FCB-Stürmer Sebastiano Esposito: «Meine Familie hat drei bis vier Tage nicht mit mir gesprochen»
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FCB-Stürmer Sebastiano Esposito«Meine Familie hat drei bis vier Tage nicht mit mir gesprochen»

In den vergangenen Monaten sorgte kein Spieler in der Schweiz für derart Gesprächsstoff wie Sebastiano Esposito (19). Im Interview spricht der FCB-Stürmer über Schlagzeilen, Romelu Lukaku und Gucci-Trainerhosen.

von
Lucas Werder
Fabrizio Bonazza
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Sebastiano Esposito hat den Meistertitel noch nicht ganz abgeschrieben: «Solange es für uns mathematisch noch möglich ist, glaube ich daran.» 

Sebastiano Esposito hat den Meistertitel noch nicht ganz abgeschrieben: «Solange es für uns mathematisch noch möglich ist, glaube ich daran.» 

IMAGO/Geisser
Zuletzt zeigte die Formkurve des Italieners wieder nach oben.

Zuletzt zeigte die Formkurve des Italieners wieder nach oben.

Marc Schumacher/freshfocus
Seit seinem Tor im Achtelfinal-Hinspiel der Conference League gegen Marseille laufe es wieder bei ihm.

Seit seinem Tor im Achtelfinal-Hinspiel der Conference League gegen Marseille laufe es wieder bei ihm.

Daniela Frutiger/freshfocus

Darum gehts

  • Sebastiano Esposito ist seit Sommer von Inter Mailand an den FC Basel ausgeliehen.

  • In den vergangenen Monaten sorgte der 19-Jährige immer wieder für Schlagzeilen – sowohl positive als auch negative.

  • Im Interview erklärt der Italiener, warum er sich manchmal von den Medien ungerecht behandelt fühlt und wie er seine Zukunft in Basel sieht.

Er debütierte mit 16 Jahren für Inter Mailand und gilt als eines der grössten Talente des italienischen Fussballs. Er sei aber auch ein Hitzkopf und er würde sich von niemandem etwas sagen lassen, heisst es. Seit Sebastiano Esposito im vergangenen Juli erstmals den Rasen des St. Jakobs-Parks betreten hatte, scheiden sich am FCB-Stürmer die Geister. Mal lässt der 19-Jährige mit einem Aussenrist-Tor gegen Sion die Herzen der rot-blauen Fans höher schlagen, mal sorgt er mit einem Platzverweis gegen GC bei eben jenen Anhängerinnen und Anhängern für Kopfschütteln.

Als 20 Minuten den Italiener am Mittwochnachmittag zum Interview trifft, erscheint ein Sebastiano Esposito, der irgendwie zu keinem der beiden Bilder passt, die er als Spieler auf dem Platz abgibt. Er spricht ruhig und überlegt, wählt seine Worte mit Bedacht – und ist trotzdem locker und nie um ein Schmunzeln verlegen.

Sebastiano Esposito, Sie haben Ihren freien Tag am Dienstag im Europa Park verbracht. Sind Sie ein Achterbahn-Fan?

Ich war mit meinen Teamkollegen Raoul Petretta und Andrea Padula da. Nach zwei Achterbahnen hatte ich aber schon genug. Als ich klein war, habe ich immer alles Mögliche ausprobiert. Heute überlege ich es mir zweimal. (lacht)

Würden Sie Ihre noch junge Karriere als kleine Achterbahnfahrt bezeichnen?

Nein, das würde ich so nicht sagen. Ich habe immer hart gearbeitet und durfte schon mit 16 Jahren für Inter Mailand spielen. Ich habe vieles richtig gemacht, aber auch Fehler. Ich denke, wenn du mit 17 oder 18 Jahren fehlerfrei bist, bist du ein Ausserirdischer. 

Mit 16 haben Sie 2019 für Inter in der Europa League debütiert. Heute, drei Jahre später, spielen Sie «nur» in der Super League. Was ist passiert?

Bei Inter spielen echte Top-Stürmer, die viel erfahrener sind als ich. Ich habe mir nie vorgemacht, für immer bei Inter spielen zu können. Ich hoffe aber, irgendwann wieder dort sein zu dürfen.

In Basel spielen Sie nun erstmals ausserhalb von Italien. Wie oft sehen Sie Ihre Familie in Brescia?

Einmal pro Monat besuchen sie mich hier. Meine Brüder sehe ich seltener, da sie selbst Fussball spielen.

Beim Spiel gegen GC im Dezember war Ihre Familie im St. Jakob-Park, als Sie mit Rot vom Platz geflogen sind. Wie haben Ihre Eltern reagiert?

