Amina Caliente - «Ich habe meinen Eltern bis heute nie von meiner Pornokarriere erzählt»
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Mit 20 Jahren angefangen«Ich habe meinen Eltern bis heute nie von meiner Pornokarriere erzählt»

Amina (26) arbeitet seitdem sie 20 Jahre alt ist als Pornodarstellerin. Mit 20 Minuten spricht die Zürcherin über ihre Berufswahl.

von
Meret Steiger
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Die 26-jährige Zürcherin Amina arbeitet als Camgirl und Pornodarstellerin.

Die 26-jährige Zürcherin Amina arbeitet als Camgirl und Pornodarstellerin.

Amina Caliente
Im Interview mit 20 Minuten verrät sie, ob ihr diese Arbeit Spass macht – und was ihre Familie davon hält.

Im Interview mit 20 Minuten verrät sie, ob ihr diese Arbeit Spass macht – und was ihre Familie davon hält.

Amina Caliente

Darum gehts:

  • Amina Caliente ist 26 Jahre alt und arbeitet als Camgirl und Pornodarstellerin.

  • Die Zürcherin arbeitet seit sechs Jahren in der Erotik-Branche.

  • Im Interview mit 20 Minuten verrät die junge Frau, ob Corona ihr Geschäft angekurbelt hat und ob ihre Orgasmen wirklich echt sind.

Amina, du arbeitest als Pornodarstellerin, Camgirl und erotisches Werbemodel. Wie ist es dazu gekommen?

Eine Kollegin hatte mir erzählt, dass man ohne grossen Zeitaufwand viel verdienen kann – und das ohne persönliche sexuelle Dienstleistungen. Das fand ich natürlich interessant. Mitte 2016 habe ich zum ersten Mal als Camgirl gearbeitet, es war eigentlich nur ein Testlauf. Doch die Rückmeldungen waren so überraschend gut, dass ich 2017 in die Branche einstieg und meinen langweiligen Job als Rezeptionistin kündigte.

Wissen deine Familie, Freunde und Freundinnen von deinem Job? Wie hast du es ihnen gesagt?

Jein. Im Gegensatz zu meinen Freunden und Freundinnen, habe ich es meiner Familie nie so richtig im Detail erklärt. Das Interview hier ist also quasi mein Outing. Sie wissen, in welcher Business-Sparte ich mich bewege, aber näher wollen sie es wohl gar nicht wissen. Mein Freundeskreis dagegen ist sehr offen und die Kollegin, die mir zu diesem Job geraten hat, arbeitet auch in der Pornoindustrie – dort ist es also fast normal.

Macht dir deine Arbeit Spass?

Ich kann keineswegs klagen. Ich wollte immer schon meine eigene Chefin sein und nicht den ganzen Tag Anweisungen befolgen müssen. Am liebsten habe ich die Castings für Pornodrehs, die sind ziemlich amüsant: Manchmal stimmen die Menschen vor Ort nicht mit ihren Bewerbungen überein, sprich es wird geschummelt, was das Zeug hält. Der angebliche Adonis ist nicht wiederzuerkennen, da sein Foto wohl zehn Jahre alt ist. Und der, der behauptet, super viel Porno-Erfahrung zu haben, spritzt schon ab, bevor es überhaupt zur Sache geht.

Welchen Teil deiner Arbeit magst du nicht?

Weniger gern hab ich, wenn eine Szene mehrere Male gedreht werden muss, da vergeht mir die Lust am weitermachen. Die Job-Anfragen zu beantworten ist auch mega zeitraubend. Denn letztlich resultiert im Schnitt aus nur einer von zehn Anfragen ein echter Auftrag. Der allergrösste Teil meiner Messages kommt von Fans, die mit allen möglichen Mitteln ein reales Treffen erzielen wollen – und sich dafür manchmal sogar als Pornoproduzenten ausgeben. Ganz am Anfang bin ich mal auf einen solchen Fan hereingefallen: Er hat mich mit einer hohen Provision zu einem persönlichen Treffen gelockt. Dort hat sich dann rausgestellt, dass er ein verheirateter Arzt war, der mich als Geliebte wollte.

Wo ist deine persönliche Grenze, was würdest du nicht tun?

Alles, was in die Toilette gehört, ist nicht mein Ding. Zudem hatte ich mal eine Dreh-Anfrage, wo ich eine minderjährige Schülerin darstellen sollte. Die habe ich sofort abgelehnt. Ich setze zwar männliche Fantasien in Videos oder Fotos um und verkaufe die, aber ich möchte die Fantasie über Sex mit Minderjährigen auf keinen Fall unterstützen. Mir wird auch immer wieder viel Geld für echte Sextreffen geboten. Ich hätte bei sowas aber gar kein gutes Gefühl und sehe deswegen ganz klar davon ab.

Hat Corona dein Geschäft angekurbelt?

Ja, aber vor allem am Anfang der Pandemie. Da gab es eine Phase, in der käuflicher Sex nicht mehr möglich war, was dazu geführt hat, dass die Livecams plötzlich sehr viel gefragter waren. Für diejenigen, die sonst für Sex bezahlen, ist so ein Livevideo aber nicht vollumfänglich befriedigend, das Interesse hat schnell wieder nachgelassen.

Was machst du in den Livecams? Was sind da die ausgefallensten Wünsche?

Gegen Bezahlung ziehe ich mich vor der Webcam aus und gewähre dabei tiefe Einblicke oder ich masturbiere vor den Zuschauern. Ehrlich gesagt sind die Wünsche ziemlich normal, hauptsächlich sehen und geniessen.

Hast du dabei auch echte Orgasmen oder sind die alle gespielt?

Bei einer längeren Session vor der Livecam komme ich durchaus zum Orgasmus.

Was hältst du von Onlyfans?

Dank der Medienberichte gibt es dort hohe Besucherzahlen, aber auch zu viel Konkurrenz, was zu einem enormen Preisdruck führt. Ich denke, das ist eher etwas für weibliche Promis, die sich ihren Fans auch mal nackt oder in erotischen Posen zeigen wollen.

Was ist deiner Meinung nach ein fairer Preis für einen Porno?

Kommt immer auf die Länge an, aber auch ein kurzer Porno sollte einem mindestens 20 Franken wert sein.

Welchen Stellenwert hat Sex für dich in deinem Privatleben?

Den gleichen wie vor meiner Karriere im Pornobusiness. Bei einem Pornodreh bin ich Schauspielerin und konzentriere mich hauptsächlich auf die Kamera, dieser Sex kann also keineswegs mit dem in einer Beziehung verglichen werden. Auch trenne ich zwischen Sex und Liebe, wie man es beispielsweise aus der Swingerszene kennt. In einer Beziehung zählen für mich das gegenseitige Vertrauen und die Loyalität viel mehr als der Sex. Generell hat mein Beruf meine Einstellung zur Sexualität kaum verändert. Ich bin allgemein etwas offener und sogar selbstbewusster geworden – mehr nicht.

Hast du einen Partner oder eine Partnerin?

Mein Facebook-Beziehungsstatus lautet: Es ist kompliziert.

Bist du Feministin?

Schwer zu sagen. Ich würde mich jetzt nicht als solche bezeichnen, aber ich denke, dass in jeder Frau eine kleine Feministin steckt. Wir wünschen uns doch alle Gleichstellung.

Wirst du auf der Strasse erkannt oder sogar angesprochen?

Ja, das habe ich schon erlebt, zum Glück nur selten. Ich probiere so gut es geht, mein Privatleben vom Beruflichen zu trennen.

Hast du einen Plan B für die Zukunft?

Da ich eigentlich erst jetzt so richtig durchstarte, will ich noch einige Jahre im Erotikgeschäft bleiben, sicher bis ich 30 bin. Seit kurzem habe ich meine eigene Webseite, auf der ich gemeinsam mit anderen Schweizer Girls eigenen Content sowie Livecamsex anbiete. Mehr Gedanken habe ich mir noch nicht gemacht.

Hand aufs Herz, wird man als Pornostar reich?

Leider nein! Immerhin bleibt mir nach Abzug meiner Lebenskosten und Steuern noch was übrig. Aber damit reich zu werden, ist schwer. Auf den meisten ausländischen Webseiten, auf denen Frauen ihren Content verkaufen können, muss man viel zu hohe Provisionen abgeben. Daher konzentriere ich mich ab jetzt auf meine eigene Website und lass mich überraschen, was die Zukunft noch so bringt.

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