Stress: «Ich habe Probleme mit Autorität»

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Stress«Ich habe Probleme mit Autorität»

Stress hat mit seinen Jungs einen Song aufgenommen. Was sie verbindet: Die Musik, Tattoos – und dass sie aus ihrer Heimat fliehen mussten.

von
Martin Fischer

Wann immer Stress in Lausanne ist, landet er früher oder später am Küchentisch der WG von Yves, George und Issam. «Wir machen, was wir früher schon gemacht haben: Wir hören Rap, reden über Filme, Frauen, trinken, essen und rauchen», sagt Stress. Die drei WG-Jungs gehören zu seinen ältesten Freunden. «Wir haben früher auf dem Fussballplatz von Grand-Vennes Stress' Texte gesungen», erzählt George. Nun veröffentlichen sie einen gemeinsamen Song, «Vogue». «Wir kennen uns schon über zehn Jahre, aber es ist das erste Mal, dass wir einen Song zusammen machen», sagt Stress.

Alle vier mussten ihre Heimat verlassen

Was die Jungs neben der Musik und den vielen Tattoos verbindet, sind auch ihre persönlichen Geschichten. Alle vier haben mit ihren Familien als Jugendliche die Heimat verlassen – Ruanda, Tunesien, Bulgarien und Estland – und sind letztlich in Lausanne gelandet. «Unsere Eltern haben uns hier in Sicherheit gebracht», sagt Yves, der neben Stress im neuen Song rappt. «Ich glaube, dass wir unsere Heimat verlassen mussten, gibt uns allen einen besonderen Drive, eine Attitüde, die wir alle teilen», ergänzt Stress.

Schon in der Jugendzeit hatte die Clique einen Ruf in der Stadt: «Es hiess: Da kommen ‹les petits cons›, die kleinen Mistkerle. Wir haben schon unsere Grenzen ausgelotet», sagt Stress. «Wie das junge Menschen machen.» Das heisst: Graffiti, sich in Clubs reinschleichen, und «all die kleinen Dinge», die damit einhergehen. Genauer will er es nicht benennen. Da gab es auch mal Diskussionen mit der Polizei. «Ich habe grundsätzlich Probleme mit Autorität.» Wenn er und seine Freunde heute feiern gehen, zahlt Stress übrigens die Rechnung. «In Lausanne sind wir grosszügig zueinander.»

«Wir machen das nicht für die Charts»

Die Rollen in der Gruppe sind klar verteilt. Stress erklärt: «George ist der Playboy, Yves der schlaue Fuchs, Issam der Verrückte.» Issam ist es auch, der sich im Video bis auf einen weissen Slip auszieht. Und Stress selbst? «Ich schaue, dass wir etwas zu Ende bringen.» Beim einen Song soll es nicht bleiben. «Das ist das erste, aber nicht das letzte Mal, dass wir zusammen Musik machen», sagt Co-Rapper Yves.

Ist Stress also bald kein Solokünstler mehr? Kaum. Was er an der Zusammenarbeit mit seinen Jungs aber besonders mag: «Wir machen nichts, das es in die Charts schaffen oder ins Radio passen muss.» Klingt so, als ob Stress, nicht auf Verkäufe und Verträge Rücksicht nehmen muss? «Vielleicht, ja. Es war vor allem eine spontane Sache.» Der Song sei nach einer gemeinsamen Partynacht mit seinen Freunden entstanden. Apropos: Am 5. Dezember feiern die kleinen Mistkerle den Release im Wasserwerk Bern.

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