediglich an die «Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn» denkt, ist punkto Erste Hilfe nicht auf dem neusten Stand. Sowieso steht es um das Wissen rund um Mund-zu-Mund-Beatmung oder Herz-Massage der Schweizer miserabel: Nicht einmal jeder Zehnte könnte im Ernstfall eine Herz-Lunge-Wiederbelebung korrekt durchführen.

20 Minuten wollte es genauer wissen und testete zusammen mit Experten des Samaritervereins die Erste-Hilfe-Skills von Passanten. Die 21-jährige Michèle aus Wil schritt beherzt zur Tat, um unseren Dummy «Little Anne» nach einem Erstickungsanfall wiederzubeleben. «Ich habe eigentlich keine Ahnung, was ich da mache», sagt die Grafikerin und drückt zögerlich an der Puppe herum. Der Samariter Björn Kuratli greift ein. «Erst einmal müssen Sie der Puppe den Pullover ausziehen, sonst sehen Sie nicht, was sie tun. Und dann pressen sie richtig fest mit beiden Händen aufs Brustbein - nur so wird das Herz mit Sauerstoff versorgt.» Korrekt seien 30 Thoraxkompressionen gefolgt von zwei Beatmungsstössen. «Dabei muss man darauf achten, dass man entweder den Mund zuhält und durch die Nase Luft gibt, oder umgekehrt – sonst gelangt die Luft gar nicht in die Lungen», so Kuratli.

«Alles ist besser, als nichts zu tun»

Zivodar Krunic (77) aus Dietikon ist mit seiner Frau auf Shoppingtour.«Wenn sie jetzt zusammenbrechen würde, wüsste ich ehrlich gesagt nicht, was tun.» Krunic wagt sich dennoch an «Little Anne» – obwohl er noch nie einen Erste-Hilfe-Kurs besucht habe. «Dafür macht er das gar nicht so schlecht», lautet Kuratlis Urteil. Auf die Frage, ob Krunic mit seiner Behandlung das Leben seiner Frau im Ernstfall hätte retten können, meint Kuratli: «Alles ist besser, als nichts zu tun.» Doris Keller (40) übt derweil mit ihrer 15-jährigen Tochter Jessica die Bewusstlosenlagerung. «Obwohl ich Krankenschwester gelernt hatte, weiss ich vieles nicht mehr – das ist mir schon etwas peinlich.» Sie habe damals noch das so genannte GABI gelernt.

GABI und ABC veraltet – neu heisst es BLS

Der Samariter Kuratli klärt auf: «Heute lehren wir das BLS-System. Das steht für Basic Life Support, ausserdem bringen wir den Leuten in unseren Kursen auch bei, wie man einen Defibrillator bedient.» Basic Life Support stehe für die sofortige Wiederbelebung, also die Herzmassage mit 30 Stössen sowie das zweimalige Luftgeben.

Samariter Björn Kuratli erklärt im Video, wie die Bewusstlosenlage richtig gemacht wird:

Deine Meinung