30 Jahre Schweizer Rap: «Ich habe mich nie als Musiker betrachtet»
Aktualisiert

30 Jahre Schweizer Rap«Ich habe mich nie als Musiker betrachtet»

Der Schweizer Rap-Pionier Claude Aubert lebt mittlerweile in Amerika. 20 Minuten Online hat ihn dort aufgespürt.

von
nik

Vor dreissig Jahren schaffte es zum ersten Mal ein Song mit Sprechgesang in Mundart in die Schweizer Charts: «Nüt» von Claude. 20 Minuten Online nahm das Jubiläum zum Anlass, mit dem Urvater des Schweizer Rap ein Interview zu führen.

30 Jahre Schweizer Rap. Hast du als Pionier die Geschichte weiter verfolgt?

Claude Aubert: Nicht wirklich. Ich habe Freunde in der Schweiz, die mir ab und zu mitteilen, wenn ‹Nüt› irgendwo mal wieder von sich hören lässt. Rap hat mich damals für eine Zeitlang fasziniert, weil es neu und anders war, aber ein richtiger Fan war ich von dieser Musikform eigentlich nie. 1984 zog ich nach Amerika, und da traten andere Interessen in den Vordergrund. Heutzutage bevorzuge ich akustische Musik, am liebsten live und im kleinen Rahmen. Hauskonzerte, zum Beispiel.

Hast du in deiner damaligen Empfindung ‹Rap› gemacht?

Als ich ‹Nüt› 1980 mit meinem Spulentonband im Alleingang als Demo aufnahm, wusste ich nicht, dass man diese neue Musikform als ‹Rap› bezeichnete. ‹Nüt› war einfach eine Parodie auf ‹Rapper's Delight›, welches ich 1979 an einer Party hörte. Das Wort ‹Rap› ist zwar bei ‹Rapper's Delight› im Titel, aber der Zusammenhang wurde mir erst später klar.

Warst Du Teil einer Rap-Szene?

Nein. Ich verbrachte viel Zeit zu Hause mit Tonexperienten mit meinem Revox Spulentonband, aber meistens alleine, und zu einer Szene gehörte ich nie. Meine Szene war die Pfadi (lacht).

Du hast trotz des Erfolgs in den Charts nie ein Album gemacht. Was ist passiert?

Ich nahm die zweite Single ‹Wie gaht's auf›, die zwar am Radio oft gespielt wurde, aber nicht so originell war wie ‹Nüt› und sich daher auch nicht besonders gut verkaufte. Danach war mein Vertrag mit Gold Records erfüllt. Obwohl ich Musik liebe, habe ich mich nie wirklich als Musiker betrachtet. ‹Nüt› war ja auch kein musikalischer Höhepunkt, aber es war eine originelle Idee. Der 5/4-Takt war zwar clever, aber ich war mir gar nicht bewusst, dass ich den Song in diesem ungewöhnlichen Rhytmus komponierte.

Du lebst seit Jahren in Amerika, hast du noch Kontakt zur Schweizer Musikszene?

Nein.

Machst du noch Musik? Wenn ja: Wie klingt die?

Weil mich die Leute hier in Amerika immer fragten, ob ich Jodeln könne, habe ich eines Tages beschlossen, es zu lernen. Mit Tapes und CDs habe ich mir das Jodeln selber beigebracht. Jetzt unterhalte ich meine Freunde ab und zu mal mit einem Jodellied, wie zum Beispiel ‹Min Vater isch en Appezeller›. Ich schreibe aber seit langem keine Lieder mehr.

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