23.07.2020 19:02

Mutmasslicher Mafioso in Muri AG

«Ich habe M. G. als sympathisch und menschlich erlebt»

M. G. ist der Wirt der Pizzeria in Muri AG, die mittlerweile als Mafia-Drehscheibe gilt. Ein Anwohner der Aargauer Gemeinde kann das kaum fassen.

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Seit Jahren führt M. G. eine Pizzeria in der Aargauer Gemeinde Muri. Mittlerweile gilt das Restaurant laut CH Media als unscheinbare Mafia-Drehscheibe.

Seit Jahren führt M. G. eine Pizzeria in der Aargauer Gemeinde Muri. Mittlerweile gilt das Restaurant laut CH Media als unscheinbare Mafia-Drehscheibe.

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Er soll italienischer Staatsangehöriger sein und aus der Gemeinde Filadelfia in der kalabrischen Provinz Vibo Valentia stammen.

Er soll italienischer Staatsangehöriger sein und aus der Gemeinde Filadelfia in der kalabrischen Provinz Vibo Valentia stammen.

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Wie ein Anwohner aus Muri, der anonym bleiben möchte, gegenüber 20 Minuten sagt, habe G. ein unauffälliges Leben geführt: «Ich hatte nie einen Verdacht. Mich hat das Ganze dermassen schockiert, dass ich seitdem schlaflose Nächte habe.»

Wie ein Anwohner aus Muri, der anonym bleiben möchte, gegenüber 20 Minuten sagt, habe G. ein unauffälliges Leben geführt: «Ich hatte nie einen Verdacht. Mich hat das Ganze dermassen schockiert, dass ich seitdem schlaflose Nächte habe.»

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Darum gehts

  • 700 Beamte beteiligten sich an der grossangelegten Aktion gegen die kalabresische Mafiaorganisation ‘Ndrangheta.
  • Im Zentrum der grossangelegten Polizeiaktion steht eine Pizzeria in Muri AG und deren Wirt.
  • Ein Anwohner zeigt sich schockiert.

Bei einer Razzia gegen die ’Ndrangheta wurden 75 Personen festgenommen, 6 davon in der Schweiz. Als unscheinbare Mafia-Drehscheibe gilt laut CH Media mittlerweile eine Pizzeria in Muri AG. Das Restaurant führt seit Jahren M. G.* Der Wirt und angebliche Inhaber soll italienischer Staatsangehöriger sein und aus der Gemeinde Filadelfia in der kalabrischen Provinz Vibo Valentia stammen.

Wie ein Anwohner aus Muri, der anonym bleiben möchte, gegenüber 20 Minuten sagt, sei G. nie negativ aufgefallen: «Ich hatte nie einen Verdacht. Mich hat das Ganze dermassen schockiert, dass ich seitdem schlaflose Nächte habe.»

Mehrere Profile auf Facebook

Er sei oft in der Pizzeria von G. zu Gast gewesen. «Während des Lockdown haben wir sogar mehrmals in der Woche das Essen dort geholt.» Dabei habe er den Wirt und dessen Familie als «sehr sympathisch erlebt», wie er sagt. «Das ist unfassbar. Es passt einfach nicht zusammen. Sie waren doch so fleissig und haben immer viel gearbeitet.» Die Frau von G. habe sogar im Service gearbeitet, als die drei gemeinsamen Kinder noch ganz klein gewesen seien, sagt der Anwohner.

Den Wirt habe er als «fair, freundlich und menschlich» erlebt: «Auf Facebook hat er sich für Schwächere eingesetzt und unter anderem Misshandlungen von Kindern oder Tierquälerei aufs Übelste verurteilt.»

Dass er ein Ferrari-Fan ist, sei im Ort aber kein Geheimnis gewesen. «Es hatte vor der Pizzeria oft teure Autos. Aber ich dachte mir, vielleicht ist das einfach ein Treffen von Autofans», sagt der Anwohner. Das Einzige, was ihn etwas stutzig machte, war: «Letztes Jahr hat seine Frau eine goldene Rolex mit Diamanten bekommen. Die war sicher sehr teuer.»

Auf Facebook hat G. gleich mehrere Konten, die teilweise frei zugänglich sind. Dort postet er immer wieder Fotos von teuren Autos. Auch Bilder von seiner Pizzeria, Gästen und Bekannten lädt er regelmässig hoch. Auf einem Facebook-Profil hat er sogar knapp 5000 Freunde.

Mafia-Aktion in der Schweiz

Im Einsatz standen Kräfte der Bundesanwaltschaft (BA), der Bundespolizei sowie Polizistinnen und Polizisten der kantonalen Polizeikorps. Hausdurchsuchungen führten die Ermittlungsbehörden in den Kantonen Aargau, Solothurn, Zug und Tessin durch. In den Wohn- und Geschäftsräumen stellten die Beamten zahlreiche Beweismittel sicher, darunter Waffen, Munition und Bargeld.

Den 74 in Italien verhafteten Personen werden Drogenhandel, Geldwäscherei, Korruption und andere Verbrechen zur Last gelegt. Daneben konfiszierten die Behörden Waren im Wert von 169 Millionen Euro, wie die Nachrichtenagentur Ansa meldete. An der Aktion beteiligt sind rund 700 Beamte. Die Festgenommenen gehören gemäss den Angaben zu kalabrischen Familien, die im Bereich der organisierten Kriminalität tätig sein sollen. Sie stammen aus der Gegend von Lamezia Terme und der Provinz Vibo Valentia.

*Name der Redaktion bekannt

(20 Minuten, SDA)

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