Sie haben zuerst drei bis vier Tage nicht mit mir gesprochen. Die Situation rund um den Platzverweis hat mich sehr belastet. 

Durften Sie an Weihnachten trotzdem nach Hause?

Ja, sie haben mich reingelassen. (lacht) 

Eine besondere Beziehung haben Sie auch zu Romelu Lukaku. Stimmt es, dass er Ihnen zum Wechsel nach Basel geraten hat?

Ich habe mit Romelu, mit dem ich heute noch regelmässig Kontakt habe, darüber gesprochen. Er sagte, ich brauche Spielzeit, um zu wachsen. Hauptsächlich war es aber mein Berater, der mir den Wechsel zum FC Basel empfohlen hatte.

Nach kleinen Schwierigkeiten läuft es für Sie persönlich beim FCB aktuell wieder besser. Sehen Sie das auch so?

Seit ich auswärts gegen Marseille getroffen habe, läuft es ganz gut. Meine Leistungen sind konstanter geworden. Ich laufe auf dem Platz mehr und arbeite für die Mannschaft. Gegen YB und Marseille habe ich fast zwölf Kilometer abgespult. Diese Daten zeigen, dass ich präsent bin.

Trotzdem hat es der FCB mit zwei Unentschieden in Serie zuletzt verpasst, noch mal etwas Spannung ins Meisterrennen zurückzubringen.

Da bin ich nicht ganz einverstanden. Gegen YB und auswärts in St. Gallen Punkte abzugeben, ist bitter, aber keine Schande. Die entscheidenden Punkte haben wir schon früher verloren.

Nun ist der Titel aber definitiv weg, oder?

Ich sitze abends mit dem Taschenrechner zuhause und rechne alles durch. Solange es für uns mathematisch noch möglich ist, glaube ich daran.

Wie ist Ihre Beziehung zu Ihrem Trainer Guillermo Abascal?

Er ist ein sehr direkter Trainer. Er sagt die Sachen, wie sie sind, und behandelt alle Spieler gleich. Wer gut trainiert, spielt. Niemand kann sich über ihn beschweren.

Anders also als die Beziehung zu seinem Vorgänger Patrick Rahmen?

Nein, ich hatte auch mit ihm nie Probleme.

Es gibt Stimmen, die sagen, Sie hören beim FCB nur auf David Degen – wenn überhaupt. Was sagen Sie dazu?

Ich habe nicht einmal die Nummer von David Degen. Die Medien haben sich auf ihn und mich eingeschossen. Ich war teilweise sieben Tage hintereinander in den Schlagzeilen und man unterstellte mir, ich sei verantwortlich für die Entlassung von Rahmen gewesen. Darüber, dass ich in dieser Saison sechs Tore erzielt und zehn vorbereitet habe, schreibt niemand.

Fühlen Sie sich von den Medien ungerecht behandelt?

Manchmal fühle ich mich schon ein wenig als Zielscheibe. Aber für mich ist das ein gutes Zeichen. Dass die Medien über mich schreiben, heisst, dass ich einen gewissen Stellenwert habe. 

Auch Ihre Outfits neben dem Platz haben schon für Schlagzeilen gesorgt, wie zum Beispiel Ihr Gucci-Trainer. Hatte Mode einen hohen Stellenwert für Sie?

Nicht unbedingt Mode, aber ich mag es, zu shoppen. Vor allem Sneakers und Klamotten. Ich ziehe einfach das an, was ich mag und mir gefällt. Und das kann auch mal eine etwas ausgefallenere Trainerhose sein.

Der FCB besitzt eine Kaufoption für Sie. Wie sehen Sie Ihre Zukunft? Wo spielen Sie nach der Sommerpause?

Ehrlich gesagt kann ich darüber keine Auskunft geben, da ich es als Spieler gar nicht so stark beeinflussen kann. Falls der FC Basel mich behalten möchte, kann er die Kaufoption ziehen – wenn nicht, liegt der Ball bei Inter. Die beiden Vereine werden sich aber sicher darüber einigen.

Sie stehen also in regelmässigem Austausch mit Inter?

Ich hatte erst kürzlich einen Videocall mit der Medienstelle von Inter. Per Zufall betraten Sportchef Piero Ausilio und Manager Dario Baccin den Raum. Sie sagten mir, es sei an der Zeit, mehr zu machen und die Kritiker zum Verstummen zu bringen. Das war die nötige Adrenalin-Spritze, die mir gefehlt hatte. Zwei Tage später traf ich gegen Marseille und machte in den nächsten Spielen vier Assists. Meiner Freundin sagte ich, ich hätte so viel Adrenalin und Energie, um Berge zu versetzen.

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