Reportage: «Ich habe Schiss, zu scheitern»
Aktualisiert

Reportage«Ich habe Schiss, zu scheitern»

Nina Pauer hat ein Buch über die Ängste und Nöte ihrer Generation geschrieben. Sie weiss, wovon sie spricht: Auch sie plagen Selbstzweifel.

von
Miriam Suter
«Falsche Entscheidungen können einem auch was bringen für die Zukunft»: Die deutsche Autorin Nina Pauer, 28.

«Falsche Entscheidungen können einem auch was bringen für die Zukunft»: Die deutsche Autorin Nina Pauer, 28.

Friday: Nina, woher kam die Idee zu deinem Buch?

Nina Pauer: Während meines Praktikums bei der «Zeit» haben wir in einer Redaktionssitzung über moderne Tabus ge­sprochen.

Dann siehst du Angst als ein modernes Tabu?

Naja, nicht Angst allgemein. Aber eben diese Zukunftsängste und Selbstzweifel, die viele in meinem Freundeskreis und auch mich plagen. Darüber redet man nicht gern in der Öffentlichkeit.

Welche denn zum Beispiel?

Eine Freundin von mir hat alles, was man sich während des Studiums so wünscht: Mit 27 war sie schon eine längere Zeit im Ausland, konnte tolle Praktika machen und arbeitet jetzt in einer renommierten Werbeagentur. Trotzdem hat sie mich auch schon heulend von der Toilette aus angerufen, weil sie nicht mehr konnte.

Oh je...

Ja, total. Die häufigste Frage, die ich höre, ist: «Bin ich gut genug?» Ich frage dann im Gegenzug: «Gut genug für wen? Für wen machst du das alles?»

Zweifelst du nicht auch an dir selber?

Doch, natürlich. Ich denke, gerade wenn man schreibt, ist die Arbeit mit sehr vielen Selbstzweifeln verbunden.

Wie entspannst du dich dann?

So klischiert es auch klingt: Ich gehe ins Yoga.

Wie deine Protagonistin also? Lustig.

Es steckt natürlich auch ein wenig von meiner Person im Buch. Aber es stimmt, Yoga ist für mich ein guter Ausgleich zum Stress.

Hast du auch manchmal diese endlosen Gedanken, die dich nachts nicht schlafen lassen?

Ja, leider. Aber ich stehe dann auf und gehe raus zum Spazieren.

Du gehst ernsthaft mitten in der Nacht raus und läufst alleine herum?

Ja. Mir hilft es sehr, wenn ich den Platz, wo ich gestresst bin, verlasse.

Was hilft sonst noch bei zu vielen stressigen Gedanken?

Ich denke, das Wichtigste ist, sich selber und seine Probleme zu relativieren: Zeit mit Leuten verbringen, die andere Gedanken haben. Sich bewusst machen, dass es Schlimmeres gibt als eine schlecht gelaufene Präsentation. Oder man malt sich aus, was das Allerschlimmste wäre, was einem gerade passieren kann.

Was wäre das bei dir?

Momentan: zu scheitern. Ich fange bald mein zweites Buch an, und da habe ich schon Schiss, dass ich das nicht hinkriege.

Eigentlich ein ganz angenehmer Worst Case!

Stimmt! (lacht) Naja, abgesehen von existenziellen Dingen wie meine Eltern zu verlieren oder so.

Im Buch gehts auch um das «richtige Jetzt für das richtige Später». Wie fühlt sich dein Jetzt an?

Sehr gut. Ich kann mich gut auf mein Bauchgefühl verlassen. Auch, als ich mich entscheiden musste, ob ich eine Doktorarbeit beginnen soll oder eben doch Buchautorin werden will.

Hast du die Entscheidung nie bereut?

Nein. Aber ich denke, dass man auch aus falschen Entscheidungen etwas Gutes für die Zukunft mitnehmen kann.

Nina Pauer erzählt am Montag 23. 1. zusammen mit Andri Perl (Breitbild, «Die fünfte, letzte und wichtigste Reiseregel») im Zürcher Kaufleuten vom Erwachsenwerden und den Ängsten ihrer Generation. Türöffnung: 19 Uhr.

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