Basler Sensationsfund: «Ich habe keine Angst vor einem Pharaonen-Fluch»
Aktualisiert

Basler Sensationsfund«Ich habe keine Angst vor einem Pharaonen-Fluch»

Susanne Bickel und ihr Team von der Uni Basel haben im Tal der Könige eine Totenstadt entdeckt. Der Fund gilt als Sensation – auch wenn Grabräuber schon lange zugeschlagen haben.

von
B. Rosch

Es ist der Sechser im Lotto für jeden Archäologen. Forscher der Universität Basel haben im weltberühmten Tal der Könige in Ägypten fast 50 Mumien entdeckt – in einem Grab, das zwar schon lange bekannt, aber noch nie untersucht wurde. «Unter den Begrabenen sind zahlreiche Prinzen und Prinzessinnen, deren Namen bisher wohl noch unbekannt waren», sagt Susanne Bickel, Archäologin und Professorin an der Uni Basel.

Der bei einer gemeinsamen Ausgrabungskampagne mit Forschern der Universität Basel gemachte Fund sei vor allem deshalb bemerkenswert, weil er sich im eigentlich gut erforschten Tal der Könige ereignet habe und dabei die Namen wohl noch unbekannter Prinzessinnen gefunden worden seien.

Neben hölzernen Sakrophagen wurden in der Grabstätte auch Totenmasken und Kanopengefässe gefunden, in denen die inneren Organe der Toten nach deren Mumifizierung aufbewahrt wurden. Die Forscher konnten bei der Untersuchung der Inschriften etwa 30 Tote identifizieren. Dabei handelt es sich zumeist um Familienmitglieder der beiden Pharaonen Thutmosis IV. und Amenhotep III., die im 14. Jahrhundert vor Christus regierten.

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Unter den Beigesetzten befinden sich auch mindestens acht bisher unbekannte Königstöchter, vier Prinzen und einige «Ausländerinnen», wie die Inschriften schliessen lassen. Bei den meisten handelt es sich um Erwachsene, doch auch Kinder wurden beigesetzt: «Wir fanden auffallend viele aufwendig mumifizierte Neugeborene und Kleinkinder, die sonst eher einfach bestattet wurden», sagt die Basler Ägyptologin. «Wir vermuten, dass die Mitglieder des königlichen Haushalts über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten in diesem Grab beigesetzt worden sind.»

«Drücken Sie mir die Daumen»

Auch Schätze, wie man sie vom sagenumwobenen Pharao Tutanchamun kennt, werden wohl als Grabbeigaben dort gelegen haben. «Die Grabstätte muss, so unsere Theorie, aber mehrmals Opfer von Räubern geworden sein.» Und zwar in der Antike, aber auch im 19. und frühen 20. Jahrhundert, so Bickel. Wissenschaftlich interessanter seien aber ohnehin die Inschriften, mit denen nun viel über die Geschichte des Tals der Könige ermittelt werden könne.

Für die Basler Forscher ist das ein Glücksfall. «Nun werden wir DNA- Analysen durchführen, wenn das möglich ist», sagt Bickel. Die überaus prunkvollen Särge, die allerdings in viele Einzelteile zersplittert seien, würden zudem rekonstruiert. Die Frage nach dem Pharaonenfluch beantwortet sie lachend: «Nein, Angst habe ich nicht – aber drücken Sie mir die Daumen.»

Einblick in die Geschichte

Die Identifizierung von Personen, die in der Umgebung der Königsgräber bestattet wurden, gibt dem Forscherteam Aufschluss darüber, wer das Privileg hatte, so nahe beim Pharao das ewige Leben zu verbringen.

«Die Funde und auch die Wände sind von einem Grossbrand stark verrusst, der wohl durch die Fackeln der Grabräuber ausgelöst wurde», vermutet Susanne Bickel. Die Fragmente von verschiedenen Holz- und Kartonagesärgen zeigen, dass die Grabanlage nach der Aufgabe des Tals als Pharaonennekropole noch einmal genutzt wurde, diesmal als letzte Ruhestätte für Angehörige von Priesterfamilien im 9. Jahrhundert vor Christus.

Weitere Untersuchungen sollen nun genaueren Aufschluss über die Zusammensetzung und die Lebensbedingungen des pharaonischen Hofstaats der 18. Dynastie und dessen Bestattungssitten liefern.

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