Mitten in Basel: «Ich habe schon 29 solche Spinnen in meiner Wohnung gefangen»
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Mitten in Basel«Ich habe schon 29 solche Spinnen in meiner Wohnung gefangen»

O.R.* wohnt seit über zehn Jahren dort, doch seit September hat er neue Mitbewohner, die ihm das Leben schwermachen. Zwar fängt und füttert er sie vorerst, für immer möchte er sich aber nicht mit den Achtbeinern arrangieren müssen.

von
Seline Bietenhard
20 Minuten/Seline Bietenhard

Im September 2020 fand O.R.* zum ersten Mal eine Spinne in seiner Basler Wohnung. Die Spinne war derart gross, dass er das Tier sofort erlegte und dann entsorgte, wie er sagt. Das Ausmass seines Spinnenproblems wurde ihm erst bewusst, nachdem weitere Spinnen in seiner Wohnung auftauchten. Gemäss seinen Aussagen hat der Basler bereits 29 der Tiere eingefangen. Bei den Spinnen handelt es sich um die Zoropsis spinimana, die Echte Kräuseljagdspinne.

«Ich hatte bereits zwei Mal den Kammerjäger da. Das erste Mal hat er nur in den Ecken gesprüht und war in 10 Minuten fertig. Danach hatte ich etwa drei Tage lang Ruhe von den Viechern. Auch nach dem zweiten Termin habe ich nach einigen Tagen wieder Spinnen aufgefunden», so R. verzweifelt.

Achtbeiner rauben ihm den Schlaf

Er könne, seit die Spinnen aufgetaucht sind, nicht mehr richtig schlafen, ständig wache er nachts auf, erzählt der Mann. «Und wenn ich dann da wieder so eine Spinne im Schlafzimmer sehe, muss ich auf die Jagd gehen und sie sofort einfangen. Dann bin ich halt schon seit 4 statt 6 Uhr morgens wach.»

Auch beim Anziehen müsse R. aufpassen, wie er sagt. Die Spinnen hätten sich schon in seinen Turnschuhen oder in seinem Bademantel versteckt. Gemerkt habe er es erst, als er den Bademantel schon angezogen hatte. «Ich spürte, wie mir etwas den Rücken hochkrabbelte.» Nun schüttle er zuerst jedes Kleidungsstück und jeden Schuh aus. Inzwischen fange er die Spinnen ein und füttere sie sogar. Er hofft aber, dass das nicht für immer so bleibt.

*Name der Redaktion bekannt

Die Zoropsis spinimana

Die Zoropsis spinimana ist eine wärmeliebende Spinne, die seit etwa 20 Jahren in der Schweiz verbreitet ist.

Die Zoropsis spinimana ist eine wärmeliebende Spinne, die seit etwa 20 Jahren in der Schweiz verbreitet ist.

Wikimedia/Stodtmeister

Ursprünglich in den 1970-er-Jahren in der westlichen Mittelmeerregion zuhause, findet sich die Zoropsis spinimana wegen der Klimaveränderung seit über 20 Jahren auch in der Schweiz. Basel war einer der ersten Orte, an denen die Tiere nachgewiesen werden konnten. Die Spinne findet sich häufig in Städten an und in Gebäuden oder in Gärten. Im Frühling legen die Tiere vorzugsweise in hohen Lagen Eier und vermehren sich so.

Die Männchen haben eine Körperlänge zwischen 10 und 13 Millimetern. Die Weibchen sind mit einer Körperlänge von 10 bis 19 Millimeter deutlich grösser. Wenn sich die Zoropsis spinimana bedroht fühlt, besteht das Risiko, gebissen zu werden. Der Biss fühlt sich ähnlich an wie ein Wespenstich. Das Gift ist harmlos, solange keine Allergien vorliegen.

Experte rät zu Gelassenheit

Gemäss Wolfgang Nentwig, Ökologe und Spinnenexperte, ehemals an der Universität Bern, sollte man bei einem solchen Spinnenfund zunächst Ruhe bewahren. Die Spinnen würden nicht beissen, solange man nicht versuche, sie mit blossen Händen zu fangen oder sie gar zu quetschen. Zudem sei der Biss «nicht sonderlich schlimm».

Die Spinnenart habe sich, wie zahlreiche andere Tier- und Pflanzenarten, in Folge des Klimawandels in unseren Breitengraden ausgebreitet. «Die Zoropsis spinimana ist eine Art, die eigentlich in Felsenlandschaften lebt. Innenstädte mit ihren Gebäuden sind der ideale Ersatzlebensraum für diese Spinnen. Sie sind immer da, werden bleiben und können quasi überall vorkommen», so Nentwig.

Was tun bei Spinnen in der Wohnung?

Die Spinnen kann man mithilfe eines Bechers einfangen. Der Becher wird über die Spinne gestülpt und man kann dann ein Stück Karton darunter schieben. Die Spinne kann mithilfe des Bechers draussen freigelassen werden. Bei vereinzelten Exemplaren reiche es, sie hundert Meter von der Wohnung entfernt auszusetzen, so Nentwig.

Die Spinnen verstecken sich gerne in Rolladenkästen oder in Dachrinnen. Die ABC-Schädlingsbekämpfung rät, im Herbst die Hausfassade zu reinigen, damit sich die Tiere im Frühling nicht vermehren können. Sollte ein starker Spinnenbefall vorhanden sein oder Allergien vorliegen, könne durch einen Schädlingsbekämpfer örtlich eine Behandlung durchgeführt werden.

Laut dem Mieterverband handelt es sich bei Spinnen in der Mietwohnung rechtlich gesehen um einen Mangel. Die Vermieter sind in solchen Fällen gemäss Mieterverband dazu verpflichtet, bei der Schädlingsbekämpfung zu helfen und die Kosten dafür zu übernehmen, sollte der Befall nicht selbstverschuldet sein.

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