3 mit Drama: «Ich habe meine beste Freundin bei ihrer Abtreibung begleitet»

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3 mit Drama«Ich habe meine beste Freundin bei ihrer Abtreibung begleitet»

Kein Mann. Kein Geld. Kein Mama-Bedürfnis: Als Ellas Freundin Juno ungewollt schwanger wird, ist ihr sofort klar, dass sie die Schwangerschaft abbrechen will. Ella begleitet sie.

von
Ella
Zora Schaad
Meret Steiger
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Ellas beste Freundin Juno ist ungewollt schwanger. Ella begleitet sie zur Frauenärztin.

Ellas beste Freundin Juno ist ungewollt schwanger. Ella begleitet sie zur Frauenärztin.

Getty Images

Darum gehts

  • Ellas beste Freundin Juno hat ein Problem: Sie ist ungewollt schwanger.

  • Sie will das Kind nicht, da ihr Leben nicht auf einem stabilen Fundament steht.

  • Ella begleitet ihre beste Freundin zur Frauenärztin und steht ihr bei.

«Chkörblweissnödpfschhääschluchzhschwanger!» Ich verstand zuerst kein Wort von dem, was Juno mir am Telefon sagen wollte. Sie weinte heftig, schnäuzte sich. Dann erklärte sie mir, dass sie soeben einen Schwangerschaftstest gemacht habe, der positiv ausgefallen sei. Und dass sie auf keinen Fall ein Baby wolle. Nicht jetzt, wo sie sich grad so von Job zu Job angle und kaum Stutz habe. Nicht mit diesem Mann, den sie sich überhaupt nicht als festen Partner vorstellen könne. Und dass sie ja noch nicht mal wisse, ob sie überhaupt je Kinder wolle. Ich verstand sie. «Your body, your choice», sagte ich. Was waren wir beide froh, dass wir in einem Land lebten, in dem Schwangerschaftsabbrüche erlaubt sind.

«Ich habe solche Angst, Ella», sagte Juno. «Vor den Blutungen. Vor den Schmerzen. Und auch, dass ich es später vielleicht bereue. Aber ich habe noch viel mehr Angst davor, ein Kind zu bekommen und ein Leben zu beginnen, das weder für das Kleine noch für mich auf einem auch nur halbwegs stabilen Fundament steht.» «Ich begleite dich, Juno. Egal, wie du dich entscheidest: Wir stehen das zusammen durch», sagte ich. Wie gerne hätte ich sie in diesem Augenblick umarmt.

«Eine schwarze Erbse im Schneesturm»

Wenige Tage später sassen wir bei einer Frauenärztin. Einer netten, einfühlsamen Frau, die viele Fragen stellte, aber Juno keine Sekunde verurteilte. «Ich muss sicher sein, dass Sie ganz klar wünschen, diese Schwangerschaft abzubrechen.» Juno nickte. Die Ärztin führte eine Ultraschallsonde in ihre Vagina. «Wollen Sie die Fruchtblase sehen?» Juno winkte ab und die Ärztin drehte den Monitor zur Seite. Ich sah kurz hin. Eine schwarze Erbse in einem Schneesturm. «Hier haben wir den Herzschlag», sagte die Ärztin. Aus dem Augenwinkel nahm ich wahr, wie Juno leer schluckte. Die Ärztin stellte das Gerät ab.

«Sie sind erst in der sechsten Woche. Das ist gut, wir können die Schwangerschaft medikamentös beenden. Die Erfolgsrate liegt dabei bei etwa 95 Prozent.» Nachdem sich Juno angezogen hatte, erklärte die Ärztin ausführlich die Behandlung, die mit zwei unterschiedlichen Medikamenten erfolgen werde, informierte über mögliche Risiken und Nebenwirkungen. Auch ein Vortrag darüber, wie Juno in Zukunft sicherer verhüten könne, gehörte dazu. Dann reichte sie ihr ein Aufklärungsformular. «Nachdem Sie hier unterschrieben haben, erhalten Sie von mir das erste Medikament. Lassen Sie sich Zeit, das muss nicht heute sein.»

«Ich hatte Essen und ein Pack extradicke Binden eingepackt»

Doch Juno war sich sicher. «Mein Unterleib zieht, alles riecht so intensiv. Ich kann kaum mehr Tram fahren, weil es überall nach Schweiss stinkt. Meine Brüste fühlen sich anders an. Mein Körper spult einfach sein Fortpflanzungsprogramm ab. Aber ich will das nicht. Keinen einzigen Tag will ich länger warten.» Mit einem grossen Schluck Wasser spülte Juno die Tablette runter. Mit dem zweiten Medikament in der Tasche und weiteren Tabletten gegen die Nebenwirkungen verliessen wir die Praxis und setzten uns an den Fluss. Juno war traurig, aber gefasst. Vor allem aber erleichtert. Die Übelkeit sei gut auszuhalten. Doch der härteste Teil stand ihr noch bevor.

Am nächsten Tag ging ich zu Juno. Nachdem das erste Medikament dafür gesorgt hatte, die Nahrungszufuhr zum Embryo zu unterbrechen und die Entwicklung der Schwangerschaft zu stoppen, sollte das zweite Präparat nun starke Kontraktionen der Gebärmutter auslösen und zum Ausstossen der Fruchtblase und der Plazenta führen. Ich hatte Essen und ein Pack extradicke Binden eingepackt, ausserdem meine Bettflasche, die mich seit meiner Kindheit begleitete.

«Das ist wohl die Kindergartenstufe von Geburtswehen»

Juno war deutlich weniger relaxt als am Vortag, aber Zweifel hatte sie keine. Entschlossen führte sie die Tablette in ihre Vagina ein. Kurz darauf begannen die Krämpfe und die Blutungen. Ich versuchte, Juno abzulenken, erzählte von Marco und Ellinchen und dass uns bald eine «People»-Journalistin besuchen wollte, um eine Homestory über «Bruces wildes WG-Leben» zu schreiben. Juno hörte kaum zu, sie war wie im Film. Alle fünfzehn Minuten ging sie ins Bad und wechselte die Binde. Sie waren getränkt mit Blut und kleinen Gewebestückchen. Ein trauriger Anblick. Die Binde mit den grössten Gewebestücklein wickelte Juno in ihr Lieblingsshirt. Wir überlegten, das Päckli mit einem kleinen Ritual später im Wald zu vergraben.

Trotz Schmerzmitteln litt Juno. «Das ist wohl die Kindergartenstufe von Geburtswehen», meinte sie. Und auch, dass es gut sei, dass sie das so bewusst erlebe, trotz der ganzen Schmerzen. «Ich bin traurig um dieses Kindlein, das ich nun nie kennen lernen werde. Traurig um alles, was ich verpasse. Ich wünschte, ich hätte diese Entscheidung nie treffen müssen. Und trotzdem bin ich sicher, dass ich das Richtige tue.»

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3 mit Drama

Ella, Lars und Bruce heissen in Wirklichkeit gar nicht so und auch einige Angaben sind geändert. Was aber stimmt: ihr Shit mit dem Herz. Die drei Besties teilen Küche, Klatsch und Kummer. Mit sich – und mit euch. Eigentlich auf der Suche nach dem Perfect Other stolpern sie allzu oft über stalkende Exen, prickelnde Tensions – vor allem aber über sich selbst. Läuft bei uns! 20 Minuten erzählen sie exklusiv von ihrem Love Struggle. 

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Hier findest du Hilfe:

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Appella, Telefon- und Onlineberatung

Fachstelle Kindsverlust, Beratung während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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