Wölfe folgen Tochter: «Ich habe Panik bekommen und laut geschrien»
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Wölfe folgen Tochter«Ich habe Panik bekommen und laut geschrien»

Auf einer Skipiste in Obersaxen GR liefen zwei Wölfe einer Frau hinterher. Deren Mutter hat alles beobachtet. Sie schildert die bangen Momente.

von
Michel Eggimann
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Auf einer Skipiste in Obersaxen wurden zwei Wölfe gesichtet. (Symbolbild)

Auf einer Skipiste in Obersaxen wurden zwei Wölfe gesichtet. (Symbolbild)

obersaxen-mundaun.ch
Die beiden Wildtiere folgten für eine kurze Zeit einer Skifahrerin und verliessen dann die Piste wieder. Die Mutter der Skifahrerin schildert: «Ich habe Panik bekommen und laut geschrien.»

Die beiden Wildtiere folgten für eine kurze Zeit einer Skifahrerin und verliessen dann die Piste wieder. Die Mutter der Skifahrerin schildert: «Ich habe Panik bekommen und laut geschrien.»

graubuenden.ch
Es war in diesem Jahr nicht die erste Wolfssichtung bei einer Skipiste. Ein News-Scout konnte Mitte Februar unweit des Skigebietes Lenzerheide einen Wolf beobachten.

Es war in diesem Jahr nicht die erste Wolfssichtung bei einer Skipiste. Ein News-Scout konnte Mitte Februar unweit des Skigebietes Lenzerheide einen Wolf beobachten.

News-Scout

Darum gehts

  • Eine Mutter schildert, wie ihrer Tochter in Obersaxen zwei Wölfe auf einer Skipiste folgten.

  • Bei der 65-Jährigen kam Angst auf.

  • Es war nicht die erste Wolfssichtung im Skigebiet Obersaxen Mundaun.

  • Ein Bündner Nationalrat wollte erst kürzlich vom Bundesrat wissen, wie er Wölfe scheu halten möchte.

Eine 65-jährige Frau wurde Ende Februar von zwei Wölfen überrascht. Sie war mit ihrer Tochter und zwei Bekannten gerade auf einer Skipiste in Obersaxen GR unterwegs, als plötzlich zwei Tiere von der Seite auftauchten. Sie sagt: «Im ersten Moment dachte ich, es sind Hunde . Doch dann ist mir eines der Tiere direkt vor den Skis durchgelaufen.» Da habe sie realisiert, dass es Wölfe sind.

Angst kam auf

Zu diesem Zeitpunkt sei ihre Tochter vor ihr gefahren. Die beiden Männer seien bereits weiter unten gewesen. Die Wölfe blieben auf der Piste und folgten der Skifahrerin vor ihr. «Ich habe Panik bekommen und laut geschrien», so die 65-Jährige. Angst sei in ihr aufgestiegen und sie habe nicht gewusst, was sie machen soll. Zudem sei die Sicht schlecht gewesen wegen Nebels. Die Einheimische meint, die beiden Wildtiere seien ihrer Tochter sicher rund 200 Meter gefolgt. Dann haben die Wölfe die Skipiste wieder verlassen und sind aus dem Sichtfeld der 65-Jährigen gewesen. Bei den beiden Bekannten angekommen, habe sie vor Erleichterung beide umarmt.

Mittlerweile sei der Schock verdaut. Die Obersaxerin ist seit dem Vorfall bereits wieder mehrmals auf den Skis gewesen und hat dabei nicht gross an die beiden Wölfe gedacht. Doch spurlos an ihr vorbeigegangen ist der Vorfall nicht. Sie erklärt: «Es gibt weiter oben im Skigebiet einen Schlittelweg durch den Wald. Dort habe ich ein mulmiges Gefühl, wenn ich alleine mit meinem Enkel bin. Das letzte Mal kam zum Glück meine Tochter mit.» Zudem sei auch in der Gemeinde über den Fall geredet worden. Es habe sich schnell rumgesprochen, wer betroffen war, so die 65-Jährige.

Wölfe in Skigebieten

Die Wolfssichtung von Ende Februar war im Skigebiet Obersaxen Mundaun nicht die erste. Bereits Anfang letzten Jahres wurde dort ein Wolf gesichtet, der auf der Piste beim Kinderland unterwegs war. Im Dorf war man nach diesem Vorfall besorgt. Bei der Skischule Obersaxen hiess es, eine Gefahr für die Besucher bestehe nicht. Auch bei anderen Skigebieten im Kanton Graubünden wurden schon Wölfe gesichtet. News-Scout Marianne Annaheim sichtete im Februar einen Wolf im Skigebiet Lenzerheide.

Hier siehst du den Wolf beim Skigebiet Lenzerheide.

News-Scout

Auch wenn Wolfssichtungen in Skigebieten eher die Ausnahme sind, beschäftigt diese Thematik einige Leute. Der Bündner CVP-Nationalrat Martin Candinas wollte erst kürzlich vom Bundesrat wissen, wie er diese Wildtiere scheu halten möchte. In der Fragestellung schrieb Candinas: «Die zunehmende Präsenz von Wölfen in den Dörfern lässt für viele Einheimische ein Leben ohne Angst nicht mehr zu.»

Der Bundesrat meinte in der Antwort, «dass Nichtstun angesichts der Entwicklung des Wolfbestandes keine Option darstellt». Er verwies auf Vorstösse im National- und Ständerat, die noch hängig sind. Sobald die Vorstösse angenommen werden, werde das zuständige Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) Anpassungen rasch vorantreiben. Die Schweizer Stimmbevölkerung lehnte im September 2020 eine Vorlage ab, die ermöglicht hätte, Wölfe stärker zu regulieren.

Hast du Fragen zu Tieren?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

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