Loveparade: «Ich habe nichts unterschrieben»
Aktualisiert

Loveparade«Ich habe nichts unterschrieben»

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland lehnt einen Rücktritt wegen der Loveparade-Tragödie noch ab. Er gibt jedoch Fehlinformationen zu.

von
rub
Unter Druck: Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (rechts) und der Loveparade-Organisator Rainer Schaller an einer Presskonferenz am 25. Juli 2010.

Unter Druck: Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (rechts) und der Loveparade-Organisator Rainer Schaller an einer Presskonferenz am 25. Juli 2010.

Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) hat eine Mitschuld für den tödlichen Ausgang der Loveparade von sich gewiesen. Er habe «keine einzige Genehmigung» für die Veranstaltung unterschrieben, sagte Sauerland der «Bild»-Zeitung vom Donnerstag. «Das ist gar nicht der Job des Oberbürgermeisters, Genehmigungen zu unterschreiben», erklärte Sauerland. Die Abschlussgenehmigung habe «einer unserer besten Kollegen» abgezeichnet.

Einen Rücktritt lehnte Sauerland erneut ab: «Ich habe mein Leben – 21 andere Menschen haben es verloren. Ich will erst wissen warum. Danach entscheide ich über persönliche Konsequenzen.» Es sei erst einmal seine «verdammte Pflicht», die quälenden offenen Fragen zu beantworten. Sauerland unterstrich aber, dass der Ort der Katastrophe im Verantwortungsbereich des Veranstalters und nicht der Stadtbehörden gelegen habe.

Auch im Gespräch mit der WAZ-Gruppe vom Donnerstag wies der Oberbürgermeister eine direkte Mitschuld an der Katastrophe zurück, bei der in Folge einer Massenpanik 21 Menschen starben und mehr als 500 weitere verletzt wurden.

«Einfach nur der blanke Horror»

Politische Verantwortung

«Persönliche Verantwortung kann es nur geben, wenn es ungerechtfertigte Eingriffe in den Prozess gegeben hätte. Diese gab es aber nicht», sagte Sauerland. Es gelte nun zu klären, ob «die Verwaltung Fehler gemacht hat, oder ob sie falsch informiert wurde», sagte er mit Blick auf die Genehmigung der Loveparade.

Er trage politische Verantwortung, «nicht nur, weil ich als einer von 75 Ratsherren dafür gestimmt habe, dass wir als Duisburger die Loveparade wollen».

Rücktritt nahegelegt

Die Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft (SPD), hat dem Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) indirekt den Rücktritt nahe gelegt. «Der Duisburger Oberbürgermeister und die Verantwortlichen in der Stadtspitze werden sich letztendlich der politischen Verantwortung stellen müssen», sagte Kraft der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post». Sie habe den Eindruck, dass Sauerland glaube, er würde Schuld eingestehen, wenn er die politische Verantwortung übernähme. «Diesen Zusammenhang gibt es aber nicht», betonte die Landeschefin.

Entschuldigung für Fehlinformation

Sauerland bat die Angehörigen der Opfer um Entschuldigung für die «Fehlinformation», diese seien bei der Flucht aus der Massenpanik zu Tode gestürzt. Er habe diese Meldung nur weitergereicht. «Diese Aussage war definitiv falsch und ich entschuldige mich für diese Aussage bei allen, vor allen bei den Angehörigen der Opfer», sagte Sauerland. Die Obduktion hatte ergeben, dass die Opfer an Brustquetschungen gestorben waren und keines durch einen Sturz. (rub/sda/dapd)

Demonstration in Duisburg

Rund 150 zumeist jüngere Menschen haben am Donnerstag in Duisburg wegen des Unglücks bei der Loveparade gegen Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) demonstriert. «Sauerland, Sie tragen die Verantwortung», sagte Timo Tasche, einer der Redner, und forderte den Rücktritt des Stadtoberhaupts. Es dürfe keine «heuschlerischen Entschuldigungen» mehr geben, vielmehr seien Antworten auf die Frage «warum?» nötig. Weitere Teilnehmer kritisierten, der Oberbürgermeister verstecke sich feige. Augenzeugen beschrieben die Stimmung als aufgeheizt. (AP)

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