Escort-Geschäft – Zwei Sugarbabys erzählen von ihren Erfahrungen

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Escort-Geschäft«Ich habe mich in meinen Sugardaddy verliebt»

Geld, Luxusartikel, Reisen: Das versprechen sich viele Frauen von Escort-Dienstleistungen. Aber ist das auch die Realität? Wir haben bei diesen Frauen und einer Expertin nachgefragt.

von
Meret Steiger
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Jenny* (23) arbeitet im Escort-Bereich. 

Jenny* (23) arbeitet im Escort-Bereich. 

Privat
Sie trifft sich mit älteren Männern, manchmal nur für Gesellschaft, manchmal aber auch für Sex.

Sie trifft sich mit älteren Männern, manchmal nur für Gesellschaft, manchmal aber auch für Sex.

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Dafür bekommt die junge Frau Geld, Luxus-Artikel oder Reisen spendiert.

Dafür bekommt die junge Frau Geld, Luxus-Artikel oder Reisen spendiert.

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Darum gehts

Jenny* (23) und Aurora* (28) begleiten ältere Männer ins Restaurant, in die Ferien oder an Anlässe. Manchmal gehen sie auch mit ihnen ins Bett. Als Gegenleistung erhalten sie Geld, Luxus-Artikel, Abendessen oder Ferien.

Auf Sugardaddy.ch, der grössten deutschsprachigen Seite für Anbieter*innen, inserieren doppelt so viele Frauen wie Männer. Jenny und Aurora erzählen, was sie an dem Job reizt – und wie sie sich vor Übergriffen schützen.

Jenny, Aurora: Wie seid ihr auf die Escort-Branche gekommen?

Aurora: «Ich kam von einem Sprachaufenthalt zurück, war beim RAV und mir war langweilig. Ich wollte es einfach mal ausprobieren, ein Sugarbaby zu sein.»
Jenny: «Ich auch – ich hatte ja auch nichts zu verlieren.»

Sugarbabys werden oft als Prostituierte bezeichnet. Wie seht ihr das?

Jenny: «Ich musste mir schon dumme Sprüche anhören, es ist ein Stigma. Ich sehe mich aber nicht als Prostituierte, schliesslich geht es um viel mehr als Sex: um Unterhaltung, Dates und Reisen.»
Aurora: «Es kommt darauf an, wie man Prostitution definiert. Ich betrachte es als spassige Nebensache, für die ich auch noch bezahlt werde. Das unterscheidet mich von einer Prostituierten, die das machen ‹muss›.»

Wie läuft eine Kontaktaufnahme ab?

Jenny: «Nach einer ersten Text-Konversation wird telefoniert. Da kann man sehen, wie gut man sich versteht und Rahmenbedingungen festlegen, also wo und wie lange das Treffen stattfinden soll – und manchmal auch, was ich anziehe, zum Beispiel High Heels oder ein schönes Kleid. Dann folgt das Treffen.»

Gehört Sex dazu?

Jenny: «Nein. Wie weit man geht, entscheidet sich erst vor Ort. Da wird klar, ob wir auf einer Wellenlänge sind.»

Wie schützt ihr euch, was sind die Risiken?

Aurora: «Sie sind kaum anders als bei einem normalen Date. Auch dort besteht die Gefahr eines sexuellen Übergriffs.»
Jenny: «Ich verabrede mich immer zuerst an öffentlichen Orten und schicke meiner besten Freundin meinen Standort bei Whatsapp. Sie ruft mich an, wenn ich mich zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht melde.»

Macht ihr das nur fürs Geld?

Aurora: «Anfangs schon. Aber man trifft auch interessante Männer und teilt schöne Erlebnisse mit ihnen. In meinen aktuellen Sugardaddy habe ich mich sogar verliebt.»
Jenny: «Ich bin fürs Geld eingestiegen, aber ich geniesse es auch, neue Menschen kennen zu lernen.»

Welches war das beste Geschenk, das ihr bisher bekommen habt?

Jenny: «Eine wunderschöne Luxus-Handtasche.»
Aurora: «Ein Essen beim italienischen Spitzenkoch Massimo Bottura. Das kostet 600 Euro pro Person. Ich habe es sehr genossen. Das gibt mir mehr als Luxusartikel.»

Könnt ihr diesen Job weiterempfehlen?

Aurora: «Definitiv. Man muss aber offen und nicht prüde sein.»
Jenny: «Genau. Man kann vor Ort immer noch sagen, dass man sich nicht wohlfühlt und das Ganze dann abbrechen.»

Ist der Job mit einer feministischen Sicht vereinbar?

Aurora: «Auf jeden Fall. Sexuelle Selbstbestimmung ist mir sehr wichtig, ich bin den Männern nicht unterlegen. Es ist eine faire Transaktion.»
Jenny: «Ja. Am Ende entscheide ich, was passiert – oder eben nicht.»

«Es geht hier nicht um Zucker, Babys oder Daddys»

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