Aktualisiert 30.06.2018 08:13

Kolumbianischer Kaffeebauer«Ich habe meinen Poporo in Zürich verloren»

Ein indigener Kaffeebauer ist zu Besuch bei Max Havelaar Schweiz. Unterwegs hat er seinen Poporo liegen gelassen, ein wichtiges, spirituelles Gefäss.

von
Kathrin Kocher

Der Bruder von Jorge Paez, Juan Sebastian Paez, zeigt, wie man den Poporo benutzt. (Video: zvg)

Dass man seinen Poporo verliert, liegt für die Männer des indigenen Volks der Arhuaco beinahe ausserhalb der Vorstellungskraft. Den ausgehöhlten, mit Puder aus Meeresmuscheln gefüllten Kürbis erhalten sie bei Erreichen des Mannesalters und tragen ihn als wichtigsten persönlichen Gegenstand stets bei sich.

So muss Jorge Paez der Schreck durch Mark und Bein gefahren sein, als er am Dienstag das Verschwinden seines Poporo feststellte. Der 31-jährige Kaffeebauer aus der Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien weilte diese Woche als Teil einer dreiköpfigen Delegation zu Besuch bei Fairtrade Max Havelaar in Zürich.

Zürichsee, Shopping, Znacht

Nach mehreren Terminen waren sie in der Stadt Zürich unterwegs. «Dort erkannte sie eine kolumbianische Passantin aufgrund ihrer traditionellen Kleider als Arhuaco», sagt Simon Aebi, Kaffeeverantwortlicher bei Fairtrade Max Havelaar.

Die Frau bot den dreien spontan an, ihnen die Stadt zu zeigen, nahm sie unter anderem zu einer Rundfahrt auf dem Zürichsee mit und lud sie am Abend schliesslich zum Znacht zu sich nach Hause ein.

Traurige Heimreise

«Im Hotel stellte Jorge am nächsten Morgen fest, dass sein Poporo weg war», sagt Aebi. Die Suche danach, auch bei der kolumbianischen Gastgeberin, blieb erfolglos. «Sie waren auch noch in diversen Geschäften einkaufen und mit dem Tram unterwegs – irgendwo da muss er verloren gegangen sein.»

Paez, der mit indigenem Namen Diaringwmu heisst (auf Deutsch etwa «Vater des neuen Sonnenaufgangs»), musste ohne seinen wichtigsten persönlichen Gegenstand zurück in die Heimat fliegen.

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«Er war erstaunlicherweise relativ gefasst, konnte sich jedoch absolut nicht erklären, wie das passieren konnte», sagt Aebi. Zu Hause wird sich Paez allerdings rechtfertigen müssen. «Er erwähnte, dass er den Vorfall mit dem ‹Mamo›, dem spirituellen Oberhaupt seines Dorfes, besprechen müsse, um die Gründe für den Verlust zu klären», teilt Aebi mit.

Weisheit des Meeres

Die Arhuaco glauben, dass in dem Meeresmuscheln-Puder das Wissen und die Weisheit des Meeres gespeichert ist. In Verbindung mit Koka-Blättern wird ihm eine stimulierende Wirkung zugesprochen.

Das Wissen und die Weisheit des Meeres soll so auf die jeweilige Person übergehen und sie beim positiven Denken unterstützen. Wie ein Poporo benutzt wird, sehen Sie im Video oben.

Koka-Blätter werden in der Andenregion seit Jahrhunderten etwa für spirituelle und medizinische Zwecke genutzt. Sie sind nicht zu verwechseln mit Kokain, das erst durch die Extraktion mit Lösungsmitteln aus der Pflanze gewonnen wird.

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