Neuer SVP-Nationalrat – «Ich habe mich immer dort hingestellt, wo es mich brauchte»
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Neuer SVP-Nationalrat«Ich habe mich immer dort hingestellt, wo es mich brauchte»

Benjamin Fischer ersetzt ab Februar 2022 Hans-Ueli Vogt im Nationalrat. Er erzählt, was er im Bundeshaus bewirken will, wie er es mit 30 Jahren in den Nationalrat geschafft hat und was ihn an Politikern stört.

von
Nicolas Meister
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Benjamin Fischer, SVP-Kantonsrat, Präsident der SVP im Kanton Zürich und Präsident der Gesundheitskommission des Kanton Zürich, wird ab Februar 2022 Hans-Ueli Vogt im Nationalrat ersetzen. 

Benjamin Fischer, SVP-Kantonsrat, Präsident der SVP im Kanton Zürich und Präsident der Gesundheitskommission des Kanton Zürich, wird ab Februar 2022 Hans-Ueli Vogt im Nationalrat ersetzen.

Tamedia
Hans-Ueli Vogt, noch-SVP-Nationalrat, gibt sein Amt im Bundeshaus per Ende 2021 ab.

Hans-Ueli Vogt, noch-SVP-Nationalrat, gibt sein Amt im Bundeshaus per Ende 2021 ab.

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Patrick Walder, ehemaliger Präsident der SVP im Kanton Zürich, wird Benjamin Fischer zukünftig im Kantonsrat ersetzen. 

Patrick Walder, ehemaliger Präsident der SVP im Kanton Zürich, wird Benjamin Fischer zukünftig im Kantonsrat ersetzen.

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Darum gehts

  • Der 30-jährige Benjamin Fischer wird Hans-Ueli Vogt im Nationalrat ab Februar 2022 ersetzen.

  • Für «Schweizer Werte», wie zum Beispiel die Neutralität, setzt er sich schon lange ein. Deshalb sei er der SVP beigetreten.

  • Er habe nie ein politisches Amt angestrebt, sondern dort ausgeholfen, wo es ihn gebraucht habe.

  • Fischer setzt sich auch für die Sicherheitspolitik ein. «Ohne gesicherte Energieversorgung ist ein massives Blackout sehr wahrscheinlich.» Das öffne Tür und Tor für Cyberattacken und Terrorangriffe.

Er war der jüngste Zürcher Kantonsrat seiner Zeit, jetzt wird er mit 30 Jahren Nationalrat. Benjamin Fischer, Präsident der SVP im Kanton Zürich, Kantonsrat und Präsident der Gesundheitskommission, stieg mit knapp 16 Jahren in die Politik ein: «Ich interessierte mich für die Schweizer Geschichte, Politik und für unsere Werte, wie zum Beispiel die direkte Demokratie.» Da er in der SVP viele Gleichgesinnte finden würde, trat er der Partei bei.

Fischer wuchs in Volketswil (ZH) auf einem Bauernhof mit fünf Geschwistern auf. Auf seine Schule gingen auch viele Migranten und Migrantinnen. «Es kam zu Gruppenbildung, Schülerinnen und Schüler gleicher Nationalität blieben unter sich, sprachen ihre Sprache und es kam auch zu Gewalt.» Diese in seinen Augen schlechte Integration prägte Fischer. Deshalb setze er sich zum Beispiel für eine «massvolle» Einwanderung ein. «Integration ist ab einer gewissen Anzahl nicht mehr möglich», so Fischer.

«Blackouts gefährden die innere Sicherheit»

Eines seiner wichtigsten Anliegen als Nationalrat werde die Sicherheitspolitik sein. «Eine Pandemie und ein Blackout sind die grössten Gefahren unserer Zeit.» Davor warnt auch der Bund seit mehreren Jahren in seinen Sicherheitsberichten. Die Pandemie habe gezeigt, wie unvorbereitet wir sind, kritisiert Fischer. «Deshalb müssen wir unbedingt unsere Energieversorgung sicherstellen. Er warnt: «Ein massives Blackout öffnet Tür und Tor für Cyber- und Terrorangriffe!»

Er werde sich im Nationalrat aber vorerst zurückhalten und das Kommissionsmandat annehmen, das noch frei sei, so Fischer. «Als junger Politiker im Nationalrat sollte man sich anfangs zurückhalten.» Selbstinszenierung und Wichtigtuerei seien fehl am Platz, jedoch ein weit verbreitetes Phänomen unter Politikerinnen und Politikern, nervt sich Fischer.

«Ich bin kein Berufspolitiker!»

Er will jedoch auf keinen Fall als Berufspolitiker verstanden werden. «Deshalb arbeite ich mindestens 50 Prozent nebenbei.» Bis vor kurzem arbeitete er als Projektmanager in einem Industriebetrieb. Nachdem er vor ein paar Wochen seinen Master abgeschlossen hat, ist er nun in verschiedenen Bewerbungsverfahren für eine neue Stelle.

Dass er bald im Nationalrat politisieren werde, erfuhr er durch eine SMS eines Parteimitglieds. «Hans-Ueli Vogt hatte seinen Rücktritt mir gegenüber zwar einmal angedeutet.» Trotzdem sei er über dessen Rücktritt überrascht gewesen, so Fischer.

«Ich kann Vogt nicht vollständig ersetzen»

«Ich möchte ein würdiger Nachfolger sein.» Trotz seiner politischen Erfahrung könne er Vogt jedoch unmöglich ersetzen, so Fischer. «Vogt ist ein international anerkannter Wirtschaftsrechtsprofessor mit einem viel grösseren Sachverstand als ich.» Parteikolleginnen und -kollegen haben jedoch Vertrauen in Fischer. «Benjamin übt seine Ämter gewissenhaft und erfolgreich aus», so Patrick Walder, ehemaliger Zürcher Kantonalpräsident der SVP. Partei und die Wählerschaft hätten vollstes Vertrauen in ihn, wie sein hervorragendes Wahlresultat zeige.

Seinen Sitz im Kantonsrat wird Fischer «aus zeitlichen Gründen» abgeben. Patrick Walder wird sein Amt übernehmen. Fischer bleibt jedoch Präsident der SVP im Kanton Zürich.

Eine Verantwortung, die er nicht abgeben kann respektive will, ist seine Rolle als Vater. Seit zwei Jahren ist er Vater eines Sohnes. Fischer und seine Frau sind seit 2020 verheiratet. Die grösste Herausforderung sei es, Politik, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, sagt Fischer.

«Ich half dort, wo es mich brauchte»

Mit 30 Jahren in den Nationalrat, davon träumen viele. Wie hat Benjamin Fischer das geschafft? «Ich half dort, wo es mich brauchte und ich etwas bewirken konnte.» Etwa, indem er 2020 das Präsidium der SVP des Kantons Zürich übernommen hat. Die Partei tat Er habe sich nie aufgedrängt oder ein politisches Amt angestrebt, so Fischer. Oft sei er auch einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen.

Reiner Zufall war es jedoch nicht: «Ich plante stets mit verschiedenen Möglichkeiten.» Das habe er als Oberleutnant in der Armee gelernt. Apropos Armee: Wie steht seine Frau eigentlich dazu? Fischer lacht. «Es war teilweise schwierig für sie, wenn ich mehrere Monate weg war.» Ob er seine Militärkarriere weiterverfolgen wird, sei noch unklar. Er seufzt: «Wenn ich weitermache, bekommt meine Frau eine Katze.»

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