Vorwurf an Facebook - «Ich habe mich gefühlt, als hätte ich Blut an den Händen»
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Vorwurf an Facebook«Ich habe mich gefühlt, als hätte ich Blut an den Händen»

Eine zweite Facebook-Whistleblowerin tritt ins Rampenlicht. Auch sie sei bereit, vor dem Kongress auszusagen, verkündet sie.

von
Dominique Zeier
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Sophie Zhang ist bereits die zweite Whistleblowerin, die gegen Facebook aussagen möchte.

Sophie Zhang ist bereits die zweite Whistleblowerin, die gegen Facebook aussagen möchte.

Screenshot CNN.
Sie behauptet, Facebook tue nicht genug gegen Hass und Fehlinformationen, insbesondere ausserhalb der USA.

Sie behauptet, Facebook tue nicht genug gegen Hass und Fehlinformationen, insbesondere ausserhalb der USA.

Unsplash
Vergangene Woche sagte bereits Frances Haugen vor dem US-Kongress gegen Facebook aus.

Vergangene Woche sagte bereits Frances Haugen vor dem US-Kongress gegen Facebook aus.

REUTERS

Darum gehts

  • Vergangene Woche sagte eine Facebook-Whistleblowerin vor dem US-Kongress aus.

  • Nun meldet sich eine zweite Whistleblowerin zu Wort.

  • Auch sie sei bereit, Aussagen zu machen, verkündet sie.

  • Ausserdem habe sie bereits wichtige Dokumente an die Behörden übergeben.

Anfang dieses Monats hat die Whistleblowerin Frances Haugen schwere Vorwürfe gegen den Facebook-Konzern erhoben. So warf sie dem Unternehmen beispielsweise vor, Profit über das Wohl seiner Nutzerinnen und Nutzer zu stellen, als sie vor einer Woche vor dem US-Kongress aussagte. Nun hat sich eine zweite Whistleblowerin zu Wort gemeldet und verkündet, auch sie würde vor den Kongress treten und ein Zeugnis ablegen, wenn dies gewünscht sei.

Es handelt sich dabei um Sophie Zhang, eine Datenanalystin, die rund drei Jahre lang für Facebook gearbeitet hat. Dann wurde sie vom Unternehmen jedoch wegen «Leistungsproblemen» entlassen. Im Anschluss veröffentlichte Zhang ein Dokument, in dem sie schilderte, dass sie glaubte, dass Facebook nicht genug gegen Hass und Fehlinformationen auf seiner Plattform unternehme – insbesondere in kleineren Ländern und Entwicklungsländern. «Ich habe mich gefühlt, als hätte ich Blut an den Händen», sagte Zhang.

«Verdächtige Aktivitäten» entfernt

Im Dokument, das 2020 veröffentlicht wurde, beschreibt Zhang beispielsweise, dass Facebook neun Monate gebraucht habe, um eine Kampagne für den Präsidenten von Honduras zu stoppen, die falsche Informationen beinhaltet habe. Ausserdem habe Zhang gemeinsam mit Arbeitskolleginnen und -kollegen selbst rund 10,5 Millionen falsche Reaktionen und Fans von Politikern in Brasilien und den USA von der Social-Media-Plattform entfernt.

Darüber hinaus sei sie im Februar 2019 gebeten worden, «verdächtige Aktivitäten» von Facebook zu entfernen, die ein NATO-Wissenschaftler gemeldet hatte. Es habe sich dabei um Aktivitäten aus Russland gehandelt, die es auf einen bekannten US-Politiker abgesehen hatten, wie «Buzzfeed» berichtete.

Facebook weist Anschuldigungen von sich

Zhang sagt aus, dass sie bereits wichtige Informationen bezüglich Facebook an die Behörden übergeben habe. «Ich habe detaillierte Dokumente übermittelt, die in Zusammenhang mit möglichen kriminellen Machenschaften stehen und soweit ich weiss, laufen die Untersuchungen noch immer», schrieb sie auf Twitter. Um was für Informationen es sich dabei genau handelt, möchte Zhang jedoch noch nicht preisgeben.

Facebook weist die Anschuldigung, dass es nicht genug für die Sicherheit seiner Nutzerinnen und Nutzer tue, von sich, wie CNN berichtet. Das Unternehmen habe sogar Milliarden Dollar investiert, um seine Plattform sicherer zu machen. «Ausserdem haben wir seit 2017 mehr als 150 Netzwerke aus mehr als 50 verschiedenen Ländern ausgeschaltet, die versucht haben, die öffentliche Debatte zu manipulieren. Wir haben gezeigt, dass wir gegen Missbrauch ausserhalb der USA genauso stark vorgehen wie hierzulande.»

Wer ist die erste Whistleblowerin?

Die Whistleblowerin Frances Haugen hatte den Stein im September und Anfangs Oktober ins Rollen gebracht. Die 37-jährige Ex-Mitarbeiterin von Facebook lieferte Schlüsselinformationen für eine Artikel-Serie im «Wall Street Journal», nach der Facebook unter erheblichen politischen Druck in den USA geraten ist. Darin ging es unter anderem um die negativen Auswirkungen des Foto-Dienstes Instagram auf junge Nutzerinnen und Nutzer. Haugen warf Facebook vor, genauestens analysiert zu haben, wie stark sich Instagram auf die Psyche junger Menschen auswirke, aber nichts unternommen zu haben.

«Die heute existierende Version von Facebook reisst unsere Gesellschaften auseinander und löst ethnische Gewalt rund um die Welt aus», sagte Haugen zu «60 Minutes». Sie beantragte bei US-Behörden offiziell Schutz als Whistleblowerin – so werden Mitarbeitende genannt, die durch Weitergabe von Informationen Missstände aufdecken wollen.

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