Coronavirus in Osteuropa – «Ich habe noch nie so viel Tod gesehen»
Publiziert

Coronavirus in Osteuropa«Ich habe noch nie so viel Tod gesehen»

In diversen osteuropäischen Ländern steigen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen. Rumäniens Spitäler sind total überfordert und Lettland plant einen neuen Lockdown.

1 / 13
Ein Einkaufszentrum in Moskau wird desinfiziert. 

Ein Einkaufszentrum in Moskau wird desinfiziert.

REUTERS
In Russland nehmen die Corona-Fälle rasant zu. Spezialisten ziehen einen Schutzanzug an, bevor sie öffentliche Räume desinfizieren. 

In Russland nehmen die Corona-Fälle rasant zu. Spezialisten ziehen einen Schutzanzug an, bevor sie öffentliche Räume desinfizieren.

REUTERS
Auch in Rumänien ist es prekär: Die Uniklinik in Bukarest steht kurz vor einem Kollaps. Die Intensivbetten sind alle belegt. Patienten und Patientinnen müssen zum Teil…

Auch in Rumänien ist es prekär: Die Uniklinik in Bukarest steht kurz vor einem Kollaps. Die Intensivbetten sind alle belegt. Patienten und Patientinnen müssen zum Teil…

via REUTERS

Darum gehts

  • In Rumänien kollabieren die Krankenhäuser wegen zu vielen Corona-Patienten und -Patientinnen.

  • Auch in Russland nehmen die Fälle wieder rasant zu.

  • Lettland greift durch und plant einen Lockdown.

Zurzeit grassiert das Coronavirus besonders heftig in Osteuropa. Rumäniens Spitäler stehen kurz vor einem Kollaps, da fast im Minutentakt Krankenwagen mit Covid-19-Patienten und -Patientinnen ankommen. Wegen überfüllter Intensivstationen schickt Rumänien schwerkranke Covid-19-Patienten und -Patientinnen auch zur Behandlung ins Nachbarland Ungarn. Besonders heftig ist die Situation in der Uniklinik in Bukarest, wie Tagesschau.de schreibt.

Doch worauf ist das zurückzuführen? Einige Patientinnen und Patienten seien geimpft, die treffe das Virus aber auch hart. Die meisten der Patientinnen und Patienten, die in der Uniklinik ankommen, seien jedoch ungeimpft, so der Sanitäter, der gerade jemanden aus der Stadt Călărași nach Bukarest gefahren hat. Ihm sei aufgefallen, dass es bei den Geimpften weniger schwere Fälle gebe. Die Begründungen der Ungeimpften seien ganz unterschiedlich. «Einer sagt, dass er eine ernsthafte Krankheit hat, wegen der er nicht geimpft werden kann, viele glauben nicht an den Impfstoff», so der Sanitäter.

Die Intensivbetten sind voll. Für die neu ankommenden Patientinnen und Patienten wird notdürftig auf dem Krankenhausflur Platz gemacht. Eine Fachärztin für Innere Medizin sagt gegenüber der Tagesschau.de: «Ich habe noch nie so viel Tod gesehen.» In Rumänien sind nur etwa 30 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Brisant dabei: Laut einer im Oktober veröffentlichten Studie lehnen mehr als die Hälfte der Rumäninnen und Rumänen eine Impfung ab.

Wie gross die Impfskepsis in Rumänien ist, zeigt ein Beispiel aus dem Fussball. Dem Club FCSB Bukarest standen am vergangenen Wochenende gerade einmal 14 Spieler zur Verfügung, der Rest inklusive Trainer und Staff erkrankte am Coronavirus. Schuld daran, dass das Virus beim rumänischen Rekordmeister derart ungehindert wüten kann, ist Club-Boss George Becali. Der Unternehmer und Ex-Politiker verbietet nämlich allen Spielern und Mitarbeitenden von FCSB Bukarest, sich impfen zu lassen.

Moskau verhängt wieder Corona-Beschränkungen

Auch in Teilen von Russland grassiert das Coronavirus wieder stärker als noch vor wenigen Monaten. Angesichts neuer Corona-Rekordzahlen verhängt Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erstmals seit dem Sommer wieder Beschränkungen zur Eindämmung des Virus. Sobjanin ordnete am Dienstag an, dass über 60-jährige, ungeimpfte Bürger von zu Hause aus arbeiten. Unternehmen müssen ausserdem eine Homeoffice-Quote von «mindestens 30 Prozent» einhalten. Die Massnahmen werden am kommenden Montag in Kraft treten und sollen bis Ende Februar gelten.

Zudem sollen bis Januar 80 Prozent der Beschäftigten im Dienstleistungssektor geimpft werden. Bislang lag die Vorgabe bei 60 Prozent. Der Kreml erwägt ausserdem, Ende Oktober einen einwöchigen Urlaub anzuordnen, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen.

Russland – und insbesondere Moskau – haben mit hohen Infektionszahlen bei geringer Impfquote zu kämpfen. Am Dienstag meldeten die russischen Behörden 1015 Corona-Tote binnen 24 Stunden – so viele wie noch nie zuvor seit Beginn der Pandemie. In der Hauptstadt wurden rund 6000 neue Ansteckungen gemeldet, russlandweit rund 33’000.

Nur rund 32 Prozent der Russinnen und Russen sind nach offiziellen Angaben vollständig geimpft, es herrscht ein weitverbreitetes Misstrauen gegenüber der Impfung.

Lettland geht wieder in einen Lockdown

Auch in Lettland steigt die Zahl der Corona-Neuinfektionen wieder stark an. Das Land greift durch und plant einen Lockdown. «Es gibt immer noch zu viele ungeimpfte Menschen, die sich mit Corona infizieren und im Krankenhaus sterben», sagte der lettische Ministerpräsident Krisjanis Karins am Montag nach einer Kabinettssitzung. Weniger als die Hälfte der 1,9 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner Lettlands sind bislang vollständig geimpft.

Der Lockdown soll vom 21. Oktober bis 15. November gelten und umfasst unter anderem eine nächtliche Ausgangssperre von 20.00 Uhr bis fünf Uhr. Kinos, Theater und Konzerthallen müssen schliessen, Restaurants dürfen nur noch Gerichte zum Mitnehmen anbieten. Nur Geschäfte für den täglichen Bedarf dürfen offen bleiben. Für die meisten Arbeitnehmenden gilt erneut eine Homeoffice-Pflicht. Die meisten Schulen wechseln wieder in den Distanzunterricht. Die Regelung muss noch am Mittwoch vom Parlament beschlossen werden.

Die Corona-Infektionszahlen in dem baltischen Staat waren im vergangenen Monat stark angestiegen. Am Montag meldeten die Behörden 1253 Neuinfektionen und sieben Todesfälle. Damit stieg die Gesamtzahl der Corona-Infektionen seit Pandemiebeginn auf über 186’000, die Zahl der Todesfälle auf knapp 2900.

Belarus stoppt Routineeingriffe in Spitälern

In Belarus ist am Montag ein vorläufiger Stopp der routinemässigen medizinischen Versorgung in staatlichen Kliniken angeordnet worden. Zur Begründung hiess es, es sollten mehr Ressourcen für Corona-Patienten und -Patientinnen freigesetzt werden. Zu den ausgesetzten Dienstleistungen zählen nach Angaben des Gesundheitsministeriums medizinische Untersuchungen und Screenings, Physiotherapie und Zahnbehandlungen.

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus ist in Belarus zuletzt gestiegen. Täglich werden in dem Land mit 9,3 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern etwa 2000 neue Fälle gemeldet. Der autoritär regierende Präsident Alexander Lukaschenko hat Bedenken wegen der Pandemie oft beiseite gewischt. Einmal sagte er, Infektionen könnten mit «einem Traktor, einem Bad und Wodka» behandelt werden.

Lediglich etwa 20 Prozent der Bevölkerung sind bislang vollständig geimpft. Seit Beginn der Pandemie wurden in Belarus etwa 574’000 Corona-Infektionen – entsprechend etwa sechs Prozent der Bevölkerung – und 4417 Todesfälle in Verbindung mit dem Virus registriert.

591 Millionen Zertifikate ausgestellt

Doch es gibt auch gute Neuigkeiten aus Europa. Demnach sind der EU-Kommission zufolge 591 Millionen Zertifikate ausgestellt worden sein. «Das digitale Covid-Zertifikat der EU ist ein Symbol für ein offenes und sicheres Europa», teilte die für Gesundheit zuständige EU-Kommissarin Stella Kyriakides am Montag in Brüssel mit. Die Einführung der international anerkannten Zertifikate sei ein Beispiel für gute Zusammenarbeit in der EU. Das Schweizer Covid-Zertifikat ist in Europa ebenfalls anerkannt.

Mit dem digitalen Zertifikat können EU-Bürgerinnen und -Bürger europaweit Impfungen, Tests und Genesungen nachweisen. Vom Urlaub bis zu kleineren Ausflügen in benachbarte Länder können so viele Freizeitaktivitäten vereinfacht werden. Laut der Brüssler Behörde hat vor allem die Luftfahrt- und Reisebranche von dem Nachweis profitiert.

Die Regeln, wofür Nachweise gebraucht werden, unterscheiden sich von Land zu Land. So können Reisende mit einem Nachweis, etwa über eine Impfung, mancherorts nicht nur eine Quarantäne nach Ankunft vermeiden. In 20 der 27 EU-Staaten werden sie auch abseits des Reisens, etwa für Besuche von Restaurants, Clubs oder Kulturveranstaltungen, benötigt.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

My 20 Minuten

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

(dpa/fos)

Deine Meinung

90 Kommentare