09.09.2020 19:24

My Lovestory«Ich habe meinen Mann für die Schwester meines Ex-Freundes verlassen»

Sybille traf nach einer Ehe mit einem anderen Mann ihre erste grosse Liebe wieder – und verliebte sich in dessen Schwester, Natalie.

von
Meret Steiger
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Sybille und Natalie kannten sich bereits als Teenager. Allerdings war Sybille damals mit Natalies Bruder zusammen. Die drei haben sich nach der Schule aus den Augen verloren. Sybille hat geheiratet und Kinder bekommen. 

Sybille und Natalie kannten sich bereits als Teenager. Allerdings war Sybille damals mit Natalies Bruder zusammen. Die drei haben sich nach der Schule aus den Augen verloren. Sybille hat geheiratet und Kinder bekommen.

privat
Jahre später haben sich Sybille und Natalie an einer Fasnacht getroffen und gleich wieder super verstanden. Aus dem unerwarteten Treffen wurde eine enge Freundschaft und …

Jahre später haben sich Sybille und Natalie an einer Fasnacht getroffen und gleich wieder super verstanden. Aus dem unerwarteten Treffen wurde eine enge Freundschaft und …

privat
… schliesslich Liebe: Auch wenn Sybille sich erst mit ihrer neu entdeckten Homosexualität anfreunden musste, war für die beiden schnell klar: Wir gehören zusammen. Und wir werden heiraten.

… schliesslich Liebe: Auch wenn Sybille sich erst mit ihrer neu entdeckten Homosexualität anfreunden musste, war für die beiden schnell klar: Wir gehören zusammen. Und wir werden heiraten.

privat

Darum gehts

  • Sybilles erste grosse Liebe war Andreas, Übermittlerin von Liebesbriefen seine Schwester Natalie.
  • Jahre später haben sich Sybille und Natalie wieder getroffen und gleich verstanden.
  • Sybille wurde klar: Für mich ist da mehr.
  • Die beiden haben 2015 an der LGBTQ-Messe geheiratet.

«Als Teenager habe ich eines Nachmittags in der Badi diesen wunderschönen Typen gesehen: Andreas. Kurz darauf hatten wir unser erstes Treffen am Pingpongtisch. Er war meine erste grosse Liebe! Als er dann in die Lehre kam, ich aber weiterhin in der Oberstufe war, wurde es schwierig. Unsere Eltern mochten sich so gar nicht, und wir haben uns immer heimlich getroffen. In dieser Zeit hat seine Schwester Natalie, die eine Klasse über mir war, als Postbotin fungiert.

Nach etwa einem Jahr On-off-Beziehung haben wir uns schliesslich doch getrennt. Ich habe einen neuen Mann kennen gelernt, mich verliebt und mit ihm zwei Kinder bekommen. Andreas habe ich aus den Augen verloren, und auch von Natalie habe ich lange nichts mehr gehört.

An der Fasnacht wieder getroffen

Schliesslich habe ich Natalie an einer Fasnacht getroffen. Natürlich habe ich auch gefragt, wie es Andreas geht. Natalie hat mir erzählt, dass er seit längerem eine Freundin hat und das wohl auch was Ernstes ist. Ich habe mich sehr für ihn gefreut! Wir sind dann gemeinsam in den Ausgang, das war ein bisschen schräg: Ich, Natalie, Andreas und seine neue Freundin.

Trotz der seltsamen Umstände haben wir uns dort sofort wieder so gut verstanden wie eh und je, und Natalie wurde innert kürzester Zeit meine beste Freundin. Sie war praktisch Teil meiner Familie und ist im Haus meiner Schwiegereltern, in dem ich mit meinem Mann gewohnt habe, ein und aus gegangen.

«Die Erkenntnis, dass ich vielleicht lesbisch sein könnte, hat mich erschüttert.»

Irgendwann, nach ein paar Jahren, habe ich gemerkt, dass ich mehr für Natalie empfinde. Das war mega schwierig für mich: Ich habe überhaupt kein Problem mit Homosexualität, aber die Erkenntnis, dass ich vielleicht lesbisch sein könnte, hat mich erschüttert. Ich bin dann auch zu einem Psychologen und habe eine Art Selbstfindungstrip gemacht, um das mit mir selbst zu klären.

Ich konnte irgendwann auch nicht mehr damit umgehen, wie nah Natalie und ich uns standen, ohne dass sie von meinen Gefühlen weiss. Also habe ich ihr einen Brief geschrieben und alles erklärt. Ich hatte solche Angst, als ich ihr den Brief gegeben habe. Mir war ja klar, was ich damit alles aufs Spiel setze: Auch wenn die Ehe mit meinem Mann hauptsächlich noch für die Kinder bestand, so hatte ich doch furchtbare Angst, die ganze Familie zu verlieren. Oder meine beste Freundin. Oder, im schlechtesten Fall, beides.

WG mit Ex-Mann und neuer Freundin

Nach einer endlos langen Woche habe ich Natalie wiedergesehen und gefragt. Sie war eher zurückhaltend, kein richtiges «Ja, ich liebe dich auch», aber auch kein «Nein, ich möchte das auf keinen Fall». Dann sind wir getrennt in die Ferien, damit wir beide uns richtig Gedanken machen können, was wir wollen. Danach hat Natalie mich zum Essen eingeladen, und ab da war klar; das mit uns, das wird was.

Ich habe es dann meinem Mann erzählt, der es mehr oder weniger gefasst aufgenommen hat. Auch mit der Wohnsituation: Er hat sogar vorgeschlagen, dass wir wegen der Kinder alle zusammen in einer WG wohnen, das hat aber nicht besonders gut geklappt. Wir sind dann weggezogen, wurden im neuen Dorf aber nicht akzeptiert, und die Kinder litten darunter – dann sind wir wieder zurück. Natalie war für SwissCoy in Kosovo für ein Jahr, das war ein absoluter Härtetest. Danach war für uns klar: Wir heiraten.

An der LGBTQ-Messe geheiratet

2015 haben wir als erstes lesbisches Paar unsere Partnerschaft an der LGBTQ-Messe in Zürich eintragen lassen. Das war nicht leicht: Wir hatten beide Familienmitglieder, die sich von uns abgewendet haben, weil wir uns zueinander bekennen wollten.

Das hat uns aber nicht abgehalten, und umso wichtiger war mir die Hochzeit. Und die war wirklich wunderschön! Ich habe ein Designerkleid von einem der Aussteller an der Messe bekommen, eine Bäckerin hat uns eine spezielle Hochzeitstorte gebacken, und vor Ort waren nur meine Tochter und unsere Trauzeugen. Jetzt sind wir seit fünf Jahren verheiratet und so glücklich wie eh und je. Es ist einfach schön.»

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