Aktualisiert 05.06.2014 13:20

Sicherheit in der Klinik

«Ich habe nur durch Zufall überlebt»

In einem manischen Schub würgt ein Patient der Psychiatrischen Uniklinik Zürich eine Patientin. Pfleger bemerken dies nur zufällig. Nun fordert das Opfer eine bessere Überwachung.

von
ann
In einer geschlossenen Abteilung der Psychiatrischen Uniklinik in Zürich kam es zu einem Tötungsversuch, weil ein Patient einen manischen Schub hatte. Sein Opfer fordert nun eine bessere Überwachung, damit so etwas nicht mehr vorkommt.

In einer geschlossenen Abteilung der Psychiatrischen Uniklinik in Zürich kam es zu einem Tötungsversuch, weil ein Patient einen manischen Schub hatte. Sein Opfer fordert nun eine bessere Überwachung, damit so etwas nicht mehr vorkommt.

Nicht viel hätte gefehlt und Ruth P.* wäre während ihres stationären Aufenthalts in der Psychiatrischen Uniklinik (PUK) im Herbst 2012 umgebracht worden. Die damals 49-Jährige konnte in der Nacht auf den 2. September nicht schlafen, begab sich in den Aufenthaltsraum ihrer geschlossenen Abteilung und traf dort auf einen weiteren Patienten. P. unterhielt sich bald mit ihm, bis der 50-Jährige sich unvermittelt zu ihr aufs Sofa setzte und den Arm um sie legte. P. sagte sofort: «Ich will das nicht.»

Diese Reaktion löste beim psychisch Kranken offenbar einen Schub aus. «Er stürzte sich auf mich und begann mich zu würgen», erzählt Ruth P. «20 Minuten». Sie habe keine Chance gehabt, den Alarmknopf zu erreichen und nur noch einen erstickten Schrei ausstossen können. «Dann wurde mir schwarz vor Augen.» Hätte nicht eine grosse Pflanze beim Eingang das Zufallen der Glastür verhindert, würde P. heute wohl nicht mehr leben. So hörte eine Pflegerin im Stationsbüro ihr Krächzen und ging nachsehen. P. war zu diesem Zeitpunkt bereits bewusstlos. Erst mit Hilfe mehrerer Pfleger gelang es, den Würger von ihr zu lösen. Das Bezirksgericht Zürich stufte den Angreifer mittlerweile als nicht schuldfähig ein und ordnete eine Therapie an.

«Ich habe nur durch Zufall überlebt», sagt P. Nun will sie sicherstellen, dass so etwas künftig nicht mehr möglich ist. «In den Aufenthaltsräumen braucht es permanente Videoüberwachung oder nachts einen Pfleger vor Ort», fordert sie. Damit stösst sie bei der PUK auf taube Ohren. Laut Spitaldirektor Erich Baumann genügen «die verbindlichen Standards der PUK zum Aggressionsmanagement, welche sich an internationalen Richtlinien orientieren». Zur Sicherheit in den Aufenthaltsräumen sagt Baumann: «Sie befinden sich neben dem Stationsbüro und verfügen alle über einen Alarmtaster, welcher in Notfällen von Patientinnen oder Mitarbeitenden ausgelöst werden kann.» Eine Videoüberwachung komme auf den allgemeinpsychiatrischen Stationen zudem aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht in Frage.

*Name geändert

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